Mit dem Prinzen um das Zepter gerast

Närrisches Wettrennen : Mit dem Prinzen um das Zepter gerast

„Ich klage Sie an!“ Stimmgewaltig meldet sich Markus I., Prinz der Kerkever Jekke, zu Wort, als er im Festzelt am Freibad Bürgermeister Wolfgang Dieder erblickt. Ein langes, schlankes und rot verhülltes Päckchen mit Heinsberger Wappen hält dieser in seinen Händen.

Der Prinz hat sich auf einem Tisch in Position gebracht, würdevoll gekleidet als Märchenprinz mit Krone auf dem Kopf in türkisblauem Gewand. Und er will endlich sein Zepter zurück, das sich in diesem Päckchen befindet. Das habe ihm der Bürgermeister gestohlen, erklärt der Prinz dem lachenden Publikum.

Tatsächlich war das Zepter des Kirchhovener Prinzen vor drei Wochen nach der Prunksitzung in Kirchhoven plötzlich verschwunden. Als am nächsten Morgen der Besuch beim Kempener Frühschoppen geplant war, stand Markus I. mit leeren Händen da. Ganz sicher war sich Zepterwächter Martin Knop, dass es nach der Sitzung in den Prinzenwagen gelegt worden war, um es vor Diebstahl zu schützen. Der erste Verdacht fiel auf die Kemper Gröne. Die könnten sich doch bei Autobesitzer Alexander Tholen den Schlüssel besorgt haben, so der Gedanke. 

Dann kam eine Nachricht ohne Absender auf dem Handy von Präsident Johannes Geiser an. Verhandlungen wurden angeboten, beim Frühschoppen in Kempen. Und es war tatsächlich der Bürgermeister, der sich in den Besitz dieses wertvollen Zeichens närrischer Macht gebracht hatte, als ihn der Fahrer des Prinzen nach der Sitzung ganz generös in der Prinzenkutsche nach Hause chauffiert hatte. 

Bürgermeister Wolfgang Dieder verteidigte das Zepter im mit Rosen und Efeu geschmückten Kettcar. Mit einer hundertstel Sekunde Vorsprung konnte Prinz Markus I. das Rennen gewinnen. Foto: Anna Petra Thomas

Doch die Kerkever Jekke verhandelten am nächsten Tag gar nicht mit ihm. „Halt es doch!“, schmetterten sie ihm im Kempener Festzelt bockig entgegen und statteten ihren Prinzen mit einem neuen „Zepter“ aus, einem großen 60er Schraubenschlüssel. Damit zog dieser für die nächsten zwei Wochen durch die Säle. „Und kaum einer hat´s gemerkt“, schmunzelt Markus I. rückblickend. 

Für die heiße Phase der Session wollte er sein Zepter dann aber doch wieder zurück haben. Also wurde ein Duell verabredet im Rahmen des traditionellen Wettbewerbs „Schlag den Reibel“, der in der Karnevalswoche immer im Kirchhovener Festzelt ausgetragen wird. Auch Prinz und Bürgermeister sollten in ihren Gefährten die Rampe hinunterrasen. Der Gewinner sollte das Zepter erhalten, Markus I. für den Rest dieser Session, Dieder für die nächste. Sollte Dieder das Rennen gewinnen, würde er Prinz der Kerkever Jekke für die Session 2019/2020 sein, so die Abmachung. 

Die „Hunting Bears“ aus Aphoven sicherten sich den Titel bei „Schlag den Reibel“. Beim Jeckenrennen im Märchenwald überzeugten sie mit der Darstellung von Alice im Wunderland. Sieger im Bobbycar-Rennen wurde Mark Knoben (2.v.l.). Foto: Anna Petra Thomas

Also machten sich die beiden auf den Weg die Rampe hinauf. Schiedsrichter und Jekke-Vorsitzender René von der Ruhren warf die Münze. Danach machte der Prinz den Anfang in einem eigens für die Rampenfahrt umgebauten Fahrrad. Dieder düste in einem märchenhaft mit Rosen und Efeu dekorierten Kettcar hinterher. Für die Zuschauer war der Sieger gar nicht auszumachen, und tatsächlich: Nur eine hundertstel Sekunde entschied über den Besitz des Prinzenzepters. Mit 4:28 Sekunden holte sich Markus I. unter großem Jubel des Publikums das Zeichen seiner närrischen Macht zurück. Dieder hatte für seine Fahrt 4:29 Sekunden benötigt. Die Zuschauer waren begeistert, und doch hätte der ein oder andere auch Dieder gerne als Sieger gesehen. 

Im traditionellen Wettbewerb, der dieses Mal unter dem Motto „Jeckenrennen im Märchenwald“ stand, hatten wie im vergangenen Jahr die „Hunting Bears“ aus Aphoven unter der Leitung von Detlef Wennmacher die Nase vorn. Mit ihrer Präsentation von Alice im Wunderland sicherten sie sich mit dem größten Team des Abends den Sieg, vor dem Tischtennis-Club „Gut Schlag“ aus Kirchhoven mit dem Märchen „Drei Schweinchen und der böse Wolf“. Dritter wurde das „Drie Geschar“ der IG Höngener Karneval mit dem Märchen Schneewittchen. 

Gewertet worden war für alle die Fahrt die Rampe hinunter, die Präsentation des Teams in der B-Note und die Zeit, in der sie dem Publikum den Titel eines Märchens entlocken konnten, wobei in der Erzählung einige Worte tabu waren. Beim Bobbycar-Rennen, das zusätzlich wieder ausgetragen wurde für alle in Vorständen engagierten Ehrenamtler, hatte Marc Knoben vom TTC „Gut Schlag“ die Nase vorn.

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