Kreis Heinsberg: Traktor-Fans sind eine große Familie

Lanz-Bulldog-Verein West : Traktor-Fans sind eine große Familie

Am Ende war es ein gemischtes Fazit, das die Verantwortlichen vom Lanz-Bulldog-Verein West ziehen mussten. Und das lag vor allem am Wetter. Am Samstag konnten die Liebhaber der historischen Fahrzeuge beim Erntefest am Kühlerhof noch Baumstämme ziehen und Grubbern – so dass ihre alten Schätzchen noch einmal so richtig auf Touren kamen.

Am Sonntag fiel die Veranstaltung dagegen vollends ins Wasser. Am Vormittag hatte starker Regen den Boden des Veranstaltungsgeländes völlig aufgeweicht, sodass auch das am Nachmittag wieder freundlichere Wetter bei all dem Schlamm nur ein schwacher Trost für die engagierten Vereinsmitglieder war.

Schriftführer Dieter Randerath berichtete, dass die Teilnehmer aus dem Kreis Heinsberg, aus dem Ruhrgebiet, aus Karlsruhe und sogar aus Flensburg angereist waren. Insgesamt waren rund 300 Traktoren in Doveren zu sehen. Die Rückmeldungen der Teilnehmer seien stets positiv, weil der Verein sie immer freundlich empfängt und bei all den kleinen Problemchen, die an so einem Wochenende auftreten können, Hilfsbereitschaft zeigt. „Die Leute kommen einfach gern“, sagte Randerath.

Das liege auch an der familiären Atmosphäre: „Bei dem Kulturgut, das wir hier leben, ist es wie in einer Familie. Der Zusammenhalt ist groß“, sagte Frank Bongartz, erster Vorsitzender des Lanz-Bulldog-Vereins West. Die Halter der historischen Fahrzeuge, die Mechaniker, die Besitzer eines teuren Schleppers und die mit den kleinen günstigeren Varianten seien bei einem solchen Treffen alle gleich. „Da hält sich keiner für was Besseres, weil er einen großen Schlepper hat“, sagte Bongartz, der selber übrigens gar keinen Lanz Bulldog fährt.

Große Schau mit kleinen Modellen: Holger Cordewener zeigte seine Traktor-Modelle in einer Halle am Kühlerhof. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Seine Liebe zu historischen Traktoren entstand schon mit 14 Jahren. „Kann der Jung mal mitfahren?“, fragten seine Eltern damals einen Bekannten, der auch einen Traktor hatte. Natürlich durfte er. Etwas später kaufte Bongartz seinen ersten Traktor, das war vor 23 Jahren. Heute hat er zwei Fahrzeuge der Marke Deutz, die er mit den Jahren in- und auswendig kennengelernt hat. Vieles macht er selber, für anderes wendet er sich dann doch an fachlich versierte Landmaschinen-Mechaniker.

Während Bongartz das am Sonntagnachmittag erzählte, hatte der Regen zwar etwas nachgelassen. Aber rund um das Gelände floss der Verkehr phasenweise – wenn überhaupt – nur noch chaotisch. Kaum ein Pkw-Fahrer kam aus eigener Kraft vom matschigen Parkplatz herunter. Bei durchdrehenden Reifen halfen nur noch Abschleppseil und ein Traktor, der dank der großprofiligen Reifen seine Pferdestärken noch auf den Boden brachte.

Das sieht man nicht alle Tage: Beim Erntefest des Lanz-Bulldog-Vereins West gab es auch außergewöhnliche Fahrzeuge zu sehen. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Gut geschützt gegen den Regen hatte Holger Cordewener in einer Halle am Kühlerhof ein großes Treffen mit Modellen von Traktoren aufgebaut. Die rund 700 Modelle stellten historische Traktoren und Youngtimer, die bis zum Jahr 2000 gebaut wurden, dar. Dazwischen hatte er Wiesen und Felder platziert, wo zum Beispiel die Kartoffelernte in früherer und heutiger Zeit dargestellt wurde. Das fand viele Bewunderer.

Cordewener hatte dafür eine Menge Zeit investiert: Am Computer hatte er genau durchgeplant, wie er die Modelle aufbaut. „Dabei gibt es keine fertigen Teile wie bei einer Eisenbahn, man muss alles selber zusammenbauen“, sagte Cordewener. 20 Stunden lang baute er seine riesiges Modell-Traktor-Treffen auf. Weitere zehn Stunden steckte er in den Aufbau einer Ausstellung von Modellen neuer Landmaschinen.

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