Heinsberg/Waldfeucht: Neben der L228 in die Wolken starten: Ultraleichtflieger laden zum Infotag ein

Heinsberg/Waldfeucht : Neben der L228 in die Wolken starten: Ultraleichtflieger laden zum Infotag ein

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…“ heißt es im bekannten Lied des Sängers Reinhard Mey. Nicht ganz so hoch fliegen die Ultraleicht-Flieger des UL-Club Heinsberg-Selfkant. Beim Informationstag des Vereins auf dem Fluggelände an der Landstraße L 228 von Heinsberg nach Saeffelen konnten sich Interessierte über die Fluggeräte, die Voraussetzungen zum Fliegen und über das Vereinsleben informieren.

Die Mitglieder um den Vorsitzenden Josef Staaks standen Rede und Antwort.

Die Flugleiter Rolf Stassen (l.) und Nikolaus von Kummer im „Tower“ auf dem Flugplatz Heinsberg-Selfkant. Foto: Johannes Bindels

„Unser Verein hat 184 Mitglieder, davon rund 80 aktive Flieger“, stellte Josef Staaks den Verein vor. Gegründet wurde er Mitte der 1980er Jahre. Was dem Verein nach einigen Jahren fehlte, war ein fester Standort mit Hallen, in denen die Flugzeuge geparkt und gepflegt werden konnten. Mit der Genehmigung durch die Gemeinde Waldfeucht, an der L 228 ein Fluggelände mit entsprechenden Hallengebäuden zu betreiben, erhielt der Verein neuen Schub. Mit dem neuen Standort sei es wieder aufwärts gegangen, betonte Staaks. Aktuell seien dort rund 60 Fluggeräte untergebracht sowie die Clubräume mit schöner Sicht aufs Flugfeld.

Ultraleichtflugzeuge unterscheiden sich in der äußeren Form nicht wesentlich von Fluggeräten anderer Kategorien, sind aber besonders leicht und haben mit maximal rund 472 Kilogramm nur eine geringe Abflugmasse. Die wird erreicht durch modernen Materialeinsatz, etwa glasfaserverstärkte Kunststoffe oder Aluminiumhüllen. Meistens sind die Fluggeräte, die auch als Luftsportgeräte bezeichnet werden, zweisitzig. Zum Fliegen dieser Flugzeuge werden eine Sportpilotenausbildung und die Sportpilotenlizenz für Ultraleichtflieger benötigt.

Intensive Ausbildung

„Zu den Ausbildungsinhalten gehören Kenntnisse in Luftrecht, Navigation, Meteorologie (Wetterkunde), Funktechnik und Verhalten in besonderen Fällen wie Notlandungen und Kenntnisse in der Technik“, erläuterte Uli Peters, Fluglehrer des Vereins und Inhaber der UL-Flugschule, die Schritte zur eigenen Fluglizenz. Zur Theorie komme die praktische Ausbildung mit mindestens fünf Stunden überwachtem Alleinflug, mindestens zwei Überlandflüge von 200 Kilometern Länge und Zwischenlandungen mit dem Fluglehrer sowie mindestens drei Alleinflüge über Land, ergänzte Peters.

Für die Besucher des Informationstages standen verschiedene Typen der Ultraleichtflieger zur Ansicht bereit. Während Kfz-Meister Josef Staaks und sein Partner, Elektromeister Franz-Josef Lemmens, einen Doppeldecker nach dem Vorbild der Fokker-Werke nutzen und selber warten können, nutzt Vereinsmitglied Hans-Josef Schroeders ein modernes Flugzeug mit geschlossenem Kabinendach. Während der „Oldtimer“ eine Reisegeschwindigkeit von 110 km/h habe, fliege Schroeders mit 240 km/h. In einem Rutsch bis Italien durchzufliegen sei möglich, erklärte er.

Nikolaus von Kummer und Rolf Stassen wechseln sich als Flugleitung im „Tower“ ab. Sie achten auf den reibungslosen Flugbetrieb bei Start und Landung. Geflogen werden die Ultraleichtflieger auf Sicht. Nacht- und Instrumentenflug sei in der UL-Fliegerei nicht erlaubt. Vom „Tower“ werde nur eingegriffen, wenn die Sicherheit gefährdet sei, betonten die beiden Flugbetriebsleiter. „Wir melden uns bei der Flugleitung des Flugplatzes rund fünf Minuten vor der Landung“, erläuterte von Kummer. Vor dort erhalte der Pilot aktuelle Daten zu Windstärken und Ausrichtung der Landebahn. Was Reinhard Mey mit der grenzenlosen Freiheit andeutete, bestätigten die Mitglieder: das Fliegen sei ein wunderbares Gefühl und gebe Abstand zum Alltag.

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