Kultur in der Bank in Lövenich mit Lydie Auvray

Kultur in der Bank mit Lydie Auvray : Marktplatz und Meeresstrand

Mit einem furiosen „Tango terrible“ beendete Lydie Auvray ihr Konzert im Rahmen der Reihe „Kultur in der Bank“, die die Raiffeisenbank Erkelenz in ihrer Hauptstelle in Lövenich veranstaltet.

Die Grand Dame des Akkordeons, wie die in Köln lebende Französin bezeichnet wird, hat das lange wenig beachtete Akkordeon wiederbelebt und in ihrer nunmehr bereits 42 Jahre andauernden Karriere bewiesen, dass das Instrument mehr ist als eine verpönte Quetschkommode. Das Akkordeon ist für die Musikerin, die weltweit auftritt, ein wahrhaftiges Chamäleon. Mit ihrer Musik versetzt sie die Zuhörer auf einen sonnenbeschienen Marktplatz in der französischen Provinz ebenso wie an einen Meeresstrand beim Monduntergang.

Er hätte nie gedacht, diese internationale gefragte Künstlerin für ein Konzert in Lövenich gewinnen zu können, so Thomas Brockers, der als Marketingchef der Raiffeisenbank Erkelenz die Idee hatte, die Bank für kulturelle Veranstaltungen zu öffnen. „Aber wenn mir einer vor zweieinhalb Jahren zu Beginn unser Reihe ‚Kultur in der Bank‘ gesagt hätte, welche hochklassigen Künstler bei uns auftreten werden, dem hätte ich nicht geglaubt.“ Inzwischen ist dieses Kulturprogramm zu einer Marke geworden, die weit über die Grenzen des Einzugsbereichs der Raiffeisenbank Erkelenz bekannt und beliebt ist. So wunderte es nicht, dass dieses Konzert binnen weniger Stunden ausverkauft war und Gäste sogar aus Köln und Düsseldorf angereist waren.

Lydie Auvray, die dem Akkordeon wieder zu weltweitem Glanz verhalf und die zuletzt noch in der ausverkauften Hamburger Philharmonie zu Gast war, bekannte, noch nie in einem so kleinen Rahmen wie in Lövenich gespielt zu haben; allenfalls vielleicht einmal ganz am Anfang ihrer Karriere im heimischen Calvados. Das sei für sie einmalig, aber beileibe kein Grund, nicht ihre Höchstleistung abzurufen.

Auf Wunsch ihres Vaters beschäftigte sie sich schon im Kindesalter mit dem Akkordeon, erzählte sie im humorvollen, leichten Plauderton mit permanenten Augenzwinkern, mit dem sie durch das gesamte zweistündige Konzert führte. Das „Klavier der armen Leute“ ist für die Musikerin ein Instrument, das laut und leise, heiter und melancholisch, beschwingt und bedächtig klingt, das die Menschen zum Lachen und Weinen, Singen und Tanzen bringen kann. Bei den 20 Stücken ihres Programms traten alle Facetten zu Tage. Auvray beherrscht alle Stimmungen und alle Stilrichtungen, fast alle Werke hat sie selbst komponiert, die Lieder singt sie in ihrer Muttersprache. „Auf Deutsch klingen sie einfach nicht“, hat sie festgestellt, obwohl sie perfekt die Sprache des Landes spricht, in dem sie wohnt.

Mit Ovationen verabschiedete das Publikum die Künstlerin.

„Kultur in der Bank“ wird am Mittwoch, 22. Mai, fortgesetzt. Dann liest um 19.30 Uhr im Versammlungsraum der Raiffeisenbank Erkelenz in Lövenich der Rettungssanitäter und Autor Jörg Nießen Geschichten aus seinem aktuellen Bestseller „Rettungsgasse ist kein Straßenname“. Eintrittskarten sind in allen Geschäftsstellen der Raiffeisenbank und in der Buchhandlung Viehausen in Erkelenz erhältlich.

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