Konjunkturumfrage der Handwerkskammer: Unternehmen im Kreis zufrieden

Frühjahrskonjunkturumfrage : Nachwuchskräfte dringend gesucht

„Man muss mutig sein, das zeichnet das Handwerk aus“, sagte der Juniorchef von Wurstspezilitäten Esser, Max Esser, bei der Vorstellung der Frühjahrskonjunturumfrage der Handwerkskammer Aachen. Seniorchef Karl-Heinz Esser hat ebenfalls eine klare Vorstellung von einem Handwerksbetrieb.

„Wenn ich in einem Handwerksbetrieb eine Ausbildung beginne, muss der Betrieb auch eine berufliche Zukunft bieten.“

Die Handwerkskammer Aachen besucht regelmäßig im Frühjahr zur Vorstellung der Konjunkturumfrage einen anderen Betrieb im Kreis Heinsberg. In diesem Jahr war der Firmensitz von Wurstspezialitäten Esser an der Hauptstraße in Lövenich der Ort zur Verkündigung der frohen Botschaft. Der Familienbetrieb hat sich über die Region hinaus einen Namen gemacht und scheint die Einbindung der nächsten Generation in das Unternehmen bestens hinzukriegen. Also genau der richtige Ort, um die Spitzenergebnisse der Frühjahrskonjunkturumfrage 2019 zu verkünden.

Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen: „Das Winterhalbjahr ist wegen des milden Wetters und guten binnenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen in allen Regionen des Kammerbezirks Aachen sehr gut gelaufen. An der Spitze steht mit 97 Prozent positiver Nennungen das Handwerk im Kreis Heinsberg.“ Mit 57 Prozent bewertet im Kreis Heinsberg ein sehr hoher Anteil der Handwerksunternehmen seine Geschäftsentwicklung in den vergangenen sechs Monaten mit „gut“, 40 Prozent mit „befriedigend“. Für lediglich 3 Prozent der befragten Unternehmen im Kreis Heinsberg verlief das vorangegangene halbe Jahr „schlecht“.

Im gesamten Kammerbezirk Aachen hatten 92 Prozent der Befragten eine „gute“ oder „befriedigende“ Geschäftslage gegenüber dem Vorhalbjahr festgestellt. Die Einschätzungen der Heinsberger Handwerker für das kommende Sommerhalbjahr decken sich mit dem Kammerdurchschnitt. 93 Prozent rechnen mit einer besseren oder gleich bleibenden Geschäftslage. 26 Prozent der Heinsberger Handwerksunternehmen verzeichneten steigende Erträge, bei 55 Prozent blieben sie gleich.

Für die Frühlings- und Sommermonate rechnen 36 Prozent mit höheren und 52 Prozent mit gleich bleibenden Umsätzen. Nachdem es im vergangenen Sommerhalbjahr im Heinsberger Handwerk sehr gut lief und daher die Beschäftigungssituation überdurchschnittlich gut war, hat sie sich in den vergangenen sechs Monaten leicht verschlechtert und an den Durchschnitt angepasst. 85 Prozent der Heinsberger Betriebe haben in den vergangenen sechs Monaten Fachkräfte eingestellt oder ihre Beschäftigtenzahl beibehalten; 15 Prozent trennten sich von Mitarbeitern. Aufgrund der guten Auftragslage wollen die Heinsberger Handwerksunternehmer ihre Personalstärken im nächsten Halbjahr in hohem Maße beibehalten (78 Prozent) oder mehr Fachkräfte beschäftigen (15 Prozent). In den Handwerksbetrieben im Kreis Heinsberg waren zum 31. Dezember 2018 insgesamt 1371 Lehrlinge unter Vertrag. Das waren 0,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Zuwachs im Kammerdurchschnitt lag mit 0,1 Prozent darunter.

Bei den neu abgeschlossenen Lehrverträgen gab es im Kreis Heinsberg ein Minus von 2,9 Prozent und im Kammerdurchschnitt einen Rückgang um 1,9 Prozent. Bei den Betriebszahlen zeigt sich im Kreis Heinsberg im Vergleich zum Kammerbezirk ein gegenläufiger Trend. Um zehn Betriebe (+0,29 Prozent) stieg die Zahl auf 3489. Im gesamten Kammerbezirk ging die Zahl um 34 und somit um 0,20 Prozent zurück.

Sicher ist, dass die Handwerksunternehmen dringend Nachwuchskräfte benötigen, jedoch nicht mehr ausreichend Lehrlinge finden. „Es gibt weniger Bewerber als offene Stellen“, hat Max Esser feststellen müssen. Peter Deckers verwies auf die Imagekampagne des Handwerks und die erfolgreiche Aktion Ausbildungsbotschafter. Auszubildende gehen in die Schulen und stellen ihren Beruf den Altersgenossen vor. Max Esser: „Im Handwerk ist eine Karriere mit hoher Geschwindigkeit möglich.“

Er selbst hatte den Meistertitel ohne Gesellenbrief erworben. Sein Unternehmen räumt die Möglichkeit ein, nach einer abgeschlossenen Ausbildung, ein Duales Studium zu absolvieren. Dies sind Chancen im Handwerk, die es eine Generation vorher so nicht gab. Karl-Heinz Esser hat im Ausland festgestellt, dass der deutsche Meistertitel dort eine höhere Wertschätzung erfährt als in Deutschland. Diese Wertschätzung und die Liebe zum Beruf sind ihm bis heute wichtig und, fügt er hinzu, „meine Mitarbeiter, die machen schließlich die Wurst, nicht wir.“

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