Mehr Einzelhandel: Neues Nahversorgungszentrum beschlossen

Mehr Einzelhandel : Neues Nahversorgungszentrum beschlossen

Mit der Mehrheit der CDU-Fraktion und einem Teil der SPD-Fraktion hat der Planungs-, Umwelt- und Verkehrsausschuss den Weg frei gemacht für das an der Boos-Fremery-Straße in Oberbruch geplante Nahversorgungszentrum mit Discounter, Vollsortimenter und weiteren, kleineren Fachmärkten auf einer Fläche von insgesamt 3750 Quadratmetern.

Sebastian Schütt vom Planungsbüro VDH hatte zuvor ein Gutachten vorgestellt, das den Planungen „eine ausgeprägte Nahversorgungsfunktion“ bescheinigte. Höher als zehn Meter soll die Bebauung nicht zulässig sein. Zudem sollen vor den Einzelhandelsflächen ausreichend Parkplätze zur Verfügung stehen. Positive Ergebnisse zeigte das Gutachten zudem in puncto Umwelt durch eine geplante Ersatzaufforstung auf, ebenso mit Blick auf eine Verkehrsanalyse und in Bezug auf den Immissionsschutz.

Wie belastbar denn das positiv gezeichnete Bild sei, dass andere, vorhandene Wettbewerber wie etwa der Vollsortimenter gleich gegenüber nicht verdrängt würden und mittelfristig sogar Synergieeffekte entstehen könnten, wollte nach der Präsentation CDU-Stadtverordneter Josef Kehren wissen. „Hellseher sind wir alle nicht. Die Konkurrenz wird reagieren müssen, aber auch können“, so Schütt. So sah Kehren die Planung schließlich insgesamt positiv, als Sicherung für einen attraktiven, gestärkten Standort, der eventuell sogar Kaufkraftabfluss aus Hückelhoven zurückgewinnen könne.

„Das können aber ziemlich hässliche Kisten werden“, erklärte Walter Leo Schreinemacher, „auf einem ökologisch wertvollen Grundstück, das das Innenstadtklima bereichern kann.“ Sein Vorschlag war, nicht nur die Dächer, sondern auch die Fassaden der Gebäude zu begrünen. Er sei nicht gegen den Einzelhandel, betonte er. Er würde ihn nur lieber in Verbindung mit einer anderen Bebauung sehen. So stimmte er dem Flächennutzungsplan zu, dem Bebauungsplan aber nicht. Gleicher Meinung war auch Willi Mispelbaum von Bündnis 90/Die Grünen, der sich bei beiden Abstimmungen enthielt.

Jochen Lintzen (SPD) sprach sich wie auch die FDP gegen die Planung aus. Überhaupt werde die SPD unterschiedlich abstimmen, kündigte er an. Eine knappe Mehrheit innerhalb der Fraktion lehne das Projekt inzwischen ab. „Hier steht die Demokratie über dem Fraktionszwang“, sagte er. Der Aussage von Schütt, dass das neue Zentrum eine zusätzliche Nahversorgungsfunktion übernehmen könne, widersprach Lintzen und verwies auf das Einzelhandelskonzept für die Stadt Heinsberg aus dem Jahr 2011. Da habe es für Oberbruch geheißen, die Nahversorgung in diesem Bereich zu erhalten und angemessen weiterzuentwickeln. Das sei doch schon umgesetzt worden. Der Vollsortimenter gegenüber sei vergrößert worden, und auch in Dremmen gebe es jetzt einen Discounter.

Zudem hätten sich die Vorzeichen doch geändert. Ein solches Einkaufszentrum passe nicht mehr zu dem Naherholungsgebiet, das auf dem Gelände des ehemaligen Freibads entstehen soll. Auch die Verkehrsanalyse mit Messungen an zwei Nachmittagen zeige die falschen Zahlen, so Lintzen weiter. Die Pestalozzistraße sei schon jetzt völlig überlastet. Für ein neues Nahversorgungszentrum bestehe keine Notwendigkeit. Es schade dem Ortskern und führe allenfalls zur Umverteilung.

„Jeder kann sein Geld nur einmal ausgeben“, betonte er. Schließlich wollte Lintzen nicht verstehen, wie man Unterbruch und Schafhausen als Einzugsgebiet für das Oberbrucher Zentrum sehen könne. „Wer das als heilsbringend sieht, benötigt schon einiges an Fantasie“, empörte er sich.

(anna)
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