Erkelenz-Borschemich (alt): Klimacamp und Co2- Thematik: Ein totes Dorf wird zum Leben erweckt

Erkelenz-Borschemich (alt) : Klimacamp und Co2- Thematik: Ein totes Dorf wird zum Leben erweckt

Ortstermin in einem fast verlassenen Ort. Schilder warnen vor Straßenschäden, die Glocken der entwidmeten Kirche läuten. Auf der Straße vor Haus Palland wird gefeiert und getanzt. Straßenfest auf dem Sterbebett.

Die Teilnehmer des Klimacamps im Laheypark wollen auf die Probleme aufmerksam machen, die die Energiegewinnung durch Kohle mit sich bringt. Das Camp ist aber auch Anlaufstelle für andere Aktivisten, die das Thema auf der Agenda haben. So war am Mittwoch das Klimacamp auch Station der Tour de Natur, einer Initiative des Oldenburger Gastprofessors Niko Paech, für die man schon fit sein sollte. 14 Tage lang radeln die Teilnehmer der Klimatour durch NRW und machen an 14 Stationen auf ihr Anliegen aufmerksam.

In Erkelenz stand neben den vom Tagebau bedrohten Orten auch der Rand des Tagebaulochs auf dem Programm. Anschließend ging es nach Borschemich, wo man am Haus Palland mit den Campteilnehmern ein alternatives Straßenfest feierte.

Dabei ging es vor allem darum, noch einmal Leben in den fast verlassenen Ort zu holen und gleichzeitig auf die CO2-Thematik aufmerksam zu machen, wie Stefan Förster von der BUND-Jugend NRW erklärte. Die Jugendorganisation des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) ist einer der Organisatoren des diesjährigen Klimacamps.

Rund 500 Klimaaktivisten waren gekommen und drängten sich um die Infostände und das niederländische Musiktrio, das mit Klarinette und Besenstielbass aufspielt.

Wieder Trubel

Wilfried Lörkens, einer der letzten Bewohner Borschemichs und derzeit in Verhandlungen mit RWE Power, freute sich darüber, dass vor seinem Haus Palland wieder Leben herrschte und gesellte sich auf ein Schwätzchen zu den Klimaaktivisten. „Endlich ist mal wieder Leben im Dorf“, sagte er. „Den Kampf gegend den Kohleabbau unterstütze ich nur gerne.“ Ein paar Schritte weiter in der Gärtnerei Meier hatten Aktivisten eine Ausstellung über den Landraub und die Ausbeutung durch den Kohleabbau in Südafrika aufgebaut. „Die Umweltzerstörung durch Kohle ist weltweit ein Thema“, weiß Förster. „Unser Hunger nach Energie zerstört die Umwelt, darauf wollen wir hinweisen.“ Der Ausstoß an CO2 ist gestiegen statt gesunken. Kohle boomt in Deutschland. Und nicht nur hier. Dabei kann es ein Leben nach dem Wachstum geben. Darüber diskutierte Paech abends im Camp mit der Umweltwissenschaftlerin Friederike Habermann.

Für eine Bilanz der Aktion sei es eindeutig noch zu früh, erklärte Tina Keller von der Initiative „ausgeCO2lt“. Allerdings seien schon jetzt mehr Teilnehmer zu verzeichnen als im Vorjahr.

Froh war man vor allem darüber, dass das Klimacamp von den Unwettern weitestgehend verschont geblieben war.