Literaturkurs des Berufskolleg Geilenkirchen zeigt Büchners „Woyzeck“

Theaterstück : Tatort Schule: Mord vor Publikum

Am Beruflichen Gymnasium für Gesundheit und Soziales in Geilenkirchen erwerben Schüler die Allgemeine Hochschulreife und absolvieren gleichzeitig die Ausbildung zum Erzieher – aber sie spielen auch Theater im jahrgangsübergreifenden Literaturkurs unter Leitung von Fachlehrerin Steffi Claßen.

Diesmal hatte der Kurs entschieden, Georg Büchners Woyzeck auf die Bühne zu bringen. Das Stück zählt zu den bedeutendsten Dramen deutschsprachiger Literatur.

In dem Stück geht es um den Franz Woyzeck. Der Soldat lebt mit Marie und dem unehelichen Sohn in ärmlichsten Verhältnissen. Um zusätzliches Geld zu verdienen, stellt er sich einem Arzt für Experimente zur Verfügung und rasiert seinen Hauptmann regelmäßig. Die große körperliche und psychische Belastung Woyzecks zeigt sich auch in seinem geistigem Zustand: er hört Stimmen und fühlt sich ständig verfolgt.

Die dramatische Handlung nimmt ihren fatalen Lauf, als Marie sich dem gut situierten, attraktiven Tambourmajor hingibt. Auch wenn sie versucht, das Verhältnis geheim zu halten, kommen Woyzeck schnell Vorahnungen und sein geistiger Zustand verschlechtert sich mit jeder weiteren Unterlegenheitserfahrung. Mit seinem letzten Geld erwirbt Woyzeck ein Messer und ersticht Marie brutal. Das Drama endet mit der Flucht Woyzecks, während der Mord an Marie offiziell festgestellt wird.

Hat am Ende das gesellschaftliche System die Verantwortung für den Mord zu tragen? Gerade diese Frage hat die Schülerund angehenden Erzieher des Literaturkurses sehr beschäftigt. Nach intensiver Probenarbeit wurde das Stück in einer Abend- und einer Matineevorstellung aufgeführt.

Mit der Umsetzung des Stücks wussten die Schüler die Zuschauer zu begeistern. Schon in der ersten Szene Woyzecks wird sein fragiler geistiger Zustand deutlich, der auch seinem einzigen Freund Andres (Tobias Peters) nicht verborgen bleibt. Julian Storms brilliert als Woyzeck von Beginn an zwischen Leiden und Wahn. Gleich in der zweiten Szene begegnet Marie (Angelina Groß) dem selbstbewussten Tambourmajor (Linda Springmann) und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Das Publikum bleibt als erschütterter Zeuge zurück und stellt sich am Ende die gleichen Fragen wie die Schüler des Literaturkurses zu Beginn ihrer Arbeit mit dem Stück.

Das kurzweilige, facettenreiche und kreativ inszenierte Stück hat das Publikum begeistert, das die künstlerische Leistung der Mitwirkenden mit tosendem Applaus belohnt.

(red)
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