Bildhauer Johann Jakob Wolks: Schmuckstück für die Stube an Historischen Verein geschenkt

Bildhauer Johann Jakob Wolks : Schmuckstück für die Stube an Historischen Verein geschenkt

Ein ganz besonderes und zugleich außergewöhnliches Werk neugotischer Bildhauerkunst ist nach über 100 Jahren wieder an den Ort seiner Entstehung nach Waldfeucht zurückgekehrt.

Im Jahr 1915 hatte der damals hier lebende und arbeitende Bildhauer Johann Jakob Wolks für seinen Sohn Josef und dessen Frau ein neugotisches Esszimmer angefertigt mit Tisch, sechs Stühlen, Armlehnstuhl, sogenannter Orgelbank und einem Schrank. Über 70 Jahre lang stand es in Aachen, danach in Heinsberg-Karken, bis Urenkelin Ursula Kremers es jetzt nach dem Tod ihrer Mutter der Gerhard-Tholen-Stube zur Verfügung stellte.

Erstmals konnte es jetzt hier nach der Restauration durch Mitglieder des historischen Vereins bei der monatlichen Öffnung des Heimatmuseums komplett besichtigt werden. Dabei übergab Ursula Kremers dem Vorsitzenden Peter Dahlmanns und dem Schatzmeister Manfred Rulands das Hochzeitsfoto der ersten Besitzer dieses eindrucksvollen Ensembles.

Nach dem Tod der Mutter habe sie nicht gewusst, wo sie das Zimmer unterbringen sollte, erzählte Ursula Kremers. „Ich hatte schlaflose Nächte.“ Dann nahm sie Kontakt mit dem Historischen Verein Waldfeucht auf, der das gesamte Ensemble jetzt stolz in der Gerhard-Tholen-Stube präsentiert.

„Ja, es ist richtig so. Hier gehört es hin“, befand die ehemalige Besitzerin, als sie den neuen Standort besichtigte. Immerhin habe dieses Zimmer auch sie ein Leben lang begleitet, erzählte sie. „Immer, wenn die Großeltern etwas gefeiert haben, mussten wir Kinder auf die Bank“, erinnerte sie sich.

Natürlich besuchte sie auch die Bildhauerwerkstatt ihres Urgroßvaters, die sich einen Stock höher ebenfalls in der Gerhard-Tholen-Stube befindet. Werkbänke, Werkzeuge, Zeichnungen und Gipsmodelle von Statuen und Reliefs bieten ein anschauliches Bild von der religiösen Bildschnitzerkunst im neugotischen Stil, wie sie um die Jahrhundertwende am Niederrhein verbreitet war.

Ursprünglicher Gründer der Werkstatt war 1865 Toussaint Goertz. Johann Jakob Wolks erhielt hier ab 1873 seine Ausbildung und blieb dann zunächst als Gehilfe in der Werkstatt. Nach weiteren Lehrjahren in Roermond, Köln und Antwerpen kehrte er nach Waldfeucht zurück und gründete hier 1883 ein eigenes Atelier für kirchliche Kunst. Zu seinen Kunden zählten nicht nur Pfarreien und Klöster der Umgebung, sondern auch kirchliche Auftraggeber in Berlin, Bayern, im Ruhrgebiet und im benachbarten Ausland. Wolks beschäftigte neben Schreinern auch sogenannte Figuristen und Ornamentschnitzer.

Kirchen, Klöster und Kapellen seien von Wolks mit Altären, Kanzeln, Beichtstühlen, Kommunionbänken, Orgelgehäusen und -brüstungen, Chorstühlen, Figuren, Konsolen, Baldachinen und all den kleinen Einrichtungsgegenständen beliefert worden, die in eine Kirche gehören, schreibt Julius Jansen in seinem Bericht über die Werkstatt im Heimatkalender aus dem Jahr 1978.

Nicht nur der Baustil sei damals neugotisch gewesen. „Neugotisch mussten dann auch die Einrichtungen sein, vom Hochaltar bis zum Handtuchhalter in der Sakristei“, berichtet er.

Werkstatt Wolks

In der Region wurden das Ursulinenkloster in Geilenkirchen von Johannes Jakob Wolks mit Schnitzereien beliefert. Auch das Kloster in Gangelt oder der Karmel im niederländischen Echt gehörten zu seinen Kunden, „wie die handgeschriebenen Zeugnisse der Oberinnen beweisen“, weiß Jansen.

Auch zahlreiche Denkmäler in der Region stammen aus der Werkstatt Wolks, so etwa das Kritzraedt-Denkmal in Gangelt, das der jüngste Sohn Peter geschaffen hat. Er führte die Werkstatt des Vaters, der 1936 starb, noch bis zu seinem Tod im Jahr 1967 fort.

Johann Jakob Wolks hatte insgesamt sechs Söhne, von denen zwei das Bildhauerhandwerk erlernt hatten, aber im ersten Weltkrieg ums Leben kamen. So machte sich Sohn Peter nach dem Krieg mit seinem Vater an die Arbeit. Sohn Josef dagegen, für den der Vater als Hochzeitsgeschenk das neugotische Esszimmer fertigte, arbeitete als Regierungsobersekretär in Aachen. Er vererbte das Zimmer an Sohn Franz. Dessen Tochter Ursula heiratete 1985 Arno Kremers und zog mit ihrer Mutter Magdalene, die inzwischen Witwe war, und besagtem Esszimmer nach Karken.

„Nach zwei Weltkriegen und 103 Jahren ist es nun wieder an seinem Entstehungsort zurück“, freute sich Rulands bei der Präsentation in der Gerhard-Tholen-Stube.