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Morsche Kastanien: Nicht weniger Gastfreundschaft, sondern Gefahr

Morsche Kastanien : Nicht weniger Gastfreundschaft, sondern Gefahr

Das Kastaniensammeln am Haus Hülhoven in Heinsberg ist laut den Eigentümern lebensgefährlich. Dennoch klettern Sammler über den Zaun.

Das Kastaniensammeln an Haus Hülhoven hat eine lange Tradition. Das sagt Verena von Scheibler, die mit ihrem Mann, dem Eigentümer, dort wohnt. Ursprünglich, sagt sie, hätten die Menschen bei ihnen geklingelt und gefragt, ob sie sammeln dürften. Inzwischen nehme das Fragen aber ab, stattdessen kletterten einige über den Zaun, der das Waldstück an Haus Hülhoven umgibt. Doch das könnte lebensgefährlich werden.

Dass der Zaun dort steht oder dass die von Scheiblers auch Fragenden das Kastaniensammeln inzwischen verwehren würden, hat nichts damit zu tun, dass sie plötzlich keine Sammler mehr in ihrem Wald haben wollen. Im Gegenteil, man habe sich immer sehr über die Sammler gefreut und sie gern willkommen geheißen. Es ist nur zu gefährlich geworden.

Seit drei Jahren ungefähr sind einige Bäume in dem Wäldchen nämlich nicht mehr das, was sie mal waren, sagt von Scheibler. Die heißen Sommer und die Wasserknappheit haben ihnen zugesetzt, viele sind morsch. Darunter auch einige der mehr als 100 Jahre alten Kastanienbäume.

Als Verena von Scheibler Mitte Oktober gerade in der Nähe des Waldstücks unterwegs war, hat sie live mitbekommen, wie einer der riesigen Bäume umgekippt ist. Keine Vorwarnung, es war nicht mal ein windiger Tag, sagt sie, bloß ein Knacken und dann direkt darauf der umstürzende Baum. In dem Waldstück ist er bei Weitem nicht der einzige Baum, der herumliegt. Dieser Umstand ist dafür verantwortlich, dass von Scheibler selbst nicht mehr gern in dem Waldstück spazieren geht. Und dass der Zaun steht, wo er steht.

Fällen möchte die Familie die morschen Bäume nicht, darüber haben sie gesprochen und sind sich einig geworden, sagt von Scheibler. Sie nennt die betreffenden Bäume „Tierhotels“, also Orte, die wie Kinderstuben für allerlei Tierarten sind. Sie erzählt zum Beispiel von einem Bussardpärchen, das immer wieder in die Parkanlage kommt.

Zum eigenen Schutz

Streng genommen, sagt von Scheibler, darf man Wald gar nicht einzäunen. Bei dem abschüssigen Gelände unterhalb von Haus Hülhoven handelt es sich allerdings um eine Parkanlage, die wiederum sehr wohl abgegrenzt werden darf.

Die Kastaniensammler, die über den Zaun einsteigen, interessiert das augenscheinlich wenig. An einigen Stellen ist der Stacheldrahtzaun sogar durchgeschnitten, damit es leichter fällt, drüberzuklettern. Dabei, das sagt von Scheibler, gehe es nur um den Schutz der Kastanienfans.