Personal abgezogen: Kreissparkasse Heinsberg verkleinert Filialnetz um 13 Standorte

Personal abgezogen : Kreissparkasse Heinsberg verkleinert Filialnetz um 13 Standorte

Da kommt noch was, ahnte man bei der Bilanz-Pressekonferenz der Kreissparkasse Heinsberg in der KSK-Hauptstelle in Erkelenz. Zwar meldete Sparkassenchef Thomas Giessing ein erfolgreiches Geschäftsjahr mit einem zufriedenstellenden Ergebnis, doch sprach er auch von schwierigen Rahmenbedingungen, mit denen die KSK konfrontiert wurde.

Auch, dass das in den Vorjahren üppige Zahlenwerk in diesem Jahr reduziert präsentiert wurde, war den anwesenden Journalisten Indiz dafür, dass es noch etwas anderes als Zahlen mitzuteilen gäbe. Als die große Nachricht dieses Tages dann gegen Ende kam, waren die Anwesenden nicht verwundert: 13 der bislang 39 Filialen im Kreis, in denen derzeit noch Mitarbeiter die Kunden empfangen, werden zum ersten April geschlossen. Immerhin: „Es hat keine betrieblichen Kündigungen gegeben.“ Die Mitarbeiter, die von den Schließungen betroffen sind, würden auf Nachbarfilialen verteilt, beteuerte Giessing. Zudem, so versuchte er zu entschärfen, seien einige der Filialen bereits nur noch temporär, an anderthalb Tagen pro Woche, geöffnet gewesen.

Ein alternatives Angebot liefert die Kreissparkasse dem klassischen, in der Regel älteren Filialkunden, mit der „Rollenden Filiale“. Ab Mai wird in den Orten, in denen Filialen geschlossen werden, mindesten einmal wöchentlich ein roter Sparkassen-Truck mit Mitarbeitern unterwegs sein. „Damit bieten wir den Kunden die Möglichkeit, alle Serviceleistungen, die sie sonst aus der Filiale gewohnt waren, weiterhin vor Ort abzurufen“, so Giessing.
In die bestehenden Geschäftsstellen, so betonte Giessing, habe und werde man weiter investieren – in räumliches Ambiente und technische Ausstattung. Gerade erst würde die Filiale in Oberbruch umgebaut, im Sommer soll neueröffnet werden.

Die Schließungen der Filialen sind das, was hängenbleibt von diesem Vormittag, untermauert von Giessings Aussage, dass auch die Kreissparkasse künftig unter Druck geraten könnte: „Sollte sich die Konjunktur abschwächen und somit auch die Unternehmen im Kreis Heinsberg belasten, kann unser Jahresergebnis trotz der funktionierenden Verfahren unter Druck geraten.“

Denn die anhaltende Niedrigzinsphase belaste zunehmend die Ertragslage der Sparkasse. Dennoch, das darf nicht vergessen werden, wurde von der KSK ein gutes Jahresergebnis erzielt. Im Anlagegeschäft konnte Richard Nouvertné, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, Wachstum melden. Im Jahr 2018 wurde ein Plus von 135 Millionen Euro auf 2,5 Milliarden Euro verbucht. Auch die Zahl der Girokonten ist im vergangenen Jahr um 1.650 gestiegen, so dass nun 108.200 Menschen im Kreis eines bei der Sparkasse besitzen.

Truck statt Filiale: Sparkassen-Chef Thomas Giessing und sein Kollege Richard Nouvertné setzen für die Zukunft auf eine rollende Filiale. Foto: Nicola Gottfroh

Auch im Kreditgeschäft berichtete Nouvertné von starkem Wachstum. Mit einem Plus von rund 55 Millionen Euro bei den Krediten an Kunden stieg der Bestand auf über 2,7 Milliarden Euro. Über 470 Millionen Euro konnte die Sparkasse im vergangenen Jahr an Darlehen zusagen – ein Wachstum in Höhe von 10,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Fast 250 Millionen Euro wurden davon für den Wohnungsbau verwendet.

Mit einer Bilanzsumme von 3,6 Milliarden Euro erzielte das Geld­institut wieder ein sehr gutes Jahresergebnis, bei dem – nach Zustimmung der Gremien – ein Überschuss nach Steuern in Höhe von rund zehn Millionen Euro erwartet wird. Trotz der erschwerten Rahmenbedingungen könne man stolz sein, so Giessing, erneut eine Ausschüttung in Höhe von 800.000 Euro für den Kreis Heinsberg und 200.000 Euro für die Stadt Erkelenz vornehmen zu können. „Die stabile Konjunktur im Kreis Heinsberg und das daraus resultierende gute Ergebnis bei der Risikobewertung im Kreditgeschäft konnten größere Belastungen des Ergebnisses durch den weiter gesunkenen Zinsüberschuss verhindern.“

Thema der Stunde bleibt für die Sparkasse der Bereich Digitalisierung und damit das veränderte Kundenverhalten. „Mit den Filialschließungen, dem Online-Banking und Service-Center reagiert die Kreissparkasse auf das veränderte Kundenverhalten“, erklärte der Sparkassen-Chef Thomas Giessing.

Ein Kunde komme im Schnitt nur noch einmal im Jahr in die Filiale. 60 Prozent der Kunden wickelten das Gros der Bankgeschäfte inzwischen online ab. „Mit der veränderten Filialstruktur bündeln wir die Beratungs- und Serviceleistungen in den größeren Filialen“, erklärte Giessing.

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