Rund 150 Schüler gehen in Erkelenz auf die Straße

„Friday for Future“ : Schüler streiken für den Klimaschutz

Vielleicht findet die Demonstration gerade in Erkelenz statt, weil Klima- und Umweltprobleme dort real werden. Am Freitag gingen rund 150 Schüler auf die Straße, um für den Klimaschutz zu demonstrieren.

Sie greifen damit die in vielen Ländern verbreitete Aktion „Fridays for Future“ („Freitage für die Zukunft“) auf. Ihnen geht es um das globale Klima und um den Stopp des Braunkohletagebaus Garzweiler vor ihrer Haustür.

Die Idee zu der Aktion in Erkelenz hatte Tina Dresen, 18 Jahre, vor ein paar Wochen. Zur ersten Aktion seien 27 junge Leute gekommen, sagt die Schülerin des Cusanus-Gymnasiums. Dass nun so viele Teilnehmer dabei sind, um vom Bahnhof über das Kölner Tor zum Johannismarkt zu ziehen, freute Dresen sehr: „Ich bin überrascht, dass es so viele sind. Viele Jugendliche interessieren sich nicht für Politik und Umweltschutz“, sagt sie. Die Teilnehmer machen jedoch sehr lautstark und mit bunt bemalten Schildern auf ihr Anliegen aufmerksam.

Die Schüler haben an der Aktion „Fridays for Future“ teilgenommen. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Tina Dresen ist selber eine Betroffene. Sie lebt in Kuckum, einem Ort, den RWE aktuell für die Braunkohle umsiedelt. Tina Dresen sagt, dass der Klimaschutz im Rheinischen Braunkohlerevier beginnen müsse. „Wegen des Hambis und wegen der Dörfer.“ Sie würden „zu Unrecht für Braunkohle von vorgestern abgebaggert“. Wegen dieser Betroffenheit und Nähe, die natürlich auch die Mitschüler der Jugendlichen aus den Dörfern am Rande des Tagebaus spüren, ist Erkelenz in gewisser Weise ein Spezialfall. Das erklärt, warum das Phänomen „Fridays for Future“, das in Großstädten wesentlich stärker verbreitet ist, nun auch in den Kreis Heinsberg kommt.

Begonnen hatte alles mit der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg, deren Schulstreik vor dem Stockholmer Reichstag für großes Aufsehen sorgte. Sowohl ihre Eltern als auch ihre Lehrer kritisierten den Streik, unterbanden ihn aber nicht.

Bei der Aktion geht es um globale und lokale Aspekte des Klimaschutzes. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Später fand das Mädchen Nachahmer, zunächst in Schweden, wo sich bald Schüler vor den Rathäusern von rund 100 Kommunen ihrem Protest anschlossen, später auch in anderen Ländern. Laut Süddeutscher Zeitung ist sie die „Galionsfigur der Klimaschutzbewegung“. Am Mittwoch traf sie EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Brüssel. Die junge Klimabewegung wird ernst genommen.

Was auf lokaler Ebene in Erkelenz geschieht, haben auch Anne und Lisa Thönissen in der Schule erfahren. Einige Klassenkameradinnen hätten schon wegen des Tagebaus umziehen müssen, sagen sie. Das habe ihnen bewusst gemacht, dass sich etwas ändern muss. „Die Zukunft ist uns wichtig. Wir wollen auch noch mit unseren späteren Kindern draußen die Natur genießen“, sagt Anne Thönissen, 15 Jahre.

Viele Schüler hatten zuvor Schilder gemalt, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen, wie auch Anne und Lisa Thönissen. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Ihr Engagement bedeutet aber auch, dass sie den Unterricht sausen lassen. So ist das eben bei einem Schulstreik. Die drei unentschuldigten Fehlstunden, die sie an diesem Freitag kassieren, sind ihnen aber „egal“. An diesem Tag sei ihnen ihr Engagement für die Umwelt wichtiger.

Dass unentschuldigte Fehlstunden notiert werden, sei eine klare Sache, sagt Willi Gronenthal, stellvertretender Leiter des Cusanus-Gymnasiums. Wer an der Demonstration teilnehme, komme seiner Schulpflicht nicht nach. Das sei die klare Vorgabe des Ministeriums. Auch eine schriftliche Entschuldigung der Eltern, die ihren Kindern die Demo-Teilnahme erlauben, nützt da nichts. Einzige Ausnahme: Das Thema wird im Schulunterricht vorbereitet, und der Lehrer nimmt mit dem kompletten Kurs an einer Demonstration teil.

Tina Dresen fordert, dass der Hambacher Forst und die Erkelenzer Dörfer erhalten bleiben. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Von dieser Haltung des NRW-Schulministeriums wollen sich Tina Dresen und Mitstreiter aber nicht einschüchtern lassen: „Wir bleiben laut. Wir wollen unser Recht behalten, für unsere Zukunft zu demonstrieren. Wir lassen uns nicht den Mund verbieten“, sagt sie und kündigt an, dass weitere Demonstrationen wie diese in den kommenden Wochen folgen sollen.

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