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Umfangreiche Sanierung in Kirchhoven: Molche ziehen im Freibad ihre Bahnen

Umfangreiche Sanierung in Kirchhoven : Molche ziehen im Freibad ihre Bahnen

Wegen zu hoher Auflagen in der Corona-Zeit ist das Freibad Kirchhoven in diesem Jahr geschlossen geblieben. Stattdessen wollten sich Ehrenamtler der Sanierung des großen Beckens widmen. Rundherum mutet es daher jetzt an, als hätten hier riesige Maulwürfe ihr Unwesen getrieben.

Die Bewässerungsanlage läuft auf vollen Touren, und es scheint, als sei das satte Grün rund ums Kirchhovener Freibad bei Temperaturen weit über 30 Grad Celsius gut gerüstet für den Ansturm großer und kleiner Wasserratten. Wer sich von dort aufmacht Richtung Wasserbecken, erkennt jedoch schnell, dass es in diesem Jahr nichts werden kann mit dem Schwimmvergnügen. Wegen zu hoher Auflagen in der Coronavirus-Zeit hatte der Vorstand des Fördervereins Freibad Kirchhoven im Mai beschlossen, sein Bürgerbad in diesem Jahr gar nicht zu öffnen. Stattdessen wollten sich die aktiven Ehrenamtler der Sanierung des großen Beckens widmen. Rundherum mutet es daher jetzt an, als hätten hier riesige Maulwürfe ihr Unwesen getrieben.

Der Maulwurf ist aber an diesem Morgen ein Minibagger, besetzt mit Michael Hausmann aus Oberbruch. Rundherum um das Becken baggert er derzeit einen Graben, 60 Zentimeter tief und breit. Vereinsvorsitzender Johannes Geiser und Technikleiter Philipp Sommer folgen ihm mit ihren Schaufeln und machen den Graben perfekt, der über 180 Meter misst. Die drei sind bereits am zweiten Wochenende aktiv. Während der Woche haben sich Willi Houben und Gerd Slangen von der Gartengruppe mit der Baggerschaufel Stück für Stück rund ums Bad gegraben.

Weitere fleißige Hände hätten zuvor mit angepackt und die Platten angehoben, berichtet Johannes Geiser. Und sie erlebten eine Überraschung. So fest seien die Platten mit Silikon verbunden gewesen, dass sie jede einzelne mit einem Messer hätten freischneiden müssen. Was dann im Graben zutage trat, waren wie erwartet viele undichte Stellen, die unermüdlich mehr oder weniger große Mengen Wasser aus dem Becken heraus in den Graben fließen lassen. Bis zu 100 Kubikmeter gechlorten und aufgeheizten Wassers seien so pro Tag einfach aus dem Becken heraus ins Erdreich verschwunden, so Johannes Geiser weiter. „Die braucht ein Drei-Personen-Haushalt pro Jahr“, ergänzt Philipp Sommer. Diese undichten Stellen seien entstanden, nachdem Mitte der 1990er-Jahre eine Umrandung aus Edelstahl auf den alten, immer noch dichten Betonkörper aufgesetzt worden sei, erklärt der Vorsitzende.

Da das große Becken über ein Jahr nicht mehr genutzt wurde, hat die Natur es für sich erobert. Hunderte kleiner Molche haben hier derzeit ihre Heimat. Foto: Anna Petra Thomas

Derzeit sei die Regelung die, dass dem Verein 15.000 Kubikmeter Wasser pro Saison kostenfrei von der Stadt zur Verfügung gestellt würden, um diesen Schaden auszugleichen. Hinzu kämen jedoch für den Verein als Betreiber die Kosten, immer wieder neu kaltes Wasser aufheizen zu müssen, um den Verlust zu kompensieren. Da könne man durch die Reparatur also auch energetisch entsprechend sparen.

Um den Schaden nun zu beheben, hat man inzwischen eine Fachfirma gefunden. Sie werde den alten Betonrand anschleifen und dann ein Dichtband von dort über die gemauerte Erhöhung bis auf den Edelstahlaufsatz rund um das Becken herum aufbringen. Ein mittlerer fünfstelliger Betrag werde notwendig sein, um diesen Schaden zu beheben, so Johannes Geiser weiter. „Innerhalb kürzester Zeit wird sich diese Investition jedoch amortisieren“, ist er sicher.

Nach der Abdichtung müsse der kleine Graben wieder angefüllt und die Platten rundherum neu verlegt werden. „Das ist noch eine Menge Arbeit“, sagt Philipp Sommer. Wie Johannes Geiser hofft auch er auf noch ein paar fleißige Hände, die bei diesen Arbeiten mit anpacken können. Auch von innen soll das Becken abschließend neu abgedichtet werden.

Weiterhin soll das Drei-Meter-Brett des Sprungturms einer umfassenden Sanierung unterzogen werden. Und auch für die sogenannten Durchschreitebecken zum eigentlichen Schwimmbecken steht eine Modernisierung an. Sie sollen mit einer rutschfesten Folie ausgestattet werden, wie sie schon für das neue Kinderplanschbecken genutzt wurde. Die Gartengruppe war derweil nicht nur bei den Arbeiten für den Graben unermüdlich bei ihrer Sache. In den Grünanlagen rund um das Becken herum hat sie zum Beispiel zu Bewässerungsschläuchen umfunktionierte alte Feuerwehrschläuche verlegt, um sich ihre Arbeit im Sommer zu erleichtern. „Diese Bewässerung kann sogar vom Handy aus gesteuert werden“, erklärt Philipp Sommer stolz.

Wie schnell die Natur ein solches Bad für sich wieder erobert, wenn es nicht genutzt wird, zeigt der Technikleiter schließlich im Bereich der Treppe, wo das Wasser flach ist und durch die Sonne gewärmt wird. Hunderte kleiner Molche haben hier derzeit ihre Heimat, bis im nächsten Sommer das Bad wieder mit frischem, glasklaren und nicht mehr ins Erdreich verschwindendem Badewasser in Betrieb gehen soll. „Ich hoffe, dass sich die Menschen dann auch wieder trauen, zu uns ins Bad zu kommen“, sagt er.