Musikalische Lesung von Andreas Malessa und Frank Ollertz

Lesung von Andreas Malessa und Frank Ollertz : Symbiose aus Musik und Humor

Es wurde herzhaft gelacht bei einer literarisch-musikalischen Rundreise durch 2000 Jahre biblischer und kirchlicher Geschichte in der Christuskirche in Heinsberg.

Als Reiseleiter fungierten der evangelische Theologe Andreas Malessa und der Pianist und Lehrer der Jugendmusikschullehrer Frank Ollertz. Humor und Musik bildeten eine unterhaltsame wie lehrreiche Symbiose.

Mit einem kleinen Exkurs in die Bedeutungsgeschichte des Begriffs Humor erläuterte Andreas Malessa die Bandbreite, was Humor sei, anhand von Papst Johannes XXIII. und einer schwäbischen Oma. Beiden sei Demut eine Tugend, die zum Leben gehöre. Für den Papst bedeute es, sich nicht so wichtig zu nehmen; die schwäbische Oma habe gesagt: „Demut – wissen Sie, meine Demut ist mein ganzer Stolz“.

Halt machte Malessa bei seiner literarischen Reise mit dem besonderen Blick auf Satire, Humor, Spaß und Witz beim Blättern im Alten wie Neuen Testament, beim Heranziehen der schriftlichen Quellen zu Personen der Kirchengeschichte wie Augustinus und Hildegard von Bingen aber auch bei Literaturschwergewichten wie Shakespeare, Goethe und Heine. Und weil das Lachen als Thema im Mittelpunkt des Abends stand, durfte auch der Witz nicht fehlen. „Die Liste meiner Vorfahren reicht bis Luther zurück. Und wie ist es bei Ihnen“, sei bei einer Konversation in der feinen Gesellschaft geäußert worden. Und die Antwort habe gelautet: „Wissen Sie, das ist etwas schwierig. Die Unterlagen sind bei der Sintflut verlorengegangen.“

„26 Mal ist in der Bibel vom Lachen die Rede“, verwies Malessa auf Aussagen und Berichte der Propheten und Apostel. Die präzisen Quellenangaben wiesen ihn dabei als Kenner und auch ein wenig stolzen Lehrer aus. Auch wenn die Ökumene heute zwischen den Konfessionen gelebte Realität ist, gehörte das neckische Zwicken zur Gestaltung des Abends: „Wenn dich deine Hand ärgert, dann hacke sie ab. Wenn dein Auge dich ärgert, dann reiße es raus. Und wenn dein Verstand dich behindert, dann werde katholisch“, lautete die witzige Ergänzung der alttestamentarischen Forderungen.

Wie spannend Wortbedeutungen und ihre Geschichte sein können, das erlebte das Publikum mehrfach an diesem Abend. So habe der Begriff „unter allen Kanonen“ die Bedeutung von „nicht kanonisiert“ und stamme aus dem Wortumfeld „Kanon der Bibel“, jenes also, was auf dem Konzil von Nicäa im Jahr 325 als wichtig für die christliche Kirche festgeschrieben wurde.

Die kongeniale Ergänzung bei der Gestaltung der Lesung waren die musikalischen Beiträge von Frank Ollertz am Piano. Seine Improvisationen und Variationen von Werken der Romantik, des Jazz und des Blues schafften in ihrer Auswahl und Darbietung den Raum, das Positive des Lachens in heiterer Gelassenheit und Besinnung zu vertiefen. Denkt man sich das Lachen in der Kirche an diesem Abend als Fahrstuhl zum Glück, dann hatte Frank Ollertz die beste Fahrstuhlmusik dazu gespielt.

Wer das Duo erlebte, erlebte Humor, der nicht unter die Gürtellinie ging, mit dem sich das Publikum identifizieren konnte und man sich nicht zu ernst nehmen musste. Am Ende schloss sich der Kreis, der mit dem Versprechen von Pfarrer Sebastian Walde begonnen hatte: „Wer zuletzt lacht, lacht am besten … in der Kirche“.