Mittsommernachtslesung auf dem alten Friedhof an der Brückstraße

Mittsommernachtslesung : Nächtlicher Kulturgenuss mit Überraschungen

Im Juni, wenn die Tage am längsten sind, zieht es Freunde der Literatur ab 22 Uhr auf den alten Friedhof an der Brückstraße. Denn dann wird der ehemalige Friedhof zur Literaturbühne.

Die Zuschauer müssen sich ihre Sitzgelegenheiten, Decken und Zutaten für das leibliche Wohl selbst mitbringen. Geboten bekommen sie dafür eine romantische Kulisse und bis Mitternacht skurrile, komische oder auch mal gruselige Geschichten. So auch jetzt, als die Macher der Veranstaltungsreihe Leseburg wieder zur Mitbring-Lesung eingeladen hatten.

Die Teilnehmerzahl ist auf 50 beschränkt, und wer dabei sein will, ist gut beraten, sich frühzeitig um eine Karte zu kümmern, denn eine Abendkasse gibt es nicht. Den Auftakt machte diesmal die Erkelenzer Autorin Elke Wenk, deren Geschichten auch in ihrer Heimatstadt spielen und zumeist für mindestens einen Protagonisten tödlich enden.

Ebenso wie Wenk war auch René Wagner schon bei der Mittsommernachtslesung dabei. Diesmal präsentierte er eine Geschichte, in der ein Mann seine Seele an den Teufel verkauft. Neu dabei und vor allem weit unter dem Altersschnitt der Anwesenden war die Hückelhovener Schülerin Valerie Schippers. Die 16-Jährige überzeugte mit einfühlsamen Poetry-Slam-Texten, in denen sie Fingerspitzengefühl im Umgang mit Sprache und ein besonderes Talent zur Beobachtung bewies. Der Erkelenzer Krimiautor und Mitorganisator Helmut Wichlatz präsentierte eine Geschichte, die sogar auf dem Friedhof spielte, deren Horror aber durchaus von Menschenhand gemacht war.

Dann überraschte Moderator Felix Wichlatz mit der Information, dass die Veranstalter der Leseburg mit dieser 25. Lesung ihre Tätigkeit einstellten und sich zukünftig auf neue Projekte konzentrieren wollten. Die Mittsommernachtslesung werde es aber trotzdem weiterhin geben.

Dann kam der Überraschungsgast des Abends, und zwar mit dem verrosteten Fahrrad direkt auf den Friedhof. Hastenraths Will, der charismatische Ortsvorsteher aus Saffelen, war der Einladung der Leseburg-Macher gefolgt und hatte den Weg nach Erkelenz auf den Friedhof gefunden. „Frei Schnauze“ gab er Einblicke in seine Gedanken zum Thema Tod, Beerdigung und Friedhof, bevor er mit Beiträgen zu aktuellen Themen der Bundes- und Weltpolitik für neue und teilweise verstörende Einsichten sorgte. Der Comedian Christian Macharski ist nicht der erste Promi, der dem literarischen Ruf auf den Friedhof gefolgt ist. Auch für das nächste Jahr gibt es schon Namen, die als brandheiße Favoriten gehandelt werden. Mehr wollten die Organisatoren aber noch nicht verraten.

Pünktlich um Mitternacht mit dem Ende der Lesung setzte ein freundlicher Regen ein, der den nächtlichen Kulturgenuss beendete.

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