Neue Trasse der L364: Ortsumgehung ist noch in weiter Ferne

Neue Trasse der L364 : Ortsumgehung ist noch in weiter Ferne

Mit einer Umgehungsstraße für Gerderhahn und Golkrath, die seit vielen Jahren gefordert wird, müssen sich die Anwohner mindestens noch zehn Jahre gedulden. Aber: Eine neue Trasse der Landstraße 364 um den Ort herum könnte in den neuen Landesstraßenbedarfsplan aufgenommen werden.

Der wird 2020 erstellt. „Wir machen jetzt erst mal das fertig, was schon im Bau oder schon geplant ist“, sagte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst bei seinem Besuch in dem Straßendorf Gerderhahn, das täglich von sechs- bis siebentausend Fahrzeugen durchquert wird.

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) trug sich bei seinem Besuch in Gerderhahn auch in das Goldene Buch der Stadt Erkelenz ein. „Es gibt viel zu tun“ schrieb er, während ihm seine Parteifreunde (v.l.) Thomas Schnelle (MdL), der Erkelenzer Bürgermeister Peter Jansen, der Golkrather CDU-Ortsverbandsvorsitzende Peter London und CDU-Ratsherr Hans-Dieter Vasters, dessen Wahlbezirk Gerderhahn ist, beistanden. Foto: Ingo Kalauz

„Wir haben Situationen, die sind noch dramatischer“, sagte Wüst seinen christdemokratischen Lokalpolitikern, die sicher gerne Anderes aus dem Mund ihres Parteifreundes gehört hätten. Aber der Minister fügte hinzu: „Ich habe mir die Sache vor Ort angesehen und kann mir jetzt ein realistisches Bild von der Situation hier machen.“

„Es gibt viel zu tun“ hatte Wüst zu Beginn seines Besuches in der Gerderhahner Mehrzweckhalle in das Goldene Buch der Stadt Erkelenz geschrieben. Und die schwarz-gelbe Landesregierung werde in den kommenden Jahren auch sehr viel tun, um die Infrastruktur des Landes wieder auf Vordermann zu bringen: „Ich bekomme alles, was ich brauche“, sagte der Minister. „50 zusätzliche Planer haben wir bereits eingestellt, 170 Millionen Euro geben wir in diesem Jahr nur für den Substanzerhalt der Landstraßen, bei denen der größte Bedarf besteht, aus. im kommenden Jahr werden es 200 Millionen Euro sein.“

In seinem Ministerium, so Hendrik Wüst, werde augenblicklich eine Liste von rund 100 Maßnahmen bearbeitet, die möglicherweise Aufnahme in den neuen Landesstraßenbedarfsplan fänden. „2020 ist es dann möglich, die Projekte konkret zu benennen“, sagte der Minister in Gerderhahn. Ob der Wunsch nach einer Umgehungsstraße für den Ort darin auftauchen wird — darüber konnte oder wollte Wüst nichts sagen.

Peter London, Vorsitzender des CDU-Ortsverbands Gerderath, hakte zwar nach („Es besteht ein ganz großes Interesse der Bevölkerung, hier etwas zu bewegen“), wies darauf hin, dass tagsüber nicht etwa die Raser, sondern der hohe Verkehrsfrequenz im Ort (bei eine Zählung wurden 13 Lkw in einer Viertelstunde durch den Ort gezählt) das Problem sei („Ältere Menschen trauen sich bei Tageslicht kaum über die Straße“), musste sich freilich mit einer doch sehr allgemein gehaltenen Antwort zufrieden geben: „Ich kann Ihnen das Signal geben, dass die Blockade der Vorgängerregierung beendet ist“, sagte Minister Wüst.

Die bereits bestehende Umweltverträglichkeitsstudie zur Umgehung Gerderhahn sei heute allerdings nicht mehr verwendbar, es müsse ganz von vorn in der Planung einer solchen Straße begonnen werden: Die Studie wurde zwischen 2007 und 2011 erstellt. Das, so Wüst, sei „nicht gerichtshaltbar“, eine solche Studie dürfe nicht älter als fünf Jahre sein.

„10 bis 15 Jahre“

Des Ministers Fazit: „Die Situation hier in Gerderhahn ist beeindruckend, sie spricht für sich.“ Diplomatischer kann man es wohl kaum formulieren...

Der Erkelenzer Bürgermeister Peter Jansen, in vielen Verhandlungen auf Ministerebene mit den vielen auch sprachlichen Feinheiten, mit denen Politiker ihr Geschäft betreiben, erfahren, hatte die Worte seines Parteifreundes aus dem Kabinett in Düsseldorf wohl verstanden: „Wenn man jetzt eine Straße plant“, sagte er, „dann dauert das bis zur Realisierung 10 bis 15 Jahre. Aber wir sind ja froh, dass man prüft und macht und was ins Auge fasst.“

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