Neues Leitbild für die Stadt Hückelhoven bis zum Jahr 2030

Leitbild 2030 : Wie „Hückelhoven hoch hinaus“ will

Das, sollte man meinen, ist doch eine richtig gute Sache: Eine Projektgruppe aus jungen Nachwuchskräften der Hückelhovener Stadtverwaltung hat sich intensiv mit der Erstellung eines neuen Leitbildes für die Stadt Hückelhoven bis zum Jahr 2030 beschäftigt.

„Sie sind es schließlich, denen die Zukunft unserer Stadt gehört und die in dieser Stadt leben müssen. Also sollen sie auch die Zukunft dieser Stadt mitgestalten“, sagte Bürgermeister Bernd Jansen, als Max Mevissen und Peter Kapell als Sprecher der jungen Verwaltungsmitglieder als Ergebnis ihrer Arbeit den Entwurf eines neuen Leitbildes für Hückelhoven in der Sitzung des Rates den Stadtverordneten vorstellten.

Warum die an sich gute Sache von den Politikern keineswegs einhellig als gute Sache gesehen wurde, dazu später. Zunächst aber zu dem, was die Projektgruppe erarbeitet hat und was sie mit dem Slogan „Hückelhoven hoch hinaus“ betitelte. Als Basis ihrer Arbeit dienten der Projektgruppe umfassende Daten, Statistiken und Feststellungen des aktuellen Ist-Zustandes der Stadt, die ihnen die Verwaltungsspitze lieferte, der Beigeordnete Helmut Holländer war da federführend.

Aufgabe und Zielsetzung war es, das bestehende Leitbild einer Prüfung zu unterziehen und bedarfsgerecht fortzuschreiben, um auf neue Herausforderungen unter Berücksichtigung der derzeitigen Rahmenbedingungen reagieren zu können. Es sollte ein modernes Konzept für die mittelfristige Entwicklung der Stadt bis zum Jahr 2030 geschaffen werden.

Dieses neue Leitbild haben deren Verfasser in 13 Handlungsbereiche unterteilt, die ihrer Meinung nach alle wichtigen Bereiche in Gesellschaft, Ökonomie und Ökologie abbilden. Überschrieben sind sie jeweils mit markanten Slogans, zur optischen Unterstützung der verschiedenen Themenfelder werden Bilder verwendet, die in Hückelhoven entstanden sind.

Jörg Leseberg ergriff nach der Präsentation als erster das Wort. Der SPD-Fraktionsvorsitzende nannte das, was zuvor zu sehen war, „optisch gelungen“. Allerdings sei der „Auftrag am Thema vorbei“ gegangen. Die „an sich gute Sache“ sei in Wahrheit also gar keine gute Sache. Denn das, was er da gerade über die Zukunft Hückelhovens gehört und gesehen habe und über das er jetzt urteilen soll, könne auch „jeder asiatische Reisbauer ungesehen unterschreiben“, die Aussage sei „gleich Null“.

Aber dieses Vorgehen, so Leseberg, sei typisch für „das demokratische Grundverständnis der Verwaltung und der CDU“. Während die CDU „wohl vorher informiert“ worden oder gar in den „Entstehungsprozess eingebunden gewesen“ sei, sei die SPD lediglich im Rahmen des Informationsgespräches mit den Fraktionsvorständen darüber informiert worden: „Uns wurde der Entwurf präsentiert, und wir mussten ihn so zur Kenntnis nehmen“, sagte Leseberg. Man hätte bei einem solchen Projekt „ja auch mal die Bürger ins Boot holen können“. Was jetzt vorgeführt worden war, nannte Leseberg das neue „Leitbild der Stadtverwaltung“.

Brigitte Brenner (Bündnis 90/Die Grünen) sah das ähnlich wie Jörg Leseberg, als sie Bürgermeister Bernd Jansen an dessen Worte erinnerte: „Sie haben uns 2017 gesagt, das neue Leitbild für Hückelhoven soll zusammen mit der Politik entwickelt werden.“ Jetzt stelle sich heraus, „dass wir gar nicht informiert und eingebunden worden sind, gleichwohl in nur wenigen Tagen darüber ein Urteil abgeben sollen“.

Volkmar Gilleßen (SPD) stellte die Frage, warum man keinen Workshop für die Entwicklung des neuen Leitbildes eingerichtet habe: „So sind das nur Ideen der CDU und der Verwaltung.“ Und überhaupt: Beim Titel „Hückelhoven hoch hinaus“ fehle ihm „die Bodenhaftung“.

Hatte CDU-Fraktionschef Heinz-Josef Kreutzer den Sozialdemokraten kurz zuvor bei der Diskussion um die L364n noch „Dummheit“ attestiert, so warf er ihnen jetzt Faulheit vor: „Sie haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht!“ Er und seine Fraktion hätten sich dagegen intensiv mit dem Leitbild beschäftigt. Die Opposition forderte er auf, „aus dem Wahlkampfmodus runter zu schalten“ und stattdessen zu sagen: „Das ist 'ne gute Grundlage, auf der können wir diskutieren.“ Einem Workshop allerdings erteilte Kreutzer eine Absage: „Ich habe keine Lust, mit den anderen nur zu palavern.“

Bürgermeister Bernd Jansen war sichtlich bemüht, die schwappenden Wogen zu glätten, als er betonte, dass das „Leitbild kein politisches Programm“ sei. Dafür gäbe es „alle fünf Jahre Wahlen“. Er griff den Vorschlag, den der CDU-Stadtverordnete Thomas Schnelle in die Diskussion eingebracht hatte, auf und schlug vor, den von den jungen Leuten erarbeiteten Entwurf eines neuen Leitbildes für die Stadt zunächst in den Fraktionen zu beraten und danach möglicherweise in einem Workshop weiter darüber zu diskutieren.

Dem konnte die Mehrheit der Stadtverordneten zustimmen

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