Ortsumgehung Hückelhoven: Petition gegen die L364n

Ortsumgehung L364n : Der Ärger über eine „nutzlose Straße“

Als vor rund zehn Monaten bekannt wurde, dass die Ortsumgehung Hückelhoven doch gebaut wird, gab es dafür viel Lob. Mittlerweile formiert sich jedoch Widerstand. Denn die L364n würde mitten durch ein Waldstück am Junkerberg führen.

Eigentlich ist an diesem Tag alles perfekt. Juliane Kampmann und Jeanette Keutmann schieben ihre Kinderwagen auf dem Weg neben dem Friedhof in Hückelhoven. Sie spazieren hinaus ins Feld, wo die Kürbisse reifen und ihnen die Herbstsonne ins Gesicht scheint.

Viel schöner kann ein Herbstspaziergang kaum sein. Wäre da nicht dieser riesige Ärger, der immer wieder in den beiden aufsteigt, wenn sie sich das Waldstück am Junkerberg anschauen. Der Grund: Bald soll eine Straße, die L364n, mitten durch das kleine Waldstück führen. Mitten durch das Waldstück, das Kampmann und Keutmann so lieb gewonnen haben.

Sie wollen nicht hinnehmen, dass für die L364n ein Stück Natur am Junkerberg zerstört wird: Juliane Kampmann (l.) und Jeanette Keutmann haben eine Onlie-Petition gegen den Bau der Straße gestartet. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Die L364n ist als Ortsumgehung für Hückelhoven geplant. Die Umgehungsstraße soll von der Autobahnanschlussstelle Hückelhoven-Ost bis zur L117 zwischen Doveren und Hückelhoven verlaufen. An der Autobahn ist aktuell schon ein Kreisverkehr im Bau. „Das ist ein Vorgriff auf die Ortsumgehung Hückelhoven“, sagt Markus Reul von Straßen.NRW. Dieser rund 920.000 Euro teure Kreisverkehr soll eine Unfallhäufungsstelle beseitigen und noch in diesem Monat fertig werden, sagt Reul. Insgesamt plant Straßen.NRW laut öffentlicher Ausschreibung mit Kosten von rund zwölf Millionen Euro für die 2,5 Kilometer lange Straße.

Zerstörung der Natur

Gegen diesen Kreisverkehr hat Juliane Kampmann, 33 Jahre, gar nichts einzuwenden. Viel kritischer sieht sie den weiteren Trassenverlauf. Weil eben zwischen Doveren und Hückelhoven, in der Nähe des Friedhofes, das Waldstück zerschnitten werden würde. Deshalb fordern Kampmann und Keutmann einen sofortigen Stopp der L364n. Im Internet haben sie eine Petition an den Landtag NRW gerichtet, die aktuell gut 700 Menschen unterstützen. Es gehe ihnen darum, zu zeigen, dass es Widerstand gegen die „Zerstörung der Natur“ im waldarmen Kreis Heinsberg und gegen die „Verschwendung von Steuergeldern“ für eine „nutzlose Straße“ gibt.

Zunächst würde die neue Straße die Gladbacher Straße, die Dinstühler Straße und den Markt in Hückelhoven entlasten. Dadurch könnte Doveren jedoch stärker belastet werden. Ihre eigentliche Wirkung entfaltet die geplante Umgehungsstraße ohnehin erst, wenn sie auch als Ortsumgehung für Hilfarth weitergeführt wird. Ob das geschieht, ist allerdings noch nicht entschieden. „Ich kann nicht verstehen, dass man die Straße jetzt hier hin baut und die Natur zerstört, wenn es am Ende vielleicht doch nicht weitergeht“, sagt Kampmann.

Befürworter der Ortsumgehung

Im Hückelhovener Rathaus steht man der Ortsumgehung prinzipiell positiv gegenüber. Das ist allerdings mit der Forderung verbunden, die Straße auch weiter um Hilfarth herumzuführen, um die Breite Straße vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Fernziel der Planer auf Landesebene ist, das Gewerbegebiet Lindern ohne Ortsdurchfahrt an die Autobahn anzuschließen. Dafür existieren allerdings bloß relativ unkonkrete Planungen.

