Pfarrer Martin Jordan verlässt evangelische Kirchengemeinde Heinsberg

Pfarrer Martin Jordan geht : Abschied von vielen Wegbegleitern

Pfarrer Martin Jordan verlässt die evangelische Kirchengemeinde Heinsberg. Ab dem 1. Oktober wird er in Lintorf-Angermund im Norden von Düsseldorf tätig sein. Er freut sich auf die neuen Herausforderungen.

Das wusste Martin Jordan selbst nicht mehr, aber ein Blick ins Archiv unserer Zeitung bestätigt es: Am 22. September 2013 wurde er von Superintendent Jens Sannig als neuer evangelischer Pfarrer der Kirchengemeinde Heinsberg in der Christuskirche eingeführt, und am kommenden Sonntag, wieder am 22. September, um 15 Uhr wird er sich nach genau sechs Jahren von den evangelischen Christen und weiteren Wegbegleitern am selben Ort wieder verabschieden.

Martin Jordan verlässt Heinsberg auf eigenen Wunsch und wird ab 1. Oktober in der evangelischen Kirchengemeinde Lintorf-Angermund im Norden von Düsseldorf tätig sein. Hier gehörte er Anfang des Jahres zu insgesamt acht Kandidatinnen und Kandidaten, die sich für die Pfarrstelle beworben hatten. Mit einem Probegottesdienst und einer Konfirmandenstunde konnte er das Presbyterium überzeugen und freut sich jetzt darauf, in dieser Pfarrstelle noch einmal eine neue große Herausforderung annehmen zu können, oder wie er sagt: „Ich fühlte mich einfach noch einmal gerufen.“

Im Gespräch mit ihm wird schnell deutlich, dass es nicht der Blick zurück, keine Probleme sind, die ihn zu dem Entschluss bewogen haben, sich zu bewerben, sondern der Reiz, noch einmal voll umfänglich in eher klassischer, geographischer Verantwortung eine Kirchengemeinde zu begleiten. Als er vor sechs Jahren nach 14 Jahren in Konz in der Nähe von Trier nach Heinsberg gekommen sei, hätten die Schwerpunkte seiner und der Arbeit von Sebastian Walde nicht mehr in den ehemaligen Bezirken Heinsberg und Oberbruch gelegen, sondern seien seither eher funktional aufgeteilt.

Seine Aufgabe sei da eher die Seelsorge für die Kinder, Jugendlichen und Konfirmanden gewesen. Für die Oberbrucher sei es zwar nicht so einfach gewesen, keinen „eigenen“ Pfarrer mehr zu haben. „Aber das hat sich im Laufe der Zeit ausgeschliffen“, sagt Jordan. Dass ihm der Konfirmandenunterricht gut gelingt, macht er an den hohen, gestiegenen Anmeldezahlen fest. „80 Prozent, das ist viel im Vergleich mit dem Schnitt der Landeskirche“, betont er und lobt einen „lebendigen Stamm von Ehrenamtlern“ und natürlich den Chor „Just by Heart“, entstanden aus dem Kreis seiner Konfirmanden. „Ihn zurücklassen zu müssen, macht mich traurig.“

Mit seinem Kollegen Sebastian Walde verbinde ihn bereits seit der gemeinsamen Zeit im selben Vikarskurs ein freundschaftliches Verhältnis, fährt er fort. Beruflich sei man dagegen nicht immer einer Meinung, „etwa in der Frage, wie eine Gemeinde weiter in die Zukunft geführt werden kann“. Für ihn trägt dieser Weg weniger Adjektive wie modern oder fortschrittlich. „Ich traue der Tradition der Kirche mehr Strahlkraft zu“, erklärt er und stellt sich damit auch gegen die von ihm wahrgenommene Tendenz der Landeskirche. Auch dort werde immer mehr der Event-Charakter in den Vordergrund gestellt. Er sieht als Grundlage seiner Arbeit dagegen im Kern immer noch den ganz normalen Gottesdienst und vor allem die Spiritualität. Sicherlich habe auch er Gottesdienste mal andernorts gefeiert, etwa am Lago, „aber dafür brauche ich die mobile Kirche nicht. Sie schafft für mich eher Distanz.“

In seiner neuen Gemeinde wird er wieder eine geographische Verantwortung haben. Hier wurden gerade aus drei Pfarrstellen zwei. Die zweite wird erst in einem Jahr neu besetzt werden. Das gefällt ihm besser. „In Heinsberg war es ein bisschen schief“, beschreibt er seine Wahrnehmung der Situation hier vor Ort. Die Senioren hätten auch Präsenz von ihm erwartet als „ihrem“ Pfarrer, doch dies sei hier gar nicht sein Arbeitsgebiet gewesen, auch wenn er natürlich neben seinen funktionalen Aufgaben für die jungen Gemeindemitglieder ganz normale Dienste wie Taufen, Hochzeiten, oder Beerdigungen übernommen habe. „Was letztlich besser ist, wird sich herausstellen“, sagt er.

Geographisch zuständig sein wird er jetzt für die evangelischen Christen in Düsseldorfs nördlichem Stadtteil Angermund und dort auch mit seiner Frau das Pfarrhaus beziehen, mittendrin, „mit einem Stadtteilcafé der evangelischen Gemeinde gleich nebendran“. Während der vergangenen sechs Jahre lebte er in einem Haus im Kempener Ortsteil Thebrath. „Wir hatten es aus der Ferne gesucht“, erinnert er sich. „Das war eigentlich ein bisschen zu weit weg vom Stadtzentrum.“ Dennoch habe er sich dort wohl gefühlt, mit gutem Kontakt zu Diakon Peter Derichs, der ebenfalls in Kempen lebt, und zur dortigen Schützenbruderschaft. Grundlegend anders werde er seine Arbeit künftig gar nicht ausrichten, fährt er fort. Auch in Heinsberg habe er spirituelle Angebote gemacht. Damit habe er leider jedoch fast nur die katholischen Christen erreicht, nicht aber Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde.

Was bei Martin Jordan schließlich heftiges Kopfschütteln verursacht, ist der Umstand, dass seine Stelle jetzt vielleicht nicht wiederbesetzt wird. „Ich habe gehört, dass es nicht sicher sei, dass meine Pfarrstelle nach meinem Weggang wieder freigegeben wird. Wenn das so käme, wäre das wirklich dramatisch“, betont er. „Das war nicht meine Absicht. Und wenn es so wäre, müsste die Gemeinde rigoros dagegen protestieren.“ Sicherlich sei bereits kommuniziert worden, dass bis 2030 die Pfarrstellen in der Region reduziert würden, „aber nicht auf welche Art und Weise und wo“. Sollte seine Stelle hier nicht wiederbesetzt werden, wäre das für ihn kein sorgsamer Umgang von Landeskirche und Kirchenkreis mit Pfarrer und Gemeinde, erklärt Martin Jordan.

Mehr von Aachener Nachrichten