Neues Programm in Heinsberg: Ausbildung trotz Kind? Warum nicht!

Neues Programm im Kreis Heinsberg : Ausbildung trotz Kind? Warum nicht!

Beruf, Karriere und Kinder? Gerade für Alleinerziehende wird diese Herausforderung schnell zu einer unüberwindbaren Hürde. Das Modell der Teilzeitberufsausbildung kann auch im Kreis Heinsberg Perspektiven schaffen.

Die Träume fliegen hoch, wenn man jung ist: Guter Schulabschluss, die passende Ausbildung, der perfekte Job, eine Familie gründen und dann, ja dann kommt doch alles ganz anders. So erging es auch Angelina Dresen aus Hückelhoven, die eigentlich immer ganz zielstrebig ihren Weg vor Augen hatte. Sie wurde nach ihrem Schulabschluss ungeplant schwanger, war mit ihrem Baby allein, und an eine Ausbildung war eigentlich gar nicht mehr zu denken.

Nach ihrer Elternzeit erfuhr sie im Jobcenter jedoch vom Programm „Teilzeitberufsausbildung: Einstieg begleiten – Perspektiven öffnen“ (TEP), das mit Unterstützung des Europäischen Sozialfonds und des Landes Nordrhein-Westfalen jährlich auch im Kreis Heinsberg zehn Plätze zur Verfügung stellt.

Spagat geglückt

Und das war für sie genau das richtige. „Eine Ausbildung wollte ich immer, egal wie“, betont sie. Auch mit ihrer kleinen Tochter Joline (4) bewältigt sie seit dem vergangenen Jahr ohne große Probleme den Spagat zwischen ihrer kleinen Familie, für die sie allein verantwortlich ist, und ihrer Ausbildung dank des Teilzeitangebots von TEP. 25 Stunden arbeitet die 24-Jährige in einer Augenarztpraxis in Wegberg, besucht in diesem Rahmen die Berufsschule wie ihre Kollegen in Vollzeitausbildung und wird in der gleichen Zeit ihren Abschluss in der Tasche haben. „Und das ist auch noch mein Wunschberuf“, strahlt sie. Anstrengend sei das alles schon, räumt sie ein. Aber dass es gelingt, zeigen ihre Noten. „Nur Zweier und Dreier“, sagt sie.

Stolz auf Auszubildende wie Angelina Dresen sind natürlich auch Christiane Vonderkall vom Trainings- und Bildungszentrum (TBZ) Meuser in Erkelenz, das dieses Programm für den Kreis Heinsberg durchführt, und Silke Dannapfel, die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt im Jobcenter des Kreises Heinsberg. Beide begleiten die angehenden Auszubildenden in diesem Programm bereits sechs Monate vor Ausbildungsbeginn. Eine Potenzialanalyse steht dann auf dem Programm, ein Bewerbungscoaching und die Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Hinzu kommt nicht zuletzt der Aufbau eines Betreuungsnetzwerks, nicht nur wenn es um die Betreuung eines Kindes geht, sondern vielleicht auch um die Pflege eines nahen Angehörigen. Weitere sechs bis acht Monate werden die Programmteilnehmer schließlich auch nach Beginn ihrer Ausbildung noch weiter betreut.

Anwendbar sei das Programm in allen Berufsfeldern, die eine duale Ausbildung anböten, sagt Silke Dannapfel. In Zeiten großen Fachkräftemangels könnten damit neue Potenziale geschöpft werden. „Mehr noch gewinnen die Unternehmen auf diese Weise ganz sicher Azubis mit hoher Sozialkompetenz, denn diese jungen Leute haben keine Flausen mehr im Kopf“, sagt sie. „Die wissen, um was es geht, zeigen Verantwortung, Organisationstalent und vor allem eine hohe eigene Motivation“, ergänzt Christiane Vonderkall.

Nicht zuletzt könnten Unternehmen durch die Teilnahme an einem solchen Programm ihr Ansehen als attraktiver, familienfreundlicher Arbeitgeber noch weiter steigern. Die so ausgebildeten jungen Menschen würden am Ende der Ausbildung mit einem qualifizierten Berufsabschluss zur Sicherung des Familieneinkommens beitragen und ihre Chancen auf dauerhafte Beschäftigung, später natürlich auch in Vollzeit, steigern. „Sie beugen Altersarmut vor“, betont Silke Dannapfel.

Freuen würden sich die beiden Begleiterinnen des Programms, wenn sich dafür künftig nicht nur weibliche Teilnehmer melden und auf der anderen Seite mehr Betriebe den Schritt wagen würden, jungen Menschen auch diese Ausbildung in Teilzeit zu ermöglichen. „Wir unterstützen in der Begleitphase auch die Betriebe, wenn es etwa um die Ausgestaltung des Arbeitsvertrages oder des Arbeitsplatzes geht“, erklärt Christiane Vonderkall.

Zehn neue Plätze stehen für das Jahr 2020 zur Verfügung. Eine Informationsveranstaltung ist für Dezember geplant. Weitere Informationen sind erhältlich bei Silke Dannapfel, Telefon 02452/9762-330, E-Mail silke.dannapfel@jobcenter-ge.de, und bei Christiane Vonderkall im TBZ, Telefon 02431/9434600, E-Mail tep@tbz-meuser.de.

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