Landtagsmitglied Thomas Schnelle (CDU) ist ein Befürworter der Ortsumgehung.

„Ich bin froh, dass die Straße kommt - als Auftakt für die Weiterführung. Man kann nicht warten, bis das komplette Planungsrecht fertig ist. Dann würden wir nie zum Baubeginn kommen“, sagt er. Und gewartet habe man ohnehin schon lange genug. Der Planfeststellungsbeschluss für die Straße stammt aus dem Jahr 2004. Dann lagen die Planungen lange auf Eis. Bis Schwarz-Gelb Rot-Grün ablöste und das Geld für die Straße freigab. „Dafür habe ich viel Zuspruch bekommen“, sagt Schnelle. Und in Sachen Umwelt seien die Einschnitte in die Natur gegen den Nutzen abgewogen worden. Mit dem Ergebnis, dass die Vorzüge der Straße überwiegen, sagt Schnelle.

Auf dem Weg in Richtung Wald sprechen Juliane Kampmann und Jeanette Keutmann auch über die Unterschriftenliste gegen die Straße, die in ihrer Nachbarschaft herumging, über den Landwirt Jürgen Greven, der gegen den Bau der Straße geklagt hat, und über den Waldkindergarten in Doveren.

Im Kindergarten, der direkt an das Waldstück grenzt, sieht man die Umgehungsstraße naturgemäß recht kritisch: „Die Straße schränkt uns schon ein. Wir finden es nicht toll, dass das Waldstück, in dem wir unsere Wanderungen machen, durchschnitten werden soll“, sagt Andrea Lobach, Leiterin des Waldkindergartens „Laubfrösche“. Erzieherinnen und Kinder sind so gut wie jeden Tag im Wald unterwegs, machen Wanderungen und suchen immer wieder dieselben Plätze auf. „Wenn die Straße kommt, verschwindet einer unserer Plätze – eigentlich der schönste“, sagt Lobach.

Zudem rechnet sie in der Bauphase mit starkem Verkehr von Baufahrzeugen, was dazu führen könnte, dass sich die Kinder nicht mehr frei auf den Wegen bewegen können.

Erst einmal bekommt der Wald am Junkerberg aber noch eine Schonfrist. Solange über die Klage von Landwirt Greven nicht entschieden ist, will Straßen.NRW die Trasse der Ortsumgehung nicht bauen. Sollte der Landwirt Recht bekommen, sei der Kreisverkehr trotzdem sinnvoll, um Unfälle an der Autobahnanschlussstelle zu vermeiden. Sollte das Gericht der Argumentation des Landes folgen, werde „frühestens im Frühjahr nächsten Jahres“ weitergebaut, sagt Reul.

Letzteres wollen sich Kampmann und Keutmann gar nicht vorstellen. Beide wohnen in Hückelhoven in der Nähe des Friedhofes. Wo sie mit Kind und Kegel hin sollen, wenn vom Wald nicht mehr viel übrig ist, wissen sie nicht. Abgeschnitten würde auch ein Weg in Richtung Doveren, den sie nutzen, um zu einem Spielplatz zu kommen. All die Nachteile, die die Straße in ihren Augen mit sich bringt, wollen sie nicht einfach so hinnehmen. Deshalb die Petition.

Würden sie mit ihrer Petition eine festliegende Anzahl von Unterstützern auf ihre Seite ziehen, müsste sich der Petitionsausschuss des Landtages damit beschäftigen. Das hieße nicht, dass die Straße gestoppt würde. Es hieße aber, dass die beteiligten Behörden Antworten geben müssten. Das Quorum für eine Petition an den Landtag liegt jedoch bei 29.000 Unterstützern. Das scheint astronomisch hoch zu sein. „Wir würden uns auch schon über 1000 oder 2000 Unterstützer freuen“, sagt Jeanette Keutmann. Dann würden die beiden vielleicht zumindest bei Lokalpolitikern und Abgeordneten Gehör finden.

Die Petition: http://bit.ly/naturamjunkerberg