Heinsberg: Literaturkurs des Kreisgymnasiums überträgt Macbeth in die Morderne

Heinsberg: Literaturkurs des Kreisgymnasiums überträgt Macbeth in die Morderne

Sie entwickeln sich langsam zu einem Geheimtipp gut gemachten Theaters, die Aufführungen des Literaturkurses am Heinsberger Kreisgymnasium kurz vor den Sommerferien. Vier Aufführungen gab es dieses Mal mit dem Titel „Macbeth“, eine im Traumkarussell in Übach-Palenberg, drei weitere im Lichthof der Schule in Heinsberg.

Was auch in diesem Jahr vor allem beeindruckte, war die schauspielerische Leistung der Schüler, die auch ohne aufwendiges Bühnenbild auskam. Es reichten mittels Beamer projizierte Fotos. Die Möblierung der Bühne war auf das Notwendige reduziert, wie auch die Kleidung der Darsteller zurückhaltend und doch immer passend war.

Schon vor ihrer Aufführung hatten die Schüler während des Unterrichts Einiges geleistet, indem sie einen bekannten Stoff William Shakespeares für eine moderne Form der Thematisierung von „Rachlust, Hinterlist und Intrige“ neu bearbeitet hatten, wie es eine Schülerin in ihrer Begrüßung formulierte.

Das 1611 in London uraufgeführte Drama „Macbeth“ gehe zurück auf historische Ereignisse im elften Jahrhundert in Schottland. „William Shakespeare hat die überlieferten Fakten verändert und in seiner Tragödie verschiedene Erscheinungsformen des Bösen thematisiert“, schrieben die Schüler dazu in ihrem Programmheft. Aufgrund seines Machtstrebens ermorde Macbeth, angetrieben durch seine Gattin, den beliebten Schottenkönig Duncan.

Aus diesem Stoff haben die Schüler frei nach Shakespeare eine eigene Fassung geschrieben, die im Hier und Jetzt angesiedelt ist. „In dieser modernen Fassung spielt die Handlung in einem Modeunternehmen, in dem die Mitarbeiter um Macht und Einfluss ohne Rücksicht auf Verluste ringen“, schreiben sie dazu. „Der König ist heute Firmeninhaber und seine Feldherren die Manager.“

Die mysteriösen Hexen seien die Beraterinnen, die ebenfalls nur ihren Vorteil suchen würden. „Und die ehrgeizige Lady Macbeth treibt ihren Mann an, die Firma ohne Rücksicht auf Moral und Gesetze zu übernehmen und schreckt selbst vor nichts zurück.“

Lady Macbeth, gespielt im Wechsel von Antonia Bahnschulte und Carolin Reichenbach, bringt ihren Mann (Frederick Kohnen, Yaro Reiners) dazu, zunächst seinen Chef Duncan (Agnese Shala, Finn Normann) umzubringen. Dabei muss dann durch die Hand der Lady auch noch ein Mitarbeiter sterben, der den beiden ins Gehege kommt.

Doch damit nicht genug: Macbeth räumt auch seinen Kollegen Banquo (Yaro Reiners, Frederick Kohnen) aus dem Weg. Der neue Chef Malcom (Lukas Windeln) heuert derweil bei der Konkurrenz an, bei Macduff (Jan Piernikarczyk) und seiner Frau (Saskia Paulus, Hannah Brenig). Schließlich werden Macbeth auch die drei Sekretärinnen (Laura Furlan, Vivien Koch, Felicia Gödde, Tuyet-Nhi Huynh, Mona Wilms Cora Kreder) gefährlich, die ihn erpressen wollen. Er bringt sie ebenfalls mit Gift, dieses Mal nicht im Wasser, sondern im Kaffee, einfach um.

Macduff und Malcolm hegen derweil den Plan, den neuen Konkurrenten Macbeth zu übernehmen und gehen ebenfalls über Leichen. Malcolm erwürgt Macbeth. Jetzt brauchen die beiden nur noch die letzten Vermögensgegenstände von Lady Macbeth. Aber sie lacht als letzte, hat nämlich die Firma schon weit vorher verkauft, ohne dass ihr Mann dies mitbekommen hätte. Mit ihrer Pistole erschießt sie schließlich ihre beiden letzten Widersacher.

Die beiden Mitarbeiter, die im Stück vorkommen, werden gespielt von Joshua Jansen und Timo Fabry. Beide waren zugleich für Licht und Technik zuständig. Für das Bühnenbild zeichneten Felicia Gödde, Tuyet-Nhi Huynh, Vivien Koch und Agnese Shala verantwortlich. Frederick Kohnen, der auch in diesem Jahr vom Publikum für seine herausragende schauspielerische Leistung wieder besonders viel Applaus einheimste, war zusammen mit Cora Kreder und Carolin Reichenbach zugleich Dramaturg der Aufführung. Er will nach seinem erfolgreichen Abi jetzt Theaterwissenschaften studieren.

Als Souffleuse fungierte Ileana Gebauer. In der Regie saßen die beiden Lehrer des Kurses, Thomas Ullm und sein Assistenz Christian Bork, die am Ende nicht minder begeistert waren wie das Publikum der vier Aufführungen.