Konzept für die Entwicklung der Erkelenzer Innenstadt auf Zielgeraden

Konzept für die Innenstadt : Meinungen gehen weit auseinander

Das Bürgerforum arbeitet am Konzept für die Entwicklung der Erkelenzer Innenstadt. Die Umsetzung der Ideen und Visionen dauert aber noch. Erst einmal geht es um Fördergelder.

Das integrierte Handlungskonzept für die Innenstadt wurde in den vergangenen Monaten intensiv und unter großer Bürgerbeteiligung diskutiert. Nun befindet man sich auf der Zielgeraden, bevor im Rat am 25. September ein Beschluss gefasst werden kann. Dieser ist vor allem nötig, um entsprechende Fördergelder zu beantragen. Dies erklärte der Technische Beigeordnete der Stadt Erkelenz, Ansgar Lurweg, beim Bürgerforum im Foyer der Stadthalle, auf dem noch einmal die Handlungsfelder vorgestellt wurden, die sich bei der Analyse vor Ort herauskristallisiert hatten.

Bernd Niedermeier und Anna Ruppert vom beauftragten Aachener Planungsbüro MWM erläuterten noch einmal die einzelnen Schritte des interaktiven Verfahrens, an dem viele Erkelenzer in den Werkstätten, Begehungen oder online teilgenommen hatten. Die daraus abgeleiteten Empfehlungen bezeichnete Niedermeier als „Richtschnur für die zukünftige Planung“, denn in trockenen Tüchern sind die Ideen noch lange nicht. Sie umfassen neben Verkehr und Mobilität auch eine städtebauliche Aufwertung, die Nutzung des öffentlichen Raums, eine Belebung der Innenstadt und den Bereich Wohnen und Leben.

Es hatte sich herausgestellt, dass die Bürger Wert legen auf Mobilität, die Parkmöglichkeiten und die Erreichbarkeit in der Innenstadt. Dabei gehen die Meinungen durchaus weit auseinander, wie die anschließende Diskussion zeigte. Die einen möchten mehr Aufenthaltsqualität und Sicherheit für Fußgänger und Fahrradfahrer, die anderen fürchten um den Parkraum in der Innenstadt. Die Erreichbarkeit in der Innenstadt sollte bei einer gleichzeitigen Reduzierung des motorisierten Verkehrs ausgebaut werden. Als Beispiel nannte Niedermeier den sogenannten Parksuchverkehr am Markt oder die Situation am Kölner Tor, die durch eine neue Wegeführung entschärft werden könnte. Die von ihm vorgeschlagene Lösung mit neuen Einbahnstraßen stieß bei einigen Zuhörern auf wenig Gegenliebe, da sie befürchteten, dass Besucher der Stadt sich nicht mehr zurecht finden und von weiteren Besuchen absehen würden.

Keine Richtschnur, sondern reine Vision: So könnte der Ziehelweiher einmal aussehen. Foto: mwm

Eine Sperrung des Marktes für Autos und die damit verbundenen neuen Möglichkeiten einer Nutzung als Begegnungsraum rief vor allem die Einzelhändler auf den Plan. Der Vorsitzende des Gewerberings, Hans Kühle, warnte davor, diese „Lebensader“ abzutrennen, da dies einen „Todesstoß“ für den Handel in der Innenstadt bedeuten würde. Auch ältere und gehbehinderte Kirchenbesucher hätten das Nachsehen, wenn sie nicht mehr bis vor den Eingang von St. Lambertus gebracht werden könnten. Die Parkplätze an der Burg oder Westpromenade, die Niedemeier als ausrechend und fußnah erreichbar bezeichnete, seien keine Alternative für die notwendigen Parkmöglichkeiten am auf dem Markt.

Kritisiert wurde auch, dass der Eindruck erweckt werden sollte, es gehe um gemütliches Bummeln in der Stadt. Man könne die Stadt nicht auf die sommerliche Freizeitnutzung herunterbrechen, lautete ein Kritikpunkt. Den Markt auf seine gastronomische Nutzbarkeit zu reduzieren sei kurzsichtig.

Keine Richtschnur, sondern reine Vision: So könnte der Johannismarkt einmal aussehen. Foto: mwm

Auch der Franziskanerplatz sollte nach Vorstellung der Stadtplaner ein neues Gesicht und neue Nutzungsmöglichkeiten bekommen, der Bahnhofsvorplatz sollte deutliche grüne Akzente erhalten, um auch dort eine verbesserte Aufenthaltsqualität zu schaffen.

Andere Teilnehmer des Forums kritisierten, dass in Erkelenz der Fokus zu stark auf dem Auto als Verkehrsmittel liege und plädierten für eine deutliche Reduzierung des Autoverkehrs in der Innenstadt. Andere Kommunen hätten vorgemacht, dass dies funktioniere und zu einer deutlichen Belebung der Städte geführt habe.

Keine Richtschnur, sondern reine Vision: So könnte der Markt einmal aussehen. Foto: mwm

Abschließend betonte Bürgermeister Peter Jansen, dass die einzelnen Projekte noch nicht im Detail festgelegt seien und man Kompromisse suchen müsse. Die anstehenden Prozesse der Umsetzung in den kommenden Jahren würden ebenfalls mit öffentlicher Beteiligung durchgeführt. Zuvor hatten Niedemeier und Ruppert mehrmals darauf hingewiesen, dass die Umsetzungsbeispiele für den Markt, den Ziegelweiher, den Franziskanerplatz und andere Orte in der Stadt ebenso wie die Überlegungen zum Verkehr am Kölner Tor zuerst einmal reine Beispiele seien. Hier werde der Austausch mit den einzelnen Akteuren wie dem Gewerbering gesucht. Darüber hinaus stünden die Ergebnisse der Verkehrsstudie in der Innenstadt noch aus und seien noch nicht in die Präsentation eingeflossen.

Der Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung beschäftigt sich am kommenden Dienstag, 17. September, ab 18 Uhr mit dem Thema. Es folgen der Hauptausschuss zwei Tage später und schließlich am 25. September der Rat, der einen entsprechenden Beschluss für das Integrierte Handlungskonzept (InHK) fassen soll. Die einzelnen Projekte werden dann in den kommenden zehn Jahren konkretisiert und umgesetzt.