Schmucke Dirndl für die große Sause in Waldfeucht-Braunsrath

Offene Jugendarbeit : Schmucke Dirndl für die große Sause

Ob Marion Ritterbecks schon während der Osterferien an das große Haarener Oktoberfest gedacht haben mag? Möglich, aber gefragt haben wir sie nicht danach. Fest steht allerdings, dass ihre Idee, die sie bei der damaligen Ferienaktion der Offenen Jugendarbeit in Braunsrath den Mädchen in ihrem beliebten Nähkurs kundtat, gleich begeistert aufgenommen wurde: Passend zur Oktobersause sollten die Mädchen sich in den großen Sommerferien an einem Dirndl versuchen. Das Ergebnis, das sie jetzt stolz präsentierten, ist geradezu sensationell.

Was die zwölf Mädchen, alle im Alter zwischen zwölf und 14 Jahren, im Braunsrather Pfarrheim innerhalb von nur einer Woche unter fachkundiger Leitung der gelernten Bekleidungstechnikerin Marion Ritterbecks zustande gebracht haben, lässt sich ohne Übertreibung als exzellent beschreiben.

Alle sind sie zum Fototermin in ihre neuen Dirndl geschlüpft und bilden ein wunderschönes, farbenfrohes Bild. Verschiedene Stoffe, Perlen, Schleifen, Rüschen, unterschiedliche Schnitte und Längen – keines der Kleider gleicht dem anderen. Nur in einem Punkt ähneln sie sich: allesamt sind akkurat und auf die Trägerin perfekt zugeschnitten. Würde man die Kleidchen ins Schaufenster eines Trachtengeschäftes dekorieren, wohl niemand käme auf den Gedanken, dass hier Kinderhände am Werke waren.

„Weil ich mich derzeit auch zuhause mit dem Dirndlnähen befasse, habe ich das in der Gruppe angeregt und es fand gleich großen Anklang“, sagt Marion Ritterbecks. Schon seit fünf Jahren bietet sie immer in den Ferien ihre Nähkurse an. Mal sind es Blusen oder Kleider, dann Hosen oder Taschen und Rucksäcke wie zu Ostern, die auf diese Weise von den Kindern gefertigt werden. Und längst seien es nicht nur Mädchen, die an den Kursen teilnähmen. Auch Jungs versuchten sich mittlerweile mit Nadel, Faden und Nähmaschine. Nur dieses Mal blieben die Mädchen unter sich.

Finja (links) und Madita stehen für nur zwei der unterschiedlichen Dirndl-Varianten, die in Braunsrath entstanden sind. Foto: Rainer Herwartz

Sie stammen nicht nur aus Braunsrath, sondern auch aus Unterbruch und Waldenrath. Dabei sei die einizge Werbung für die Kurse im örtlichen Braunsrather Pfarrbrief zu finden gewesen. Offenbar habe sich die Begeisterung vieler Teilnehmer schon herumgesprochen, schmunzelt Marion Ritterbecks zufrieden. „Ich bin total begeistert. Man hört ja immer nur, die Mädels säßen den ganzen Tag vor dem Computer oder am Handy. Aber sie sind hier richtig stolz auf sich, wenn sie sehen, dass sie mit den eigenen Händen etwas schaffen können.“

Marion Ritterbecks vergisst in diesem Zusammenhang auch nicht ihren Mitstreiter, den Sozialarbeiter Jan Steinsieck, der sie bei der Arbeit mit den Kindern in ihren Kursen unterstütze. „Je nach Förderung durch das Land beträgt die Kostenbeteiligung für die Kinder übrigens meist nur 3,50 Euro“, sagt Marion Ritterbecks.

„Es gibt Kinder, die haben sehr viel Talent und Leidenschaft, so dass sie die anderen regelrecht anstecken. Das ist das Tolle“, freut sich Marion Ritterbecks. Es gibt auch einige Mädchen, die nach der gemeinsamen Zeit weiternähen und die mir zeigen, was dabei herausgekommen ist. Die 14-jährige Madita ist eine von ihnen. „Ich nähe seit Jahren bei Marion und habe auch schon vorher ein Dirndl genäht“, sagt sie. Auch die zwölfjährige Finja hat da schon so ihre Erfahrungen gemacht. Und war begeistert, als es nun hieß ein Dirndl anzufertigen. „Ich hätte schon immer gerne ein Dirndl gehabt. Ich habe mir zwar schon eine Nähmaschine gekauft, aber noch nichts zum Anziehen gemacht, nur Kissen oder solche Sachen.“

Für ihre Voltigiertrainerin machen die Mädchen derzeit eine Spiel- und Krabbeldecke. Daran arbeiten auch Darleen und Jutta fleißig mit. „Denn sie bekommt ein Baby“, sagt Madita.

Mehr von Aachener Nachrichten