„Alle Dörfer bleiben“: Neues Bündnis will alle Dörfer retten

„Alle Dörfer bleiben“: Neues Bündnis will alle Dörfer retten

Ost und West kämpfen zusammen, damit ihre Heimat nicht verheizt wird: Ein neues Bündnis gegen Braunkohle, das deutschlandweit agiert, ist seit wenigen Tagen aktiv. Sein Name ist zugleich auch seine zentrale Forderung und Mission: „Alle Dörfer bleiben”.

Dem neuen Bündnis gehören Betroffene aus den drei deutschen Braunkohlerevieren im Rheinland und Ostdeutschland – aus der Lausitz und der Region um Leipzig – an, außerdem zählen die Mitglieder der Klimabewegung dazu.

Die Idee zu diesem Bündnis, so erklärt Pressesprecher David Dresen auf Anfrage unserer Zeitung, sei beim Klimacamp in Erkelenz entstanden. Während Ziel der Aktivisten des Klimacamps die Bekämpfung der Klimazerstörung und der globalen Erwärmung im Allgemeinen sei, drehte sich der Kampf der Anwohner und Gruppen aus der Region um die lokalen Folgen des Kohleabbaus und insbesondere um die Zwangsumsiedlung der Bewohner der Dörfer am Tagebaurand.

„Es gibt Klimacamps, lokale Initiativen, Veranstaltungen, Protestformate – wenn alle immer nur ihr eigenes Süppchen kochen, dann werden sie ihre Wünsche auf lange Sicht nicht erreichen. Dabei verfolgen alle Protestgruppen aber grundsätzlich dasselbe Ziel – wenn sich die Details auch unterscheiden“, sagt Dresen, der in Kuckum lebt und damit selbst betroffen ist. „Deshalb entstand die Idee, sich zusammenzutun. Frei nach dem Motto: Je mehr, desto erfolgreicher“, erklärt er.

Das Bündnis bündelt viele Initiativen unter einem Dach – die, die für die Erhaltung der Dörfer kämpfen, die, die sich gegen die Grubenrandlage wehren oder auch die, die für die Rettung des Hambacher Forsts kämpfen. „Wir verstehen uns als Sammlungsbewegung“, sagt Dresen. „Unser Bündnis will alles!“.

Alle Umsiedlungen stoppen und den Hambacher Forst retten

Großes, umfassendes Ziel sei es, alle Umsiedlungen zu stoppen und alle bedrohten Dörfer und den Hambacher Forst vor den Kohlebaggern zu schützen. „Es ist oft so: Wenn ein Dorf gewinnt und nicht abgebaggert wird, verliert ein anderes. RWE argumentiert, der Hambacher Forst müsse auf jeden Fall abgebaggert werden, wenn eines der Dörfer gerettet werden soll – und umgekehrt. Das nehmen wir nicht hin. Wir machen uns dafür stark, dass kein einziges Dorf mehr vom RWE-Bagger aufgefressen wird und die Umsiedlungen gestoppt werden.“

Karin Noack aus Proschim in der Lausitz sagt: „Unsere Dörfer sind über Jahrhunderte gewachsen und können nicht ersetzt werden. Schon jetzt bürden wir den nächsten Generationen mit den Folgen der Braunkohle eine Menge auf. Jetzt noch weitere Dörfer zu zerstören ist nicht akzeptabel.“ Jens Hausner, Tagebau-Betroffener aus dem sächsischen Pödelwitz erklärt: „Es reicht, wir nehmen das nicht hin. Wir kämpfen mit den Menschen in den anderen Revieren dafür, dass alle Dörfer bleiben.“

Sternmarsch am Tagebau Garzweiler

Eine erste große Aktion, so kündigt Dresen an, sei bereits geplant und findet in der hiesigen Region rund um den Tagebau Garzweiler statt. „In diesem Gebiet müssen mehr als 1500 Menschen ihre Orte verlassen, deshalb starten wir hier“, sagt Dresen. Mitte März kommenden Jahres soll es einen Sternmarsch der fünf bedrohten Erkelenzer Dörfer geben, das heißt, dass aus allen betroffenen Orten und Anreinergebieten Menschen losmarschieren. Ziel des Marsches ist Keyenberg, das in der Mitte liegt. „Aus der Luft sieht es dann aus wie ein Stern“, erklärt Dresen.

Dann kommen sicher auch Tagebaubetroffene aus Proschim in der Lausitz und dem sächsischen Pödelwitz, um die Mitstreiter aus der hiesigen Region zu unterstützen. Einer für alle und alle für einen, damit alle Dörfer bleiben.

Mehr von Aachener Nachrichten