Heinsberg/Mayen: Leiche des 76-Jährigen aus Schafhausen gefunden

Heinsberg/Mayen: Leiche des 76-Jährigen aus Schafhausen gefunden

Seit Mittwoch hat Theo Eßer Gewissheit: Sein Vater, Heinrich Eßer aus Schafhausen, ist tot. Ein Spaziergänger mit Hund hatte die Leiche des 76-Jährigen am Dienstagabend in der Nähe der Ortschaft Lieg im Landkreis Cochem-Zell gefunden.

Hoffnung hatte Theo Eßer bis zuletzt. „Aber nach so langer Zeit... da muss man auch realistisch sein“, sagt er. Nein, da habe er nicht mehr damit gerechnet, seinen Vater noch einmal lebend wiederzusehen. Er hatte einen Herzschrittmacher, brauchte Medikamente, war schlecht zu Fuß und es begann nachts schon zu frieren.

700 Meter führt ein Weg von dem Dorf in den Wald hinein, dann geht es einen Hang hinunter. Dort befand sich die Leiche. Die Polizei vermutet seit rund acht Wochen. Wegen der einsetzenden Dämmerung und dem abschüssigen Gelände konnte sie erst am darauffolgenden Tag geborgen werden.

Am Donnerstag wurde die Leiche obduziert, es konnten keine äußerlichen Verletzungen festgestellt werden, die auf ein Fremdverschulden vor dem Tod hinweisen, teilte Hauptkommissar Paul Kreutz von der Kriminalinspektion in Mayen auf Anfrage dieser Zeitung mit. Handy, Schlüssel zum Hotelzimmer, Portemonnaie mit allen Papieren und Bargeld — nichts sei abhanden gekommen. Auch Brüche oder andere Verletzungen, die etwa auf einen Sturz hindeuten könnte, habe die Leiche nicht aufgewiesen. Kreutz vermutet, dass der Senior in dem Wald umhergeirrt war, bis er starb.

Seit Donnerstag, 20. September, wurde Heinrich Eßer vermisst. Eine Woche zuvor war er nach Ernst bei Cochem in den Urlaub gefahren, so wie er das schon früher oft getan hatte, als seine Frau noch lebte. Viele Bekanntschaften hatte er im Laufe der Jahre dort geschlossen. Zehn Tage wollte er bleiben, doch schon nach einer Woche verschwand er spurlos. Am Mittwoch, 19. September, wurde er zum letzten Mal gesehen. Das Handy konnte in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ab 0.34 Uhr nicht mehr geortet werden. „Der Funkmast deckt ein Riesengebiet ab, eine Ortung war unmöglich“, sagt Theo Eßer.

Die Kriminalinspektion Mayen leitete aufwendige Suchaktionen durch Polizei, Feuerwehr und Hundestaffel ein. Theo Eßer und seine Frau fuhren jeden Tag runter an die Mosel, fragten Bekannte des Vaters, suchten in den Wäldern, hängten Plakate mit dem Foto von Heinrich Eßer auf. Am Sonntag darauf wurde der dunkelrote Ford C-Max des 76-Jährigen in der Gemarkung Dommershausen, in der Nähe von Lütz und Cochem, gefunden. Rund 20 Kilometer Luftlinie von Ernst entfernt. Das Fahrzeug hatte sich offenbar im Erdreich festgefahren und war allem Anschein nach verschlossen von seinem Fahrer zurückgelassen worden. Die Suche blieb erfolglos.

Theo Eßer weitete seine Plakatierungen aus, bis nach Koblenz fuhr er, fragte an jeder Tankstelle nach. „Wir haben alles versucht“, sagt er. Vergebens. „Die Waldgebiete sind dort so groß, es ist schwer, etwas zu finden.“. Vor drei Wochen war er das letzte Mal unten. „Wir standen aber im regelmäßigen Kontakt mit der Polizei“, sagt Eßer. Die Zusammenarbeit habe hervorragend funktioniert, auch, als es um Beiträge lokaler Fernsehsender gegangen sei.

Vom Auto seines Vaters war eine Spur weggegangen, an einem Weg endete sie. „Vielleicht war er von dort aus mitgenommen worden“, mutmaßt Theo Eßer. Der Fundort der Leiche liegt rund drei Kilometer vom Fundort des Wagens entfernt, Theo Eßer glaubt nicht, dass sein Vater diese Strecke gelaufen sein könnte. Wegen der kaputten Hüfte. Von den körperlichen Gebrechen abgesehen halt Heinrich Eßer als gesund.

Er ist nach dem Bescheid über den Tod seines Vaters nicht runtergefahren, die Polizei hat ihm davon abgeraten.

(vm)
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