Schüler des Berufskollegs Erkelenz diskutieren bei "Jugend debattiert"

Wettbewerb „Jugend debattiert“ : Die Alternativlosigkeit nicht akzeptieren

Einen lebhaften Schlagabtausch bietet der Wettbewerb „Jugend debattiert“. In Nordrhein-Westfalen nehmen in diesem Jahr 229 Schulen an dem Wettbewerb teil. Auch am Berufskolleg in Erkelenz, das Schüler aus dem gesamten Kreisgebiet besuchen, wurde jetzt debattiert.

Es ist nicht schwer, gleich eine ganze Reihe von Allgemeinplätzen aneinanderzureihen, warum ein Wettbewerb mit dem Titel „Jugend debattiert“ gerade in diesen Zeiten in unserer bundesrepublikanischen Gesellschaft Sinn macht: Eine Demokratie setzt urteilsfähige Bürger voraus, etwa.

Oder: Wer lernt, andere Meinungen zu respektieren, eigene Positionen begründet vorzutragen und Argumente abzuwägen, ist in der Lage, mitzureden und an der Gesellschaft teilzuhaben. Wichtige Anliegen, die das Fundament des inzwischen größten privat-öffentlich finanzierten Projektes zur sprachlichen und politischen Bildung in Deutschland bilden. Vor allem aber beweisen die Schüler, die sich im Wettbewerb mit anderen der Debatte stellen, dass es selbst in diesen Zeiten („Die Zukunft war früher auch besser“) keine Verhaltensauffälligkeit ist, eine eigene Meinung zu haben – und diese auch zu vertreten.

In Nordrhein-Westfalen nehmen in diesem Jahr 229 Schulen an dem Wettbewerb teil, bundesweit waren es im vergangenen Jahr rund 200.000 Schüler an 1200 Schulen. Auch am Berufskolleg in Erkelenz, das Schüler aus dem gesamten Kreisgebiet besuchen, wurde debattiert. Und die, die in diesem Jahr am Wettbewerb teilnahmen, beschäftigten sich mit dem Vorhaben der Bundesregierung, zusammen mit den Ländern und auf kommunaler Ebene den öffentlichen Nahverkehr gratis anzubieten, auch um so die Zahl der Privatfahrzeuge zu reduzieren.

Am Dienstag, 26. Februar, findet am Cusanus-Gymnasium in Erkelenz das Regionalfinale von „Jugend debattiert“ statt. Foto: Nicola Gottfroh

Streit in fünf Runden

Insgesamt 20 Schülerinnen und Schüler der Schule stritten in fünf Runden um den Sieg. Die Debatte, also das Gespräch nach festen Regeln, zielt auf eine Entscheidungsfrage, die man nur mit Ja oder mit Nein beantworten kann. In jeder Runde gab es  an diesem Tag des Schulfinales am Berufskolleg in Erkelenz zwei Kandidaten, die die „Position Pro“ und auf der Gegenseite zwei Kandidaten, die die „Position Contra“ zur Streitfrage „Sollte der ÖPNV flächendeckend für alle Menschen in der BRD kostenlos sein?“ vertraten.

In der Eröffnungsrunde beantwortete jeder der jeweils vier Teilnehmer die Streitfrage aus seiner Sicht. In der freien Aussprache, die auf zwölf Minuten beschränkt ist, wurden weitere Argumente vorgebracht und miteinander abgeglichen. In der Schlussrunde hatte jeder Teilnehmer noch einmal die Möglichkeit, die Streitfrage ein zweites Mal zu beantworten, diesmal im Kontext all der Argumente, die er gehört hat – also seine ursprüngliche Meinung möglicherweise auch zu ändern. Das Wesen der Demokratie besteht nämlich auch darin, die Behauptung der Alternativlosigkeit nicht zu akzeptieren und Alternativen Raum zu geben. Eine Jury bewertete die Leistung jedes Teilnehmers nach vier Kriterien: Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit, Überzeugungskraft.

Am Ende hatte Andreas Peschen, der im zweiten Ausbildungsjahr als Zerspannungsmechaniker im Fachbereich Metall das Berufskolleg besucht, die meisten Punkte auf seinem Konto angesammelt.

Mit Niveau

Aus der Hand von Wassenbergs Bürgermeister Manfred Winkens erhielt er die Siegerurkunde überreicht und wird genauso wie der Zweitplatzierte David-Leon Müller, der Industriekaufmann werden will, am 26. Februar am Cusanus-Gymnasium in Erkelenz am Regionalfinale des Wettbewerbes „Jugend debattiert“ teilnehmen.

Der Bürgermeister Manfred Winkens zollte als Politiker dem Niveau, auf dem die Wettbewerbsteilnehmer das Thema ÖPNV debattiert hatten, großen Respekt: „Das ist bei uns im Kreis Heinsberg ein Acht-Millionen-Projekt, das schon lange diskutiert wird. Der Kreis ist dafür zuständig, aber die Kommunen müssen es bezahlen.“ Da gebe es natürlich viele Debatten, sagte Winkens. Und da treffe er auch „viele Leute, die keine Ahnung haben, das aber gut rüberbringen können“. Das habe er, sagte Wassenbergs Bürgermeister, an diesem Vormittag am Berufskolleg in Erkelenz in den Debatten über den ÖPNV völlig anders erlebt.

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