Hückelhoven-Brachelen: Oliver Schmidt aus Brachelen: Die Stimme bei den Spielen in Russland

Hückelhoven-Brachelen: Oliver Schmidt aus Brachelen: Die Stimme bei den Spielen in Russland

Donnerstag beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Russland. Voller Spannung blicken die Fans nach Moskau, wo ab 17 Uhr der Ball rollt. Und einer ist stets dabei: der aus Brachelen stammende Oliver Schmidt, der als Live-Reporter für den öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ZDF Spiele der Vorrunde kommentieren wird.

Zum Beispiel das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Mexiko. Und auch die Partie des Gastgebers Russland gegen Ägypten.

In Erkelenz geboren und im Elternhaus in Brachelen aufgewachsen, jagte Schmidt während seiner Jugend in verschiedenen Mannschaften des SV Brachelen dem runden Leder hinterher. In seiner Schulzeit am Erkelenzer Cusanus-Gymnasium, an dem Oliver Schmidt das Abitur machte, bewarb er sich unter dem damaligen Redaktionsleiter Lothar Fischer bei den Erkelenzer Nachrichten als freier Mitarbeiter. Doch schon bald entdeckte unser Sportmitarbeiter Hermann-Josef Siemes die Qualitäten des jungen Oliver Schmidt und holte ihn in das Sportressort.

Rund zehn Jahre lang war der Student der Politikwissenschaften, der in den Nebenfächern Volkswirtschaft und Jura studierte, Mitarbeiter der Sportredaktion unserer Zeitung. „Neben seinem freundlichen Auftreten und dem fröhlichen Naturell war Olli ein Mitarbeiter, der auf Anhieb die ihm übertragen Aufgaben erledigte. Olli, der zu damaliger Zeit dem SC Erkelenz als Berichterstatter zugeteilt war, erledigte alle Anforderungen mit Bravour. In all den Jahren, in denen Oliver im Auftrag unserer Zeitung aktiv war, war er schlicht der beste Mitarbeiter innerhalb des Sportressorts“, erinnert sich Siemes noch gerne an die Zeit mit dem Brachelener zurück.

Nach Abschluss seines Studiums wechselte Schmidt 1995 zunächst als freier Mitarbeiter zum ZDF. Zu seinen Aufgaben gehörte das Erstellen von Beiträgen, und er war innerhalb der ZDF-Sportredaktion als Interviewer unterwegs. Seit 2007 kommentiert der Vater von zwei Söhnen als Live-Reporter Spiele der Fußball-Bundesliga und auch Länderspiele. Auch die Spiele der Champions League, von denen Schmidt inzwischen berichtet, gehören zum heutigen Tagesgeschäft des Fernsehjournalisten.

Kommentiert ohne Emotionen

Nach den Titelkämpfen in Südafrika im Jahr 2010 und in Brasilien im Jahr 2014 ist Russland nun die dritte Weltmeisterschaft, von der Schmidt live für das ZDF berichtet. Der ehemalige Brachelener, der heute in Wiesbaden lebt, sagt von sich selber, dass er Spiele ohne großartige Emotionen kommentiert. „Ich muss nicht so emotional und lauthals auftreten wie etwa die Kollegen aus Südamerika. Ich versuche sachlich und authentisch zu bleiben und das Spiel auch mal ohne zu viele Kommentare zu begleiten“, sagt der Reporter. „Natürlich hängt es vom Verlauf eines Spieles ab, wie ich agiere. Auch als Deutscher bleibe ich neutral, wenn ich ein Spiel der Nationalmannschaft kommentieren muss“, sagt Schmidt.

Von Land und Leuten sieht der ZDF-Reporter während der WM in Russland wohl nicht viel. „Wenn ich mich nicht in den Stadien befinde, halte ich mich überwiegend in den Hotels zu den Vorbereitungen der jeweiligen Einsätze auf. Wir müssen uns über die Mannschaften und Spieler informieren. Alles das, was der Fußball-Fan während einer Liveübertragung wissen sollte, müssen wir verinnerlichen“, sagt Schmidt zu den Vorbereitungen der Spiele. „In der Regel mache ich mir auf acht Din-A4-Seiten Notizen. Davon benötige ich höchstens zwei. Letztlich muss ich ein Fußballspiel kommentieren und den Fernsehzuschauern nicht irgendeinen Blödsinn erzählen“, sagt er.

So wird der ZDF-Tross — im Wechsel mit der ARD präsentiert das ZDF die Spiele dieser Weltmeisterschaft — während der Vorrunde ständig unterwegs sein. „Einmal werden wir mit dem Zug von Moskau nach St. Petersburg fahren. Da hoffe ich, ein wenig von dem Land sehen zu können“, sagt Schmidt. Mit der Bevölkerung wird Schmidt also wenig in Kontakt kommen. Genau so wenig wie mit der deutschen Mannschaft. „Dafür werden meine Kollegen nahe an der Mannschaft sein“, sagt Schmidt.

Kaum andere Hobbys

Für andere Hobbys bleibt ihm kaum Zeit. „Meine Freizeit verbringe ich überwiegend mit meiner Ehefrau Berit und meinen beiden Jungs Mats und Kalle“, sagt der Familienmensch. Eines aber erfreut den Reporter in diesem Jahr ganz besonders: „Als glühende Verehrer von Fortuna Düsseldorf haben wir uns innerhalb der Familie alle über die Rückkehr der Fortuna ins Oberhaus des deutschen Fußballs gefreut.“ Vielleicht kann er in der kommenden Bundesligasaison ja auch einige Spiele seiner Fortuna kommentieren.

Traurig dagegen stimmt ihn die gegenwärtige Tabellensituation seines Heimatvereins SV Brachelen, dessen Spiele und Ergebnisse er aus der Distanz beobachtet. Die erste Mannschaft beendete die Saison in der Kreisliga A auf Platz neun.

An seine Zeit als junger Journalist bei unserer Zeitung kann Oliver Schmidt sich noch sehr gut erinnern. „Es war eine harte Schule, die ich bei Herrn Siemes durchlaufen habe. Hermann-Josef Siemes war mir ein hervorragender und stets fairer Lehrmeister, an den ich mich immer wieder gerne erinnere“, lobt der ZDF-Fußball-Experte denjenigen, der ihm das erste Rüstzeug des Sportjournalismus mit auf den Weg gab.

Doch auch in Brachelen werden die Fußballfans am Sonntag erfreut sein, während des ersten Spieles der deutschen Nationalmannschaft die Stimme von jemanden zu hören, der aus ihrem Ort kommt.

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