Kultkino Roxy in Heinsberg sucht einen neuen Betreiber

Roxy Filmtheater : Kultkino in Heinsberg sucht einen neuen Betreiber

Auf Heinsbergs Haupteinkaufsmeile, der Hochstraße, herrscht nicht nur in diesen Tagen reges Treiben. Viele Besucher der Innenstadt schlendern an den bunten Schaufensterauslagen der Geschäfte vorbei. Den für ein Kino eher schmal und bescheiden wirkenden Eingangsbereich des Roxy Filmtheaters kann dabei manch einer leicht übersehen.

Doch das wäre schade, denn damit würde er auch ein Stück Heinsberger Geschichte übersehen. Das Roxy ist 1948 das erste nach dem zweiten Weltkrieg in Heinsberg neu erbaute Fimtheater und bis etwa 1956 auch das einzige. Am 4. September wird es nun seine Pforten schließen. Zum Glück wohl nur vorübergehend, denn Seniorchefin Hanni Brettschneider sucht schon eifrig nach einem neuen Pächter.

Nach sechs „spannenden, abwechslungsreichen und tollen Jahren“ wie es Christoph Kalinowsky beschreibt, werde sich die Betreibergesellschaft, der er gemeinsam mit Hanni Brettschneider vorsteht, zum Ende des Pachtvertrages auflösen. Die bald 80-jährige Hanni Brettschneider, der das komplette Kino samt Inventar gehört, wolle sich aus dem aktiven Geschäftsbetrieb zurückziehen, sagt Christoph Kalinowsky. „Das Kino läuft zwar immer noch gut. Filme wie König der Löwen oder Pets 2 ziehen das Publikum an. Aber für mich alleine ist das Geschäft unter den angebotenen Rahmenbedingungen zu unsicher. Ich hatte gehofft, das Kino einmal kaufen zu können, doch aufgrund der teuren Innenstadtlage war das nicht möglich.“

Dass er mit einer Träne im Auge in Heinsberg seine beruflichen Zelte abbrechen wird, glaubt man dem 41-Jährigen sofort. Denn für ihn ist Kino längst eine Herzensangelegenheit. Dabei sah es eine ganze Weile so aus, als entwickle sich sein Berufsleben in eine völlig andere Richtung. Der gebürtige Heinsberger, der seine ersten 19 Lebensjahre in der Kreisstadt verbrachte, absolvierte zunächst in Übach-Palenberg eine Ausbildung zum Schreiner. Im Jahr 2002 verschlug es ihn dann nach Aachen, wo er ein Lehramtsstudium für Berufsschulen in den Fachbereichen Bautechnik, Holztechnik und Deutsch aufnahm.

„Aber mein Nebenjob im Apollo-Kino in der Pontstraße in Aachen hat mich noch glücklicher gemacht“, erinnert sich der Filmenthusiast. Mit viel Leidenschaft und Energie machte er sein Hobby zum Beruf, ließ das Studium sausen und avancierte schnell zum technischen Leiter und später auch zum stellvertretenden Leiter des Kinos, dem er bis 2013 die Treue hielt.

Das Roxy Filmtheater an der Heinsberger Hochstraße besteht schon seit 1948. Foto: Rainer Herwartz

Als Kalinowsky schließlich das operative Geschäft des Roxy in Heinsberg übernahm, hatte das schon über Jahrzehnte eine bewegte Geschichte hinter sich, wie der Kinobetreiber eigens für unsere Zeitung recherchierte. Der Gründer Willi Fröhlich hatte das Kino 1960 an Anna-Elisabeth und Karl-Heinz Brettschneider verkauft, welche es wiederum in den Jahren 1971/72 an ihren im April dieses Jahres verstorbenen Sohn Manfred und seine Frau Hanni übergaben.

„Im Kinoadressbuch 1950/51 wird es erstmals erwähnt“, sagt Kalinowsky. „Erbaut als klassisches Ein-Saal-Filmtheater mit Bühne und 467 Sitzplätzen wurde es so in dieser Art bis 1998 betrieben.“ Die Sitzplatzanzahl sei im Laufe der Zeit zugunsten größerer Beinfreiheit und besserem Komfort auf etwa 330 Plätze reduziert worden. „1998 wurde das Roxy dann in drei Säle aufgeteilt. Die Bühne verschwand und es entstanden ein großer Saal mit etwa 150 Sitzplätzen und je zwei kleinere Säle mit jeweils etwa 70 Plätzen. Im Zuge dieses großen Umbaus wurde das Roxy in Cinema-Center umbenannt und in dieser Form bis Ende 2007 geführt.“ Ende 2007 sei es dann zur ersten Schließung des Kinos gekommen. „Und es dauerte fast anderthalb Jahre, bis sich im Mai 2009 jemand fand, der das Kino wieder eröffnete. Es wurden einige Renovierungen vorgenommen und das Roxy bekam seinen alten, angestammten Namen zurück.“

Leider sei das Kino dann Ende 2012 erneut geschlossen worden, sagt Kalinowsky. Für ihn letztlich jedoch ein Glücksfall, denn gemeinsam mit Hanni Brettschneider gründete er eine neue Betreibergesellschaft. „Es war schon ein Risiko dabei. Das Kino lief zuvor nicht gerade toll. Es war zu diesem Zeitpunkt schon einen Monat zu. Wir mussten die ersten Filme mit Vorkasse bezahlen und über 12.000 Euro für die großen Verleiher als Sicherheitsleistung hinterlegen.“

Doch nach einer Renovierung und der Installation moderner Projektionstechnik und neuer Tonprozessoren ging es rasch bergauf. „Die Heinsberger gehen gerne ins Kino. „2015 war für uns ein Spitzenjahr.“ Blockbuster wie Die Minions oder Jurassic World lockten das Publikum in Scharen an. „Bei 30 Grad saßen die Leute mit hundert Mann im Kinosaal.“ Rund 64.000 Kinobesucher wies die Jahresbilanz aus. Das letzte Jahr sei da mit 52.000 Besuchern eher durchwachsen gewesen.

Für Hanni Brettschneider ist das allerdings kein Grund zur Sorge. „Im Kinogeschäft geht es immer auf und ab. Es wurde schon oft tot gesagt und lebt immer noch. Man muss sich halt in guten Jahren ein Polster schaffen.“ Letztlich sei ja der Erfolg der Filme ein entscheidender Faktor, den der Kinobetreiber nicht beeinflussen könne. Die erfahrene Kinochefin ist zuversichtlich, dass es auch in Heinsberg weitergeht. „Ich habe schon ein paar Bewerber im Auge. Wir werden auch wieder renovieren und einiges neu machen.“

Und wie sieht Christoph Kalinowsky in die Zukunft? „Ich werde mich mal umhören, ob es in der Kinobranche etwas für mich gibt. Mal sehen, wohin es mich verschlägt.“