Projekt „Bürgerwald“ findet in Hückelhoven keine Mehrheit

Hückelhoven : Projekt „Bürgerwald“ findet keine Mehrheit

An der Anpflanzung eines Bürgerwaldes im Hückelhovener Stadtgebiet scheiden sich die Geister. Dies wurde nun im Fachausschuss deutlich.

„Die Verwaltung wird beauftragt, Vorschläge für die Anpflanzung eines ,Bürgerwaldes' zu erarbeiten und zu diesem Zweck geeignete Flächen zu ermitteln. Dabei ist primär eine Anpflanzung im Bereich des geplanten Generationenparks oberhalb von Schacht 3 vorzusehen.“ Nein, die Verwaltung wird vorerst zumindest nicht beauftragt, in Sachen „Bürgerwald“ aktiv zu werden: Der Antrag der Grünen fand im Bau- und Umweltausschuss keine Mehrheit, obwohl sich die Sozialdemokraten und der parteilose Dirk Ernst dem Antrag anschlossen. Aber so sind die Mehrheitsverhältnisse im Hückelhovener Stadtparlament nun mal.

Dabei hatte die Verwaltung in ihrer Ablehnung des Antrages durchaus Sympathien und gar zarte Zustimmung anklingen lassen: „Die Umsetzung eines Bürgerwaldes ist eine prinzipiell interessante Idee, um in symbolhafter und pädagogischer Weise die Bevölkerung mit dem Thema ,Klimaschutz' vertraut zu machen. Aus Sicht der Verwaltung könnte eine solche Maßnahme ggf. durchgeführt werden.“ Natürlich klingt das Aber hier schon durch – und es wird im nächsten Satz ausformuliert: „Einen messbaren und nennenswerten Beitrag, um die Probleme der CO2-Belastung insgesamt und ganzheitlich zu verbessern, bietet der Vorschlag singulär betrachtet allerdings nicht.“

Das ist eine im Rahmen des im Verwaltungsdeutsch Üblichen sehr interessante Formulierung. Noch vor wenigen Wochen, als das Thema Klimaschutz zwar auch schon vorhanden, aber noch nicht in aller (Wähler-)Munde war, hätte man es kurz und knapp formuliert. Etwa: „Der Vorschlag auf Anlegung eines Bürgerwaldes ist aus Sicht der Verwaltung wenig sinnvoll.“ Inzwischen aber dominieren das Umweltthema und der Klimaschutz die politische Agenda aller Parteien, auch die CDU ist auf den durch die „Fridays for Future“-Bewegung ins Rollen gekommenen Zug gesprungen.

Um eine „messbare und effektive Verbesserung“ der CO2-Belastung in Hückelhoven zu erreichen, so argumentiert die Verwaltung in ihrer Antwort auf den Antrag der Grünen im Hückelhovener Stadtparlament, „muss das Thema umfassender und interdisziplinär angegangen werden“. „Die Verbesserung der CO2-Werte ist aber nicht das primäre Ziel des Antrages auf die Schaffung eines Bürgerwaldes“, argumentierte dagegen die Grünen-Stadtverordnete Brigitte Brenner. „Die Menschen in der Stadt wünschen sich einfach mehr Bäume.“ Der Bürgerwald sei mehr als Klimaschutz, sagte Brenner, „es ist ein nachhaltig wirkendes Event“.

Bürgermeister Bernd Jansen dagegen sieht den Bürgerwald nicht als neue Idee: „Wir hatten ja schon mal überlegt, den Eltern jedes Neugeborenen einen Baum zu schenken. Das wären 350 Bäume im Jahr gewesen. Wir haben das nicht gemacht, weil wir in der Stadt keine Flächen dafür haben.“ Die fehlenden Flächen für die Anpflanzung von Bäumen sieht auch SPD-Fraktionsvorsitzender Jörg Leseberg als das Hauptproblem: „Wir brauchen mehr Grundfläche für Wald.“ Genau die, sagt seine Kollegin Brigitte Brenner, sei ja vorhanden: „Wir müssen das Zechengelände ohnehin überplanen.“

Die Verwaltung mit Bürgermeister Bernd Jansen an der Spitze verweist in ihrer „Ja gut, aber...“-Ablehnung auf eine ganze Reihe von Maßnahmen, die die Stadt seit der Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes 2013 bereits auf den Weg gebracht hat und die dazu geführt haben, dass „die Stadt Hückelhoven die geringste CO2-Belastung im Kreis Heinsberg aufweist“. Er stellt einen „Workshop zum Thema Klimaschutz im Herbst“ in Aussicht, um ein Gesamtkonzept zu erstellen. „Sonst ist es Aktionismus“, sagte Jansen.

„Der Errichtung eines Bürgerwaldes soll grundsätzlich nicht widersprochen werden“, heißt es in dem Verwaltungsvorschlag, der mit den Stimmen der absoluten CDU-Mehrheit und der von Heinz-Jürgen Wolter von der Fraktion der Freien Wähler (FW) angenommen wurde. Und weiter: „Die prinzipiell sinnvolle Maßnahme kann bei dem zu überarbeitenden Konzept einen Punkt unter mehreren darstellen.“ Um der „Komplexität des Themas gerecht zu werden“, soll die Maßnahme allerdings „auf breitere Füße gestellt“, das Klimakonzept „überarbeitet“ und „weitere sinnvolle Maßnahmen zur Verbesserung des Klimaschutzes“ auf den Weg gebracht werden.

Auf den Workshop im Herbst dieses Jahres darf man gespannt sein.

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