Projekt: Stadt Erkelenz testet digitale Medien in Kitas

Projekt: Stadt testet digitale Medien in Kitas

„Digital ganz normal“ heißt ein Projekt, mit dem die Stadt ein Jahr lang den Einsatz digitaler Medien in Kindergärten testen will. Im Jugendhilfeausschuss wurde es vorgestellt. Ausgewählt für das Projekt wurden die Einrichtungen in Immerath und am Schulring.

Ziel des Projektes ist es, den Kindern einen kreativen und weniger konsumorientierten Umgang mit digitalen Medien beizubringen, wie die beiden Leiterinnen Dorothee Pütz-Wöffen und Marion Zimmermann bei der Präsentation in Ausschuss betonten. Dort wurde das Projekt durchaus kontrovers diskutiert.

„Wir wollen erkunden, wie digitale Medien sinnvoll im Kindergarten eingesetzt werden können“, betonte der Erste Beigeordnete der Stadt Erkelenz, Dr. Hans-Heiner Gotzen, zu Beginn des Vortrags der beiden Pädagoginnen. Um das Thema komme man nicht mehr herum. Daher sei es sinnvoll, den Kindern früh eine Medienkompetenz zu vermitteln.

Dazu sollen kindgerechte Medien wie das Erzählboard, Big Points, Fotodrucker, Toniebox oder Tablet eingesetzt werden. Einige der Medien wurden vorgeführt, damit sich die Ausschussmitglieder ein Bild von dem machen konnten, worüber sie entscheiden sollten. So wird das Erzählboard zum Beispiel in mehreren Sprachen besprochen, um den Speiseplan der Woche selbständig abrufen zu können. Mit Big Points können Kinderlieder eingesungen und später abgespielt werden. Die Toniebox hat in den vergangenen Monaten einen wahren Siegeszug angetreten. Auf dem würfelförmigen Abspielgerät können nicht nur Hörspiele abgespielt werden, auch die Stimmen der Eltern können aufgenommen werden, um den Kleinen anfangs die Eingewöhnung in der Einrichtung zu erleichtern. Tablets dienen der Recherche und zum Erstellen von Fotos oder kleinen Filmen.

Am Anfang des Projektes stand eine Fortbildung an der Uni Köln. Den Bedarf sehen Pütz-Wöffen und Zimmermann schon lange. „Die Kinder kommen im Elternhaus immer früher in Kontakt mit digitalen Medien“, sagte Pütz-Wöffen bei der Präsentation. Dieser sei jedoch selten kreativ oder geleitet. Hier wollen die Kindergärten ansetzen und auch die Eltern mit ins Boot holen, um sie für das Thema zu sensibilisieren.

Auf ungeteilte Gegenliebe stieß die Idee im Ausschuss nicht. Michael Kock vom Jugendverband BDKJ bezweifelte, ob Kinder im Kita-Alter schon die nötige Reife dafür erreicht hätten. „Der Einstieg in die Welt sollte analog erfolgen“, sagte er und meinte damit das haptische und reale Erleben der Umwelt. Beate Schirrmeister-Heinen von den Grünen sieht das Projekt auch eher kritisch. „Wischen und tippen kann heute beim Schuleintritt jedes Kind“, erklärte sie. Stifte und Scheren zu halten und richtig zu bedienen, sei jedoch nicht mehr selbstverständlich. In diesem Bereich müsse der Fokus der Kindergärten liegen.

Marwin Altmann (CDU) sah es hingegen nicht als fraglich an, ob Kindergärten dieses Wissen vermitteln sollten. „Die Kinder haben die Smartphones und Tablets längst“, erklärte er übereinstimmend mit Katharina Gläsmann von der SPD. Daher sei es Aufgabe der Bildungseinrichtung Kita, die Kinder im Umgang mit den Medien früh genug zu schulen.

Ulla Sevenich-Mattar von der AWO verwies auf den Bildungsauftrag der Einrichtungen, der auch beinhalte, die Kinder an die digitalen Medien heranzuführen. Dem entgegnete Schirrmeister-Heinen, dass Medienpädagogik ein eigener Studiengang sei, der nicht durch Fortbildungsseminare ersetzt werden könne. Einig war man sich jedoch darüber, dass die Elternhäuser der Kinder in die Bemühungen einbezogen werden und für das Thema sensibilisiert werden müssten. Kerstin Schaaf von der CDU ergänzte, dass es nicht bei einem Infoabend bleiben dürfe und die Eltern stärker eingebunden werden müssten. Zumindest in diesem Punkt herrschte Einigkeit.

Letztlich gab der Ausschuss bei einigen Gegenstimmen grünes Licht für das Projekt, das im August startet und über das nach einem Jahr im Ausschuss berichtet werden soll.

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