Myhl: Beim Tanz öffnet sich eine andere Welt

Erfolgreiches Tanzpaar : Beim Tanz öffnet sich eine andere Welt

Tristan Braun und Sophia Konkel tanzen erst seit ein paar Monaten zusammen. Trotzdem winken nun schon die Tickets für einen Start bei der Deutschen Meisterschaft.

Wenn für Tristan Braun (9) und Sophia Konkel (7) die Musik beginnt auf der karnevalistischen Tanzbühne, fliegt ihre Nervosität sofort davon, und es scheint sich für sie eine andere Welt zu öffnen. Vor allem die Leichtigkeit, mit der beide ihren Paartanz völlig synchron darbieten, verzaubert den Betrachter sofort. Jeder würde ihnen auf der Stelle glauben, dass sie schon zusammen tanzen, seit sie laufen können.

Doch weit gefehlt. Nicht einmal ein halbes Jahr trainieren die beiden zusammen und haben sich schon das gesichert, auf das andere karnevalistische Tänzer ihr Leben lang hoffen: eine Fahrkarte zum Halbfinale der deutschen Meisterschaften. Sie haben sich qualifiziert für die norddeutschen Meisterschaften, die am 23. und 24. März im hessischen Baunatal ausgetragen werden. Darauf sind nicht nur sie, ihre Eltern und Geschwister mächtig stolz, sondern auch der Myhler Karnevalsverein, für den sie an den Start gehen werden. Die beiden sind nämlich nicht nur das erste Tanzpaar, sondern auch die bisher erfolgreichsten Tänzer in der Geschichte des Vereins.

„Es war eigentlich zuerst nur so eine jecke Idee, letztes Jahr im Karneval“, erinnert sich Tristans Mutter Susanne an ihr erstes, gar nicht so ernst gemeintes Gespräch mit Sophias Mutter Sarah. Wobei beide gleich zugeben, dass es schon so etwas wie die karnevalistischen Gene sind, die in beiden Familien zu Hause sind. Sarah Konkel, die jetzt mit ihrer Familie in Hückelhoven lebt, hat nämlich früher selbst getanzt, in der Alsdorfer Funkengarde. Und Sophia ist schon seit zwei Jahren als Solomariechen bei den Sankhasen aktiv.

Bei den Brauns, die in Birgelen wohnen und über Freunde bei den Sankhasen in Myhl gelandet sind, ist der Bazillus Karnevalitis ebenfalls zu Hause. Vater Chris stammt aus der Karnevalshochburg Köln, ist im Männerballett aktiv, und Tochter Annika (14) tanzt schon seit sechs Jahren als Solomariechen, nachdem sie vorher schon drei Jahre lang zu den Bambini der Sankhasen gehörte. Nicht zuletzt sind Tristan und sein Zwillingsbruder Erik abwechselnd auch der kleine, als Hase verkleidete Sankhas der Myhler, den sie traditionell immer in einer Schubkarre auf die Bühne fahren. 

„Ich versuch´s mal“, hatte Tristan gesagt, als die Mama ihm versprach, dass seine Begeisterung für den Fußball bei dem Tanzabenteuer nicht zu kurz kommen würde. Denn auch das Interesse fürs Tanzen war bei ihm schon länger da, ahmte er doch im Wohnzimmer die Figuren von Schwester Annika immer nach. Gesagt, getan. Die beiden Trainerinnen Joanna Pagen und Fabienne Breuer nahmen sich des kleinen Pärchens an. Für Tristan wurde in Haaren eine Tanzuniform geschneidert, die zu dem bereits fertigen, weiß-goldenen Mariechenkostüm passte. Und auch die in Myhl beheimatete Hutmacherin schuf noch schnell für ihn die passende Kopfbedeckung.

Schon bei ihrem ersten Auftritt beim Turnier der Vereinigung der Karnevalsgesellschaften der Erkelenzer Lande (VKEL) in Hückelhoven Ende Oktober 2018 schafften die beiden es ganz nach oben aufs Treppchen. Zwei Wochen später, beim Turnier des Bundes Deutscher Karneval (BDK) in Alsdorf, standen sie mit Platz drei gleich wieder ziemlich weit oben. Jetzt war der Ehrgeiz da, denn eine weitere gute Platzierung könne gar die Qualifikation fürs deutsche Halbfinale bringen, hieß es. Also wurde noch einmal ausgiebig am Tanz gefeilt, der dann erst eine Woche vor dem BDK-Turnier in Mülheim fertig wurde. 

Die Mühe wurde belohnt, dieses Mal mit Platz zwei und natürlich der ersehnten Qualifikation. „Vor unserem Tanz waren wir total nervös“, erinnert sich Tristan. „Sogar Sophias Wangen im Gesicht haben gewackelt“, schmunzelt er. „Und ich habe nachher vor Rührung geweint“, gibt seine Mama zu, deren Blick jetzt schon nach Baunatal geht. Immerhin mussten ja auch Eintrittskarten gekauft oder Zimmer für die Übernachtung gebucht werden. „Wir können ja mit den Kindern nicht mitten in der Nacht losfahren, wenn sie schon frühmorgens da sein müssen“, sagt Susanne Braun.

Doch das mit den Eintrittskarten war zunächst gar nicht so einfach. Große, bekannte Vereine würden immer schon ein Jahr vorher große Kontingente kaufen, ohne zu wissen, ob sich Tänzer aus ihren Reihen überhaupt qualifizieren. „Wir wussten bis vor ein paar Tagen nicht, ob wir überhaupt zuschauen können“, erzählt Tristans Mutter. Inzwischen habe man jedoch einen erlösenden Anruf vom Veranstalter erhalten. „Die Stadt hat genehmigt, dass in der Halle noch Tische dazugestellt werden“, sagt sie. 

Fünf kleine Tanzpaare werden sich in Baunatal für die deutschen Meisterschaften qualifizieren, die dann eine Woche später, am 30. und 31. März, in Braunschweig ausgetragen werden. Da würde das Ganze etwas einfacher werden. „Der BDK hält immer Kontingente zurück für die Angehörigen der Tänzerinnen und Tänzer, die sich noch qualifizieren“, weiß Susanne Braun. Mit dabei sein kann in Braunschweig auf jeden Fall Schwester Annika, denn sie hat gerade erst eine Eintrittskarte als Weihnachtsgeschenk bekommen. „Die habe ich aber schon vor einem Jahr gekauft“, verrät ihre Mama.

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