Janine Kunze in Heinsberg: Mit Herz und vollem Körpereinsatz

Janine Kunze in Heinsberg : Mit Herz und vollem Körpereinsatz

Beste Unterhaltung in der Buchhandlung Gollenstede in Heinsberg bot die Schauspielerin und Buchautorin Janine Kunze bei der Lesung zu ihrem Buch „Liebling – ich habe unsere Kinder verschenkt“. Volksnah und aus dem Nähkästchen ihres Familienlebens plaudernd, eroberte sie die Sympathie des Publikums im Fluge.

„Wo ist der Heldt?“ wurde Janine Kunze beim ersten Auftritt mit der Frage aus dem Publikum nach dem Verbleib des Schauspielerkollegen aus der gleichnamigen TV-Serie begrüßt. Und der nächste Zuruf der Begeisterung lautete denn auch: „Normalerweise sind Sie ja bei mir im Wohnzimmer!“ Und nun erlebe man Kunze hier live. Überwältigt von so viel Begeisterung, war klar: Hier hatte die Autorin kein Eis mehr zu brechen. Und so folgte statt einer Lesung zunächst noch der ein oder andere Dialog mit dem Publikum über Gott und die Welt. Danach war längst klar: In Heinsberg hatte Janine Kunze ein Heimspiel.

Es sei ihr zweites Buch, das sie am Freitag vorstellen wolle, fand die Autorin dann doch zum eigentlichen Zweck des Abends zurück und den Einstieg in die Lesung. Und es sei ein Buch über den ganz normalen, alltäglichen Wahnsinn eines Familienlebens mit drei Kindern. „Aber alles, was drin steht, ist von der Familie genehmigt“, betonte sie, um gleichzeitig zu signalisieren, dass sie durchaus um eine mögliche Kritik an dem Genre „Nähkästchen des Familienlebens“ wisse.

Sie stellte ein Buch vor, das schon im Inhaltsverzeichnis andeutet, welche emotionalen Aufs und Abs dem Leser begegnen werden. Mit den geschickt ausgewählten drei Kapiteln erlebten so manche Elternteile aus dem Publikum ihr „Déjà-vu“ – vom Rumzicken der pubertierenden Tochter über die Zitierhartnäckigkeit in Sachen Lyrik einer Elfjährigen bis zum einzigen Thema „Fußball“ des jüngsten Sohnes. Auch die weiteren familienerziehenden Themen fanden zustimmenden Beifall im mitfühlenden Publikum – denn wer hätte als Eltern schulpflichtiger Kinder nicht schon die Fettnäpfchen und Fußfallen eines Schulfestes kennengelernt? Und wer hätte bei einem Spieleabend nicht auch die vielen überflüssigen Erziehungstipps kinderloser Paare aus dem peripheren Bekanntenkreis über sich ergehen lassen müssen?

Interessant dann aber auch die weitere Struktur des Buches: Wer von den „Leiden der jungen Elternpaare“ erzählt, sei gut beraten, auch helfende Tipps zu geben. Die reichten von Koch – und Kuchenrezepten bis zu Erste-Hilfe-Hinweisen für die kleinen und großen Wehwehchen im Familienalltag. Alles sei übersichtlich als Anhänge im Buch verzeichnet, ließ Kunze ihr Publikum wissen. Die im Buch erkennbare Sprache bedient sich der modernen Jargons und enthält an der ein oder anderen Stelle auch Sätze von der Stange wie „Umso schöner, dass wir uns heute sehen können!“, wenn Konversationsszenen Höflichkeit produzieren lässt.

Janine Kunze agierte beim Vortragen ihrer Textauswahl nicht nur als Profi. Es wurde offensichtlich, dass im Buch authentische Geschichten wiedergegeben wurden. Mit Herz und ganzem Körpereinsatz las sie nicht nur vor, sondern spielte dabei die Szenen nach. Eine Lesung im Stehen und Gehen ist nicht das übliche Verfahren und machte den Abend umso unterhaltsamer. Wenn Lesen wie Fernsehen im Kopf sein kann, dann war das Vorlesen der Janine Kunze großes Kino an diesem Abend.

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