Kreisverband Heinsberg der Arbeiterwohlfahrt begeht großen Festakt

Kreisverband Heinsberg : AWO feiert 100 Jahre Menschlichkeit

Zahlreiche Wegbegleiter der AWO im Kreis Heinsberg haben mit der Arbeiterwohlfahrt deren 100-jähriges Bestehen in der ehemaligen Lohnhalle der Zeche Carolus Magnus in Übach-Palenberg gefeiert.

„Lasst uns weitermachen, im Sinne unserer Gründerin, uns für die Umsetzung unserer Werte wie Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit aktiv einzusetzen“, forderte Bernd Reibel, Vorsitzender des AWO-Kreisverbands Heinsberg, im Rahmen seiner Festansprache zum Jubiläumsempfang „100 Jahre Arbeiterwohlfahrt“ auf.

Für diesen Empfang hatte der AWO-Kreisverband Heinsberg einen geschichtsträchtigen Veranstaltungsort gewählt: die ehemalige Lohnhalle der Zeche Carolus Magnus im heutigen Carolus Magnus Centrum in Übach-Palenberg.

Gleich im Anschluss an den Empfang wurde unter dem Motto „Wir feiern mit Freunden“ das Betriebsfest mit den Mitarbeitern im Carolus Magnus Centrum gefeiert. Zum Jubiläumsempfang begrüßte zunächst  Jürgen Wagner, Geschäftsführer des AWO-Kreisverbands, die  geladenen Gäste – unter ihnen die Vorsitzende des Präsidiums des AWO-Bezirksverbands Mittelrhein, Beate Ruland, den Bundestagsabgeordneten Wilfried Oellers, die Sozialdezernentin des Kreises Heinsberg, Daniela Ritzerfeld, und den Bürgermeister der Stadt Übach-Palenberg, Wolfgang Jungnitsch, sowie zahlreiche Wegbegleiter der AWO im Kreis Heinsberg.

Andreas Wagner, Beate Ruland und Bernd Reibel (v.l.n.r.) empfingen im Namen der Arbeiterwohlfahrt die Gäste beim Jubiläumsempfang „100 Jahre Arbeiterwohlfahrt“ im Carlos Magnus Centrum Übach-Palenberg. Foto: Dettmar Fischer

In seiner Festansprache erinnerte der Vorsitzende der AWO im Kreis Heinsberg, Bernd Reibel, an Marie Juchacz, die vor 100 Jahren die Arbeiterwohlfahrt in Deutschland gründete und als allererste Frau eine Rede vor dem Deutschen Parlament gehalten hatte. Mit der für die damalige Zeit ungewöhnlichen Anrede „Meine Herren und Damen“ habe die damals 40-Jährige ihre Rede begonnen. Was er besonders an Marie Juchacz schätze, so Reibel, sei der Mut und die Ausdauer, mit der sie sich für ihre Ideen eingesetzt habe.

Auch im Kreisverband Heinsberg seien in den letzten Jahrzehnten viele Ideen entstanden, die nur durch das Zutun der Mitarbeiter hätten umgesetzt werden können. Beispielsweise würde es die ganzen An- und Neubauten von Kindergärten ohne dieses Engagement nicht geben. Reibel: „Wir waren ganz vorne mit dabei, als der Ausbau für die Betreuung für Kinder unter drei Jahren begann. Uns ist es gelungen, fast alle Einrichtungen als Familienzentren zertifizieren zu lassen.“

Die Integrationsprogramme des mobilen, sozialen Dienstes seien großzügig ausgebaut worden. Als weitere erfolgreiche Projekte der AWO im Kreis Heinsberg nannte Bernd Reibel unter anderem das Altenzentrum in Heinsberg, das Carolus Seniorenzentrum in Übach-Palenberg, die Tagespflege in Heinsberg und die AWO-Service mit den Beschäftigungs- und Förderprogrammen. Reibel: „Wir sind deshalb hier im Kreisverband Heinsberg circa 90 Jahre erfolgreich, weil wir erhalten, vorleben und weitervermitteln. Glauben Sie mir, wir haben genügend Motivation und Kraft, genau wie unsere Gründerin Marie, Neues zu wagen.“

Zukunft im Blick

Das Jubiläumsmotto „Wir machen weiter“ sei deshalb eine ganz klare Ankündigung für das, was die AWO auch zukünftig auf die Beine stellen wolle. Reibel: „Wir bieten traditionelle Verbundenheit und eine Lobby für die Schwächeren in unserer Gesellschaft. Wir verfügen über eine hohe Fachlichkeit an über 26 Standorten im Kreis Heinsberg und sind somit ein verlässlicher Dienstleister.“

Beate Ruland, Vorsitzende des Präsidiums des AWO-Bezirksverbands Mittelrhein, zitierte in ihrer Ansprache die AWO-Gründerin Marie Juchacz, die die Motive ihres Wirkens 1927 so zusammen gefasst hatte: „Der Gedanke der Solidarität, der alle Zweige der Arbeiterbewegung so wundervoll belebt, ist auch die Triebfeder unseres gemeinsamen Handelns zum Wohle hilfsbedürftiger Menschen. Der Starke soll mit eintreten für den Schwachen zum Wohle des Ganzen.“ Die Forderungen, mit denen Marie Juchacz das Selbstverständnis und den Anspruch der AWO geprägt habe, seien die Gleichberechtigung von Frauen und Männern, die Vielfalt, Teilhabe statt Almosen, ein menschenwürdiges Leben für alle sowie Gerechtigkeit und Solidarität. Dies seien auch heute noch die Kernthemen der Arbeit der Arbeiterwohlfahrt, stellte Beate Ruland fest. Auch wenn der AWO-Kreisverband Heinsberg erst 1972 gegründet worden sei, so Ruland, gebe es die Arbeiterwohlfahrt in der Region aber schon weit länger, denn schon 1922 habe Maria Müller die AWO Boscheln gegründet. Als Vorsitzende des Präsidiums des AWO-Bezirksverbands Mittelrhein dankte Beate Ruland „den vielen großartigen Menschen am Mittelrhein für ihr leidenschaftliches Engagement für die Menschen unserer Region.“ Ruland: „An vorderster Stelle möchte ich hier Josef Krawanja, Monika Rother, Kurt Sybertz und Bernd Reibel nennen, meinen geschätzten Kollegen im Präsidium der AWO Mittelrhein. Aber natürlich auch alle, die sich hauptamtlich so wunderbar für die AWO engagieren, an erster Stelle natürlich Andreas Wagner.“

Die Sozialdezernentin des Kreises Heinsberg, Daniela Ritzerfeld, überbrachte im Namen des verhinderten Landrates Stephan Pusch das Grußwort zum Jubiläum. Sie betonte, der Kreis habe die AWO als verlässlichen und guten Partner kennengelernt, und es sei gut für den Kreis Heinsberg und die Menschen, die hier leben, dass es die AWO und ihre Einrichtungen gebe. Übach-Palenbergs Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch fand ebenfalls lobende Worte für das Engagement der AWO: „Seit vielen Jahren ist die AWO hier in Übach-Palenberg präsent, sie ist da, wo Beratung und Unterstützung gebraucht wird; sie wird aktiv, damit die Menschen ihr Leben besser meistern oder wieder in die eigenen Hände nehmen können.“ Die AWO zeige, so Jungnitsch, dass Solidarität nach wie vor ein hohes Gut sei. Gleichzeitig fördere sie Gemeinsinn und trage zum Zusammenhalt der Gesellschaft bei.

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