Schafhausen: Slowenien prägt den Gottesdienst

Weltgebetstag : Slowenien prägt den Gottesdienst

Beim Weltgebetstag dreht sich alles um das kleine Land Slowenien, das einst zu Jugoslawien gehörte. Beim Gottesdienst in Schafhausen berichten Frauen von den Lebensverhältnissen in der Vergangenheit und der Gegenwart.

Mit Gemüse, Obst, Korbflaschen für Wein und einem großen Strauß Nelken, der Nationalblume Sloweniens, auf Tüchern in Blau, Rot und Weiß hatten Frauen aus fünf Heinsberger Pfarreien einen der zentralen Gottesdienste der GdG Heinsberg-Waldfeucht zum Weltgebetstag der Frauen vorbereitet. In die Pfarrkirche St. Theresia in Schafhausen hatten sie vor allem die Frauen aus Heinsberg, Kirchhoven, Kempen, Schaufhausen und Unterbruch eingeladen zu einem Gottesdienst, den dieses Mal Frauen aus Slowenien vorbereitet hatten. Mit einem herzlichen „Dober dan!“, einem „Guten Tag!“ begrüßten sie die Besucher.

Zum Team in Schafhausen gehörte auch Jelka Schnelle, die in Slowenien geboren wurde und vor 49 Jahren mit ihren Eltern nach Ratheim kam, wo ihr Vater auf der Zeche Sophia Jacoba arbeitete. Seit 32 Jahren lebt sie in Schafhausen. Sie berichtete über das Land, das eines der jüngsten und kleinsten der Europäischen Union ist mit seinen gerade mal zwei Millionen Einwohnern. Als „kleines Alpenland im Herzen Europas“ bezeichnete Jelka Schnelle Slowenien, das nur so groß sei wie das deutsche Bundesland Sachsen-Anhalt, so ihr Vergleich. Heute seien 70 Prozent der Frauen in ihrem Land berufstätig und deren Möglichkeiten, in Führungspositionen tätig zu sein, deutlich besser als in Deutschland.

Im Laufe des Gottesdienstes stellten die Frauen am Altar noch Lebensläufe weiterer Frauen aus Slowenien vor, die das slowenische Komitee als beispielhaft ausgewählt hatte. Da war zunächst Marjeta, die am Endes des Zweiten Weltkriegs geboren wurde, als ihr Land noch Teil Jugoslawiens, einer marxistisch-sozialitischen Republik war. „Religiöse Menschen galten als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse“, erklärte ihre Sprecherin am Altar für sie. So sei sie schließlich als Gastarbeiterin in der Schweiz gelandet, inzwischen aber wieder in ihre Heimat zurückgekehrt.

Weitere Lebensgeschichten waren die von der jungen Mojca, die Beruf und Familie unter einen Hut bringen muss, von der 80-jährigen Marija, die mit ihrer Familie auf einem Bauernhof lebt, von Ema, die mit Alkoholmissbrauch in ihrem familiären Umfeld kämpft, oder von Natascha, die zur ethnischen Minderheit der Roma gehört. „Kommt, alles ist bereit!“, lautete das Zitat aus dem Gleichnis vom Festmahl aus dem Lukas-Evangelium, mit dem die slowenischen Frauen ihren Gottesdienst überschrieben hatten. Rund um die Welt Solidarität zu leben oder auch global das allgemeine Recht auf Bildung sicherzustellen, waren Forderungen, die von den Frauen aus diesen Schilderungen abgeleitet wurden.

Mit der Kollekte aus den Gottesdiensten zum Weltgebetstag sollen in diesem Jahr vor allem Projetke zur politischen und gesellschaftlichen Teilhabe gefördert werden. Als Beispiel dafür wurde im Begleitheft zum Weltgebetstag die Menschenrechtsorganisation Fundación Nydia Erik Bautista (FNEB) in Kolumbien vorgestellt, die Angehörige bei der Suche nach gewaltsam verschwundenen Angehörigen unterstützt. Im nächsten Jahr kommt der Gottesdienst des Weltgebetstags, der inzwischen in mehr als 120 Ländern der Erde gefeiert wird, aus Simbabwe.

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