Heinsberg: Public Viewing in Heinsberg: Euphorie mit kleinen Abstrichen

Heinsberg: Public Viewing in Heinsberg: Euphorie mit kleinen Abstrichen

Allmählich geht die Fußball-WM in die heiße Phase. Am Donnerstagabend kämpft das Team von Jogi Löw im brasilianischen Recife gegen die US-Boys von Jürgen Klinsmann um den Einzug ins Achtelfinale.

Dass Millionen von Zuschauern erneut um 18 Uhr fieberhaft vor dem Fernseher sitzen werden, ist dann ebenso gewiss wie die Tatsache, dass sich auch der Heinsberger Marktplatz zum großen Fußballwohnzimmer umfunktionieren wird.

Nicht alle Gastronomen sind ein Fan vom Public Viewing

Mehr als 3000 Besucher haben dort jeweils in den vergangenen Tagen die beiden Gruppenspiele von Lahm, Müller und Co. auf der 23 Quadratmeter großen Leinwand verfolgt. Besonders am vergangenen Samstag beim Spiel gegen Ghana platzte der Marktplatz beim allseits beliebten Rudelgucken fast schon aus allen Nähten.

Rudelgucken auf dem Marktplatz

Fest steht: Das Public-Viewing-Angebot der Stadt Heinsberg wird in diesem Jahr so gut angenommen wie nie zuvor. „Bislang sind wir mit der Resonanz mehr als zufrieden“, freut sich Hermann Rademächers, Public-Viewing-Beauftragter der Stadt. „Auch die Begegnungen ohne deutsche Beteiligung haben sich täglich bis zu 500 Menschen angeschaut. Das war bei den großen Turnieren in der Vergangenheit nicht immer so“, sagt er.

Mit Ausnahme der Partien, die nach 22 Uhr deutscher Zeit angepfiffen wurden, gab es kein Spiel, das nicht gemeinsam im Herzen der Stadt geschaut werden konnte. „Generell ist unser Angebot keine Selbstverständlichkeit. Schaut man sich in anderen Städten um, werden dort — wenn überhaupt — nur die deutschen Spiele gezeigt“, betont Rademächers.

Entpuppt sich die Stadt in diesen Tagen etwa als besonders fußballfreundlich? Nicht ganz. Denn längst nicht jeder möchte in diesen Wochen die grenzenlose Euphorie zu 100 Prozent teilen. Insbesondere die lokalen Gastronomen, die rund um den Marktplatz täglich um ihren angestrebten Umsatz kämpfen, zeigen dem Pubic Viewing die gelbe Karte.

„Selten war hier auf dem Platz so viel los wie am vergangenen Samstag, doch unserem Geschäft kam das nicht zugute“, sagt ein Mitarbeiter des Restaurants „Chic“. Obwohl die dortigen Außentische eigentlich in bester Lage mit Blick auf die große Leinwand dazu einladen, beim abendlichen Dinner den Jungs beim Kicken in Brasilien zuzuschauen, seien die meisten Stühle unbesetzt geblieben. „Viele unserer Gäste kommen zu uns, um in ruhiger Atmosphäre einen schönen Abend zu verbringen. Das ist kaum möglich, wenn hier mehr als 3000 Menschen Fußball gucken“, heißt es seitens des Restaurants.

Auch die Konkurrenz nebenan vom Restaurant „Medaillon“ hätte nichts dagegen, wenn das größte Fußballturnier der Welt bereits vorbei wäre. „Grundsätzlich ist so ein großes Event eine tolle Sache, schließlich wird den Leuten hier einiges geboten. Doch die Zäune rund um den Platz stellen unseren Eingangsbereich ein wenig in den Schatten“, kritisiert der Betreiber.

Doch schaut er über den Marktplatz rüber zu seinen Kollegen auf der anderen Straßenseite, so erblickt er dort durchaus auch strahlende Gesichter. Denn für die Schnellimbiss-Betreiber, die vor und nach den Spielen im Eiltempo vorzugsweise das Fleisch mit scharfen Messern vom Drehspieß schneiden, bedeutet das große Interesse am Public Viewing gleichzeitig ein Anstieg des Umsatzes. „Wir können uns nicht beklagen. Von mir aus könnte die deutsche Mannschaft jeden Tag ein WM-Spiel haben“, sagt eine Mitarbeiterin eines Schnellrestaurants.

Die überwiegende Mehrheit in Heinsberg wird mit Sicherheit auch am Donnerstagabend der deutschen Nationalmannschaft im Spiel gegen die USA die Daumen drücken, damit es mit dem Einzug in die Runde der besten 16 Mannschaften des Turniers klappt.

Die größte Fußballparty der Stadt würde dann zumindest mit mehr als 3000 Freunden des runden Leders weitergehen.