Roxy-KIno zeigt zum Thema Inklusion "Weserlust Hotel"

Roxy-KIno im Kreis Heinsberg : Ein Film, der nicht ins Sendeformat passt

Nach zwei Wochen Kleinkultur im Zirkuszelt hat das diesjährige inklusive Kulturfestival der Lebenshilfe Heinsberg unter dem Motto „Kultur ohne Barrieren“ mit einem Filmabend im Heinsberger Kino einen weiteren Höhepunkt erlebt.

Und nicht nur ein Film oder besser gesagt der Dokumentarfilm über einen Filmdreh war dabei zu sehen. Auch der Regisseur sowie zwei Darsteller waren vor Ort und kamen danach mit dem Publikum ins Gespräch. Teilhabe und Inklusion seien wichtig in allen Bereichen des Lebens, „auch da, wo es viel Spaß macht“, erklärte Monika Kohnen vom Vorstand der Lebenshilfe in ihrer Begrüßung. Kulturelle Angebote seien da die allerbesten, ergänzte sie und leitete damit über zum Film.

„Weserlust Hotel“ heißt die filmische Dokumentation, in der es um das neue Projekt namens „All Inclusive“ des Regisseurs Eike Besuden geht, der mit „Verrückt nach Paris“ bekannt geworden ist. Dabei hat er mit Menschen mit Behinderung gedreht, deren Ausflug nach Köln in Paris endet. In dem neuen Stück geht es um Ricky, ebenfalls ein junger Mensch mit Behinderung, der ein Hotel erbt, als seine Mutter ganz plötzlich stirbt. „Weserlust Hotel“, produziert mit Unterstützung der Aktion Mensch, sollte eigentlich kein Kinofilm werden, sondern einer fürs Fernsehen, der Auftakt einer ganzen Serie.

„Raus aus dem Kino, rein ins Fernsehen“, sei die Strategie gewesen, um noch mehr Menschen für das Thema Inklusion zu sensibilisieren, erklärte Besuden in Heinsberg. „Denn das ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die noch nicht wirklich angenommen wird“. Doch mit dieser Initiative sei er bei den Sendern „krachend gelandet“, räumte er ein. „Keiner wollte es haben.“ Der ARD habe der Film zwar gefallen. Doch er passe nicht ins Sendeformat, habe die Absage geheißen.

Daher gibt es jetzt „Weserlust Hotel“, einen Dokumentarfilm über die Dreharbeiten, mit dem Besuden und seine Darsteller jetzt sozusagen durch die Kinos touren. Eigentlich ein Glücksfall, denn darin wird überaus deutlich, was sich hinter den Kulissen des Films entwickelt hat – vor allem im Zusammentreffen von professionellen Schauspielern wie Doris Kunstmann und Dominique Horwitz mit den Darstellern mit Behinderung. Von ihnen haben die Profis zum Beispiel gelernt, viel unbekümmerter an ihre Aufgaben heranzugehen. Nicht zuletzt überraschen die behinderten Menschen den Zuschauer auch damit, dass sie nicht nur vor der Kamera kompetent mitmischen, sondern auch ganz kompetent in anderen Gewerken sind, etwa in Bereichen Kamera, Kostüm, Musik oder Ausstattung.

Schließlich sind es aber ihre eigenen Kommentare, der eigene Umgang mit ihrem Anderssein, der diese Doku so sehenswert macht. Da wundert sich die eine Darstellerin ganz offen darüber, dass sie doch alle so fröhlich sein könnten, „obwohl wir einen an der Klatsche haben“. Eine andere spricht von „nem leichten Stich“. Und nach dem Film brachte es Melanie Socher, die im Film die Köchin Pippa spielt, auf den Punkt: „Wer ist denn heute normal? Sag es mir. Du findest keinen!“, betonte sie ganz selbstbewusst.

Interessantes erfuhren die Kinobesucher nach dem Film noch beim Gespräch mit Kinobetreiber Christoph Kalinowsky, den Darstellern Kevin Alamsyah und Melanie Socher und Regisseur Eike Besuden (v.l.). Foto: Anna Petra Thomas
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