Kindertageseinrichtung in Merbeck wird "Naturpark-Kindergarten"

Kooperationsvertrag : Kinder werden zu Detektiven in der freien Natur

Der Merbecker Kindergarten soll die erste Naturpark-Kita im Kreis Heinsberg werden. Nun wurde ein Kooperationsvertrag zwischen der Stadt Wegberg, der Einrichtung und dem Naturpark Schwalm-Nette geschlossen.

Bürgermeister Michael Stock und der Geschäftsführer des Naturparks Schwalm-Nette, Michael Puschmann, unterschrieben gemeinsam mit Beate Hüllen die entsprechende Vereinbarung. Hüllen ist die Leiterin der Merbecker Einrichtung, die auf Anfrage der Stadt und nach einer kurzen Bedenkzeit zusagte und ihre Ausrichtung entsprechend anpassen wird.

Rund die Hälfte der Grundschüler in Deutschland sei einer Umfrage zufolge noch nie im Wald gewesen, betonte Puschmann. Dies müsse sich ändern, fanden die Mitglieder des Netzwerks Naturpark-Kita. Darin haben sich derzeit zehn der deutschen Naturparks zusammengeschlossen, um in einer bundesweiten Pilotphase auch die Zertifizierung einer Kindertagesstätte zur Naturpark-Kita zu testen. Der Naturpark Schwalm-Nette war bislang mit fünf Partner-Kitas dabei.

Dass die Merbecker Einrichtung mit ihren 56 Kindern auch dabei ist, verdankt sie dem Zufall und der Tatsache, dass Bürgermeister Michael Stock bei einem Gespräch mit Puschmann die sich aus dem Projekt ergebenden Möglichkeiten erkannte.

Wald spielt große Rolle

Die Wegberger Kindergärten wurden informiert und gefragt, ob sie sich eine solche Änderung der Zielrichtung vorstellen könnten. Die Merbecker konnten und sagten zu. „Wir haben da mit den Kollegen kurz diskutiert, dann waren alle dabei“, erinnerte sich die Leiterin Beate Hüllen. Der nahe Wald und die Natur spielten auch sonst eine große Rolle im Merbecker Kindergarten.

Zuerst musste ein Titel her, um der Aktion auch einen Namen zu geben. Kurzerhand entschied man sich für „Wir werden Naturpark-Detektive“, denn Detektive neigen ja dazu zu erforschen und zu beobachten. Und das wollen die Kinder im Naturpark auch tun.

Bei regelmäßigen Exkursionen wollen sie die Natur in allen Jahreszeiten kennenlernen und auch in ihren Familien für einen Besuch im Wald werben.

Auch die Erzieherinnen müssen  lernen: in regelmäßigen Fortbildungen werden sie sich im kommenden Jahr auf die neuen Aufgaben und Herausforderungen vorbereiten. Dabei greifen die Organisatoren den Einrichtungen auch unter die Arme, zum Beispiel in Form von sogenannten elektrischen Kinderwagen, in denen bis zu sieben Kinder Platz finden und die man ohne großen körperlichen Einsatz auch bis in den Wald geschoben bekommt.

„Unsere Arbeit wird nicht mehr, sie wird nur anders“, betonte Hüllen, die sich selbst schon sehr auf die neue Ausrichtung ihrer Arbeitsstätte freut.

Bürgermeister Stock sprach von Synergien, die sich durch dieses neue Angebot ergäben. Darüber hinaus würde was auch zur Attraktivität des Standortes Merbeck beitragen. Denn aus Erfahrung könne man sagen, dass das Angebot auch bei den Eltern und Freunden der Kindergartenkinder sehr gut ankäme, so Puschmann.

Einrichtung zertifizieren

Ein Jahr lang haben Beate Hüllen und ihre Kolleginnen nun Zeit, ihre Einrichtung zertifizieren zu lassen und sich selbst zu qualifizieren. Dann gilt sie fünf Jahre lang und muss anschließend beim Verband Deutscher Naturparke (VDN) für weitere fünf Jahre erworben werden. Das Projekt Naturpark-Kita wird auch von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.

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