Nach mehr als 200 Jahren: Wandrelief kehrt nach Hohenbusch zurück

Nach mehr als 200 Jahren : Wandrelief kehrt nach Hohenbusch zurück

Nach mehr als 200 Jahren ist ein Wandrelief zurückgekehrt nach Hohenbusch. Als Dauerleihgabe wird es in der Ausstellung „Lebensraum Hohenbusch“ im ersten Obergeschoss des Herrenhauses zu sehen sein.

Das Relief aus Lindenholz stellt das Motiv „Jesus in der Kelter“ dar, das vom Hochmittelalter bis zum Barock sehr populär war. Vermutet wird, dass es in einer Region gefertigt wurde, die traditionell mit dem Weinanbau zu tun hatte.

Wie und durch wen es nach Hohenbusch kam, sei nicht bekannt, betonte Frank Körfer. Der Vorsitzende des Fördervereins hatte jedoch herausgefunden, dass das Relief zuletzt 1958 während einer Ausstellung im Alten Rathaus öffentlich zu sehen war. Danach war es ein wenig in Vergessenheit geraten, bis im März vorigen Jahres ein Ehepaar beim Ersten Beigeordneten der Stadt Erkelenz, Dr. Hans-Heiner Gotzen, anklopfte, um das Kunstwerk „in gute Hände“ zu geben. „Die Namen des Ehepaares werden natürlich nicht verraten“, betonte Gotzen nun im Hohenbuscher Herrenhaus.

Bekannt ist, dass mit der Auflösung des Klosters im Jahre 1802 viele wertvolle Kirchenschätze von den Franzosen verschleppt und bei Auktionen versteigert wurden. Andererseits erstellten sie jedoch auch ein Verzeichnis derjenigen sakralen Gegenstände aus Hohenbusch, die im Erkelenzer Land verblieben.

Pastor Werner Rombach erläuterte die symbolhafte Darstellung Jesu in der Kelter, die auf das biblische Bildnis des „Gnädigen Richters“ zurückgehe. Darin werde der Prozess der Kelter für die Darstellung der Trennung von Gut und Böse verwendet, an dessen Ende das Gute zum Leben geführt werde. Das Relief ist Eigentum der Pfarrei Christkönig, die es der Stadt als Eigentümerin Hohenbuschs als Dauerleihgabe für die Ausstellung „Lebensraum Hohenbusch“ zur Verfügung gestellt hat.

Bevor es so weit kam, musste das Kunstwerk restauriert werden. Dafür wurde der Leverkusener Restaurator Jürgen Bandsom zu Rate gezogen, der im Auftrag der Stadt bereits auf dem Friedhof an der Brückstraße einige Holzkreuze an Grabstätten restauriert hatte. Die Arbeit war bitter nötig, wie auch Martin Fauck betonte. „Das Relief wies einen älteren Wurmbefall auf und war nicht professionell an einigen Stellen gekittet und gespachtelt worden“, erläuterte der Hochbauamtsleiter und Vertreter des Denkmalschutzes in Erkelenz.

Wie kam das Relief nun in die Hände des Ehepaares, das es dann zurückgab? Es wird vermutet, dass Pater Alexander Nepomuk von Klatt es nach der Auflösung Hohenbuschs mitnahm, als er in Golkrath eine Pastorenstelle antrat. So verblieb das Relief immer in der Gemeinde Golkrath, und jeder „Besitzerwechsel“ innerhalb der Gemeinde war mit der Bitte versehen, es zu schützen und gegebenenfalls an die Pfarrei zurückzugeben. Dies ist dann im vorigen Jahr und nach mehr als 200 Jahren geschehen. Pastor Rombach betonte, dass keines der Hohenbuscher Exponate, die sich heute in einigen der Erkelenzer Kirchengemeinden befinden, gestohlen worden sei.

Neben dem Relief konnten Körfer und sein Mitstreiter Georg Dulies vom Förderverein zwei weitere Exponate präsentieren. Dabei handelt es sich um zwei handgeschriebene Seiten eines Choralbuches aus dem 16. Jahrhundert, die in der säkularen Geschichte Hohenbuschs säuberlich herausgetrennt und verschenkt wurden. Niemand wisse genau, wie viele dieser wertvollen Pergamente heute als Kunstwerke verteilt in deutschen Wohnzimmern hingen, betonte Körfer. Diese beiden beidseitig beschriebenen Blätter fanden jedoch den Weg zurück nach Hohenbusch und werden nun ebenfalls in der Dauerausstellung im Herrenhaus hinter Glas und diebstahlsicher ausgestellt.

„Wir hoffen, dass noch weitere Gegenstände aus Hohenbusch wieder den Weg zurück finden“, erklärte Körfer.

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