Landwirtschaft: Rasanter Wandel hin zum Digitalen

Landwirtschaftsabend : Rasanter Wandel hin zum Digitalen

Chancen der Digitalisierung in der Landwirtschaft: Effizientere Flächennutzung, automatische Dokumentation und ein besseres Bild in der Öffentlichkeit. Benjamin Schutte von Claas sprach darüber beim Landwirtschaftsabend von Kreisbauernschaft und Kreissparkasse.

Drohnen, Roboter und autonom fahrende Landmaschinen sind heute auf vielen Bauernhöfen längst zum Alltag geworden. Fast jeder zehnte Landwirt schaut sich seine Felder via Drohne aus der Luft an. Melkroboter sind in der Milchviehhaltung Standard. Und der Landwirt könne heute die Zeitung lesen, während der Traktor selbstständig auf dem Acker seine Bahnen zieht, so Bernhard Conzen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, die den dritten Landwirtschaftsabend zum Thema „Digitalisierung in der Landwirtschaft“ gemeinsam mit der Kreissparkasse Heinsberg organisiert hatte.

Dass es so weit gekommen ist, ist immer rasanter werdender technischer Innovation zu verdanken. Dr. Benjamin Schutte vom Landmaschinenhersteller Claas sprach über den „enormen Wandel“ in der Landwirtschaft. Vor 100 Jahren zogen die Landwirte noch mit Pferdegespannen über ihre Scholle, heute können sie die Ernte mit autonom fahrenden Mähdreschern einholen. Wenn der Landwirt die Fruchtart eingebe, optimiere sich die Maschine von selbst: „Die fährt dann den ganzen Tag lang wie ein richtig guter Fahrer“, sagte Schutte.

Die Mähdrescher können aus der Ferne gewartet werden und sammeln Daten, aus denen sich Nutzen ziehen lasse. Gerade weil die Landwirtschaft eine treibende Kraft in der Digitalisierung sei, müsse es das rasend schnelle 5G-Datennetz eben doch „an jeder Milchkanne“ geben, sagte Conzen in Erkelenz vor rund 130 Gästen. Denn ein schneller Datenaustausch sei für die immer digitaler werdende Landwirtschaft von großer Bedeutung.

Dr. Benjamin Schutte: „Es wird so sein, dass die neuen Techniken zu Effizienzsteigerungen führen.“. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Nun ist die Digitalisierung als solche aber kein Selbstzweck. Sie muss den Landwirten, die in die Technik investieren, auch einen Nutzen bringen. Dass der sich manchmal etwas später einstellt als gedacht, erklärte Schutte am Beispiel des „Precision Farming“, also der „Präzisionslandwirtschaft“: Dabei wird der Acker nicht als Ganzes gesehen, sondern man betrachtet seine verschiedenen Teilflächen, die unterschiedlich beschaffen sind.

Auf welchem Abschnitt gibt es viel Ertrag, auf welchem wenig? Aber bringen die daraus resultierenden Anpassungen bei der Verteilung des Düngers wirtschaftlich wirklich etwas? Das sei fraglich. Wenn aber im Zuge der Düngemittelverordnung über jedes Kilogramm Dünger diskutiert werde, das auf den Acker kommt, sei es wichtig, intelligent zu steuern, wo dieser Dünger ausgebracht wird.

Helfen könne die digitale Welt zum Beispiel bei der oft aufwendigen Dokumentation, über die mancher Landwirt die Lust an seinem Beruf verliere, sagte Schutte. Maschinen, die in der Lage sind, ohne Zutun des Landwirts zu fahren, müssten auch automatisch dokumentieren, was sie tun.

Bernhard Conzen: „Gerade wir brauchen 5G an jeder Milchkanne.“ Denn die Bauern seien digitale Vorreiter. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Auch das öffentliche Ansehen der Landwirte könne digital gefördert werden. Schuttes Vorschlag: Auf der Milchtüte soll ein Barcode aufgedruckt sein, den man mit dem Smartphone scannen kann: Dann solle der Verbraucher sehen, von welchem Hof und welcher Kuh seine Milch kommt. „Das ist eine Chance, Nähe zum Verbraucher zu schaffen“, sagte Schutte.

Was die Zukunft sonst noch bringt, könne man kaum vorhersagen. Zu schnell gehe die Entwicklung voran. „In fünf, zehn oder 15 Jahren werden Dinge passieren, die wir uns heute noch nicht vorstellen können“, sagte Schutte.

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