Heinsberg: Papierabfuhr bei der Geschäftswelt nicht ohne Probleme

Heinsberg: Papierabfuhr bei der Geschäftswelt nicht ohne Probleme

So genau kann es Peter Gering, der Vorsitzende des Heinsberger Gewerbe- und Verkehrsvereins, nicht datieren, doch eines sei gewiss: das Entsorgungsunternehmen GDA, das bis Ende Februar als privater Entsorger vornehmlich für die Geschäftsleute in der Heinsberger City den Papier- und Wertstoffmüll Woche für Woche abtransportierte, hatte diesen Job seit mehreren Jahren inne.

Doch eben nur bis Ende Februar, denn dann stellte CDA laut Gering seine Fahrten aufgrund der eigenen Firmeninsolvenz ein. Da die Heinsberger Geschäftsleute hiervon jedoch offenbar nichts ahnten, häufte sich der Verpackungsmüll kurzfristig bei den Geschäften munter weiter. Die Händler — vor allem die aus der Bekleidungsbranche — blieben auf ihrem Müll sitzen. „Der Gewerbe- und Verkehrsverein erfuhr dies quasi durch Zufall“, sagt Gering.

Kunststofffolien oder Kleiderbügel zum Beispiel seien nämlich kein Fall für die gelbe Tonne, betont der Gewerbevereinsvorsitzende. Und der offizielle städtische Entsorger biete diese spezielle Leistung nicht an. Zwei alternative Angebote hätten am Ende auf dem Tisch gelegen, eines, bei dem die Geschäftsleute, die ihr Altpapier und ihren Wertstoffmüll wöchentlich loswerden wollten, fünf Euro im Monat hätten zahlen müssen und eines, das sie keinen Cent kosten sollte. So wundert es nicht, dass diese Offerte, gemacht durch die Firma Melchers aus Geilenkirchen, den Zuschlag erhielt.

Also alles Friede, Freude, Eierkuchen? Nicht so ganz. „Nachdem die Stadt sich bei uns beschwert hat, dass unser privater Entsorger auch an den regulären Tagen der Papierabfuhr das Papier einsammelt — also alle vier Wochen und das vor dem regulären Entsorger — soll unser Entsorger entweder den regulären Abfuhrtermin aussparen oder an einem anderen Tag abfahren“, erklärt Gering gegenüber unserer Zeitung. Die Melchers GmbH dürfe zwar nicht die blauen Tonnen leeren, habe jedoch den übrigen Papiermüll schon vor dem städtischen Entsorger eingesammelt, so dass dieser dabei in die Röhre blickte.

Das ihm das nicht gerade schmeckte, liegt auf der Hand. Denn Papier ist laut BVSE, dem Fachverband Papierrecycling, das Produkt, das in Europa am meisten wiederverwertet wird. Gründe liegen einerseits im gestiegenen ökologischen Bewusstsein und immer strengeren rechtlichen Rahmen. Andererseits wird Altpapier als Produktionsfaktor zunehmend bedeutender.

So liegt der Anteil von Altpapier bei der Produktion von Papier und Pappe im europäischen Durchschnitt bei 54 Prozent. Mit einer Recycling-Quote von 72 Prozent wird in Europa so viel Altpapier für den Produktionsprozess zurückgeholt wie nirgendwo sonst auf der Welt. Das niedrige Preis-Mengen-Verhältnis und vergleichsweise hohe Transportkosten setzen dem Handel mit Altpapier aber Grenzen.

Mit 33,2 Prozent der insgesamt in Europa recycelten Menge besitzt Deutschland den bedeutendsten Altpapiermarkt des Kontinents, gefolgt von Frankreich und Spanien (je 10,5 Prozent) sowie Italien (10,4 Prozent). Größter Handelspartner Deutschlands sind die Niederlande (1 Mio. Tonnen Importe, 1,3 Mio. Exporte) gefolgt von den anderen direkten angrenzenden Nachbarländern sowie Großbritannien und Italien.

Eigentlich, so ist einer Euwid-Studie zu entnehmen, lägen die Händlerpreise je nach Papierqualität zwischen etwa 100 und 450 Euro pro Tonne. „Aber 450 Euro habe ich noch nie bekommen“, sagt Peter Melchers. „Bei Spitzenqualität allenfalls mal 250 Euro pro Tonne.“ Ob das Unternehmen die kostenlose Entsorgung von Altpapier und Wertstoffmüll nun in Heinsberg langfristig aufrecht erhalten wird, steht noch nicht fest. „Ich versuche den Müll entsorgungsgerecht abzuholen, aber es muss sich schon lohnen“, meint Melchers. Das Unternehmen, so erklärt Gering, bitte jedenfalls darum, „dass sich mehr Firmen beteiligen, weil sich ansonsten die Abfuhr für die Firma nicht lohnt und bei weiterhin mangelnder Teilnahme nur noch alle zwei Wochen erfolgt.“ Drei bis vier Tonnen Altpapier müssten laut Melchers pro Woche zusammenkommen. Am nächsten Donnerstag, 22. Mai, morgens gegen 6 Uhr, werden die Müllwagen anrollen.