"Bienen-Einmaleins":: Nach Auszeichnung mit Umweltpreis soll das Projekt ausgeweitet werden

"Bienen-Einmaleins": : Nach Auszeichnung mit Umweltpreis soll das Projekt ausgeweitet werden

Die Schüler der Westzipfelschule und der Astrid-Lindgren-Schule haben unter Beweis gestellt, wie aus dem kleinen ganz schnell das große Einmaleins wird. Die Rechnung der Grundschüler geht so: Sie verteilten jede Menge kleiner Tütchen mit Saatgut, das genau für einen Quadratmeter Blumenwiese reicht, an Nachbarn, Freunde und Großeltern.

Von genau 979 Leuten bekamen sie eine Rückmeldung, dass sie die Samen auch tatsächlich ausstreuen würden. Das macht unterm Strich also 979 Quadratmeter Blumenwiese. So wird aus einem kleinen Quadratmeter eine richtig große Sache. Denn jedes dieser Fleckchen Erde ist nun ein kleines Paradies für Insekten.Das Projekt „Bienen-Einmaleins“ begeisterte aber nicht nur Kinder, Lehrer und Eltern im Selfkant. Es wurde kürzlich auch in Aachen vom Diözesanrat der Katholiken und regionalen Katholikenräten mit einem Umweltpreis ausgezeichnet.

Sie haben das Projekt „Bienen-Einmaleins“ vorangetrieben: Andrea Reh (l.) und Anja Schmitz.

Wohlfühl-Oasen für Insekten

Dabei hat die Rechnung der Grundschüler aus dem Selfkant sogar noch eine große Unbekannte. Denn sie haben weit mehr als 979 Tütchen Samen verteilt. Mit jedem Samentütchen verteilten sie auch noch einen Zettel, auf dem man erklären konnte, dass man das Saatgut auch tatsächlich ausstreut. Und von diesen Zetteln fanden genau 979 den Weg zurück in die Schule.

Landwirte, die Gemeinde, Gewerbetreibende, die Pfarrei und ein Seniorenheim stellten ebenfalls noch Flächen zur Verfügung, so dass das Netz der Wohlfühl-Oasen für sechsbeinige Nützlinge immer dichter wurde. Im gesamten Gebiet der Gemeinde Selfkant, in Waldfeucht, teils auch in den Niederlanden wurden die Samen der Selfkänter Kinder verstreut.

Das erfolgreiche Projekt soll in Zukunft noch ausgeweitet werden, wie Initiatorin Anja Schmitz und Andrea Reh, Leiterin der Westzipfelschule, sagen. Sie wollen nun allen 170 Grundschulen im Kreis Heinsberg, in der Städteregion Aachen und in Mönchengladbach vorschlagen, sich an dem Projekt zu beteiligen.

Die Idee, dass sich die Grundschüler im Selfkant für Bienen und andere Insekten einsetzen sollten, entstand an einem sonnigen Morgen, als Anja Schmitz ihre Hunde ausführte. Auf ihrer Runde sah sie einige mit Steinen, Kies und Schotter angelegte Vorgärten. Die finden zwar offensichtlich immer mehr Hauseigentümer optisch ansprechend, Wildbienen und anderen summenden Insekten liefern sie jedoch keine Nahrung.

Natürlich weiß Anja Schmitz um das große Insektensterben und um die Bedeutung von blühender Flora für die Insekten. Dieses Thema war im laufenden Jahr medial schließlich sehr präsent. Als Schmitz wieder zu Hause angekommen war, war die Idee für das „Bienen-Einmaleins“ schon ein gutes Stück gereift. Mit Schulleiterin Andrea Reh und einigen weiteren Eltern fand sie schnell Unterstützer für ihr Projekt.

Ihnen war wichtig, dass der Kontakt zu den Leuten dabei über die Kinder lief. „Das muss über die Kinder gehen. Niemand kann etwas gegen dieses Anliegen haben“, sagt Anja Schmitz. Zumindest nicht, wenn es von den Kindern anstelle einer politisch aktiven Interessengruppe vorgebracht wird. Die Schüler zogen mit ihrem Engagement gleich viele Menschen auf ihre Seite. „Und sie lernen dabei auch noch etwas, das sie für ihr späteres Leben mitnehmen“, sagt Andrea Reh. „Man pflanzt damit nicht nur ein Stück Garten ein, sondern auch eine Haltung“, sagt sie.

Weil eine insektenfreundliche Wiese aber ziemlich wild und somit alles andere als ein englischer Rasen ist, musste mancher Hobby-Gärtner aber erstmal von dieser Idee überzeugt werden. Andrea Schmitz: „Wir haben auch Schilder verteilt, damit der Nachbar sieht: Das soll so sein.“