Kultfigur der 70er: "Ekel Alfred" auf der Bühne in Oberbruch

Kultfigur auf der Bühne : „Ekel Alfred" großartig wiederbelebt

Mit „Neues von Ekel Alfred“ gastierte das Kleine Theater Bad Godesberg in der Festhalle in Oberbruch. In zwei Einaktern standen die Kultfigur der 1970er Jahre, Alfred Tetzlaff, und seine Familienmitglieder, Ehefrau Else, Tochter Rita und Schwiegersohn Michael, im Mittelpunkt der Theateraufführung der Kulturgemeinde Heinsberg.

Unter dem Titel „Ein Herz und eine Seele“ entstand Anfang der 1973 eine Fernsehserie, in der Autor und Regisseur Wolfgang Menge im Format einer Sitcom das kleinbürgerlich-konservative Weltbild im Widerstreit mit dem Lebensgefühl der 1968er-Jugend aufeinanderprallen ließ. In 25 Folgen zeichnete Menge das Leben einer Familie nach, in denen die gesellschaftlichen und politischen Ereignisse der 1970er Jahre einbezogen wurden. Alfred Tetzlaffs Vorurteile gegen den politischen Gegner und seinen Schwiegersohn spiegelten den Typus Mann wider, der seine Minderwertigkeitsgefühle mit rechtsnationalem Denken, der Diskriminierung der Frauen und Ausländerfeindlichkeit überdeckte.

In den beiden Einaktern „Das Hähnchen“ sowie „Tapetenwechsel“ ließ das Bonner Ensemble das Leben vor über 45 Jahren in der damaligen Bundesrepublik inklusive der derb-zotigen Sprache des Ekel Alfred wieder lebendig werden. Josef Hofmann verkörperte überzeugend den sich selbst überschätzenden Spießbürger, Hypochonder und Nörgler Alfred. Herrlich überzeichnet die Szene, in der Alfred das Wohnzimmer ausmisst, das er angeblich tapezieren wollte. Ursula Michelis spielte die naive und aufopfernde Else Tetzlaff ebenso eindringlich. Stark waren ihre Szenen, in denen ein Ansatz von Emanzipation sich gegenüber Alfred zeigte. Und mit dem Dialog über die Bedeutung von Aktien gelang ebenso überzeugend die Darstellung der naiven Seite dieser Figur.

Leonie Houber als Tochter Rita und Nikolaus Graf als Schwiegersohn Michael waren mehr als nur die Katalysatoren für das Aufdecken von Alfreds wahren Absichten und Denkweisen. In den Dialogen mit der Tochter Rita wurde Vater Alfred als Pascha demaskiert. Und in den Dialogen mit seinem Schwiegersohn Michael zeigte sich Alfreds Wissen von den historischen und gesellschaftlichen Ereignissen eher als verqueres Halbwissen.

Dass auch in der Bühnenfassung Alfreds derbe Sprache Bestandteil der Figur war, war zu erwarten. Von der „dusseligen Kuh“ über „Schlampe“ bis zum „Sozi“ als Vaterlandsverräter fehlte am bekannten Vokabular nichts. Davon machte Alfred auch in der Öffentlichkeit Gebrauch, wie in der Szene am öffentlichen Telefon auf der Straße mit Leonie Gareis in der Rolle des leichten Mädchens und mit Lutz Arkenberg in der Rolle des Bruno Fechners nachvollziehbar war, dem Alfred „die Fresse polieren“ wollte.

Was in der Fernsehserie gelang, konnte auch aktuell für die Leistung des Ensembles auf der Bühne in Anspruch genommen werden: Mit der Mischung aus Satire und Anregung zum Nachdenken gelang beste Unterhaltung.

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