Ministerium von Heimat-AG im Kreisgymnasium Heinsberg beeindruckt

„Jeden Montag ein neues Abenteuer“ : Ministerium von Heimat-AG im Kreisgymnasium beeindruckt

Das Baumpflanzprojekt ist eines der zahlreichen Aktivitäten, die der Heimatverein der Heinsberger Lande seit Beginn des Schuljahres für die neuen Schüler des Kreisgymnasiums anbietet. „Jeden Montag ein neues Abenteuer“ lautet das Motto hinter dem Konzept der einzigartigen Initiative, die jungen Menschen einen Einblick in die vielfältigen Facetten bieten soll, die der Begriff Heimat hat.

Das eigenwillige Format, das viele ehrenamtliche Referenten in die Schule holt und die Schüler an viele für sie neue Orte führt, ist gut angekommen, nicht nur in der Schule, sondern inzwischen sogar im NRW-Heimatministerium.

Daniel Gossen hat sich einen Kirschbaum ausgesucht, ebenso wie Tom Wouters und Vasilios Valsamidis. „Weil wir zu Hause keinen haben“, sagt Vasilios. Greta Mertens hat einen Apfelbaum gewählt, weil sie Äpfel sehr gerne isst. Insgesamt 14 Kirsch- und Apfelbäume, aber auch Pflaumen- und Birnbäume haben die Sextaner des Heinsberger Kreisgymnasiums jetzt mit Hilfe des Teams vom Heinsberger Bauhofs im Klevchen, nicht weit von ihrer Schule entfernt, selbst gepflanzt. Im Rahmen ihrer Heimat-AG waren sie dabei selbst mit dem Spaten aktiv, um das Pflanzloch vorzubereiten. Anschließend halfen sie noch dabei, ihre Bäume an den Haltepfählen zu befestigen, auf denen jetzt ihr Name steht.

Der Heimatverein erhielt zunächst für die Finanzierung von Projekten für die AG einen der ersten Heimatschecks im Rahmen der neuen Heimatförderung des Landes Nordrhein-Westfalen. Mehr noch gilt das Heinsberger Konzept der Heimat-AG aber im NRW-Heimatministerium inzwischen als „herausragendes Beispiel“ für Kooperationen von Schulen und sogenannten Heimataktiven. Bei der zweiten Heimat-Akademie NRW mit dem Thema „Heimat macht Schule“ wird Anna Petra Thomas, Vorsitzende des Vereins, das Konzept am 18. Mai Pädagogen und Ehrenamtlern aus anderen heimatkundlich tätigen Vereinen vorstellen dürfen.

Im NRW-Heimatministerium freuten sich Meike Paprotta-Kübler (rechts) und Christoph Meinerz über den Besuch von Anna Petra Thomas und Heinz-Leo Heinrichs vom Heimatverein der Heinsberger Lande. Foto: Anna Petra Thomas

In einem vorbereitenden Gespräch im Heimatministerium in Düsseldorf konnte sie noch einmal die Entstehungsgeschichte dieses neuen Formats für den Offenen Ganztag erläutern. So nahmen Anna Petra Thomas und Heinz-Leo Heinrichs, Geschäftsführer des Heimatvereins, im März vergangenen Jahres am ersten Heimatkongress in Münster teil. „Auf dem Weg dorthin hatten wir die Idee, dem Kreisgymnasium anlässlich seines 175-jährigen Bestehens ein ganz besonderes Geschenk zu machen“, sagt die Vorsitzende. Irgendwo auf der Autobahn 46 schon sei die Idee der Heimat-AG dann geboren worden und habe sie nicht mehr losgelassen. „Als wir in Münster ankamen, hatten wir rund 50 Ideen für einzelne, kleine Abenteuer in einer Heimat-AG gesammelt.“

Der Schulleitung und den Vertretern der Fachschaft Geschichte gefiel die Idee, und so warb der Verein zu Schuljahresbeginn wie auf einer kleinen Messe mit seinem Stand zum Thema Heimat neben anderen Angeboten wie Astronomie oder Klettern um die Gunst der Schüler. 13 Schüler zählt die AG inzwischen, die sich jeden Montag von Heinz-Leo Heinrichs in Begleitung eines Pädagogen der Schule und zusammen mit einem ehrenamtlich tätigen Referenten in eine neue Facette von Heimat mitnehmen lassen.

Von Anja Mülders aus dem Kreisarchiv erlernten sie zum Beispiel die Grundzüge der Sütterlinschrift. Korbmacher Lambert Hensen und Stuckateur Hans Georg Fabry zeigten ihnen alte Handwerke. Westblicke-Gästeführerin Annette Tanz, Stadtführer Helmut Hawinkels, Propst Markus Bruns, Jakob Wöllenweber vom Förderverein Industriepark Oberbruch und Renate Kries vom Begas-Haus führten sie an bedeutende Orte Heinsberger Geschichte.

Bäcker Jürgen Dick vermittelte den Sextanern bei einem Besuch in seiner Backstube alte heimische Backtraditionen. Foto: Anna Petra Thomas

Von Jürgen Dick erfuhren sie Details alter, heimischer Backtradition, mit Revierförster Wolfgang von der Heiden erkundeten sie das Klevchen hinter der Schule, und Andreas Plum informierte sie über alte heimische Obstsorten. Auf große Fahrt ging´s schon ins historische Klassenzimmer nach Immendorf. Die Gerhard-Tholen-Stube in Waldfeucht, das Korbmachermuseum in Hilfarth oder die Windmühle in Haaren stehen im zweiten Halbjahr noch auf dem Programm. Weitere ehrenamtliche Referenten zu neuen, spannenden Themen werden ebenfalls erwartet.

„Die Heimat-AG, getragen durch den Heimatverein Heinsberg, ist ein besonderes Angebot für die Sextaner“, sagt Benedikt Kleinlosen, der für die AGs des Kreisgymnasiums zuständig ist. „Der Heimatbegriff ist so vielseitig, wie es die AG auch ist.“ Sie gebe den Schülern „eine einmalige Möglichkeit der Orientierung und Identifikation mit ihrer Heimat“, sagt er und freut sich besonders über die große Zahl von Kindern mit Migrationshintergrund in der AG.

„Die detaillierte und umfassende ehrenamtliche Vorarbeit mit vielen verschiedenen Experten zeigt das lebendige Heinsberger Land“, so sein bisheriges Resümee. Es sei notwendig, sich mit seiner eigenen Herkunft auseinanderzusetzen, um sich ein differenziertes Bild von anderen Kulturen und Lebensweisen machen zu können, lobt er die neue Initiative des Heimatvereins.

(red)