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„Kunstrooms Roerdalen-Wassenberg“: Keramikskulpturen, Aquarelle und Plastiken

„Kunstrooms Roerdalen-Wassenberg“ : Keramikskulpturen, Aquarelle und Plastiken

Nach dem Neustart im Jahr 2018 zum Event „Kunststroom Roerdalen-Wassenberg“ zeigten auch in diesem Jahr rund 60 Künstlerinnen und Künstler ihre Werke.

Das besondere Merkmal dieser niederländisch-deutschen Kunsttour ist das Konzept,  historische Kulturorte zu Orte der Kunst und Kultur zu machen.

Mit einer Eröffnungsfeier im Landgoed Kasteel Aerwinkel am Abend zuvor startete die Kunstveranstaltung in die zweitägige Ausstellung. Kinder der Grundschule Birgelen trugen dabei Gedichte vor.  Während an insgesamt 14 Orten auch deutsche Teilnehmer ihre Kunst in Gebäuden auf niederländischer Seite zeigten, waren in den Wassenberger Ausstellungsräumen die Arbeiten belgischer und niederländischer Künstler zu sehen. In Wassenberg waren  unter anderem das Alte Rathaus und die evangelische Hofkirche die  Orte internationaler Kunst.

Die Exponate der Grundschule Birgelen standen im Foyer des Alten Rathauses. Eine Etage höher teilten sich Erna Vollrath und Veronique van Asch aus Belgien den Rundgang als Ausstellungsfläche. Auf Sockeln hatte van Asch ihre Keramikfiguren präsentiert. Die farbigen Glasurbereiche von Haar und Kleidung betonten die hellen unglasierten Gesichter mit ihrer dominanten Mimik. Ihr hintergründiger Humor wurde auch sichtbar in den Titel. So lautete denn einer auch „Königin für einen Tag.“

Künstlerin Veronique van Asch inmitten ihrer Keramikplastiken mit der „Königin für einen Tag“. Foto: Johannes Bindels

„Das Thema meiner Ausstellung heißt: Zwischen den Welten“, verriet Erna Vollrath im Gespräch. Es sei die Aufarbeitung eines persönlichen Erlebnisses, fügte sie an. Ihre plastischen Arbeiten in Ton und poliertem Kunstharz wie auch ihre Aquarelle umkreisten in Variationen den Werdegang eines Menschen, der mit seiner fortschreitenden Demenz kämpfte. Der Verlust des Gedächtnisses und die schwindende Identität und Persönlichkeit ließen den Betroffenen zwischen den Welten von Erkennen und Leere wechseln.

Gleich gegenüber dem Alten Rathaus wiesen Plakat und ausgestellte Skulpturen den Weg in die evangelische Hofkirche als Ausstellungsraum. Im Kirchenraum dominierten auf den Staffeleien die großformatigen Ölgemälde von Ingrid von Polen. An die Malerei der Neuen Sachlichkeit erinnernd waren in den dargestellten Szenen Momente handwerklicher Tätigkeiten festgehalten. Die Wurstherstellung in der Metzgerei, das Kochen in der Hektik der Gastronomie, die Patisserie eines Chocolatiers oder die kühle Professionalität hinter der Theke einer Bar wurden mit großer Lebendigkeit dargestellt.  Die Atmosphäre des Augenblicks einzufangen, Menschen im Moment der Tätigkeit einer handwerklichen Fertigkeit mit der Ausstrahlung des „ich liebe das, was ich tue“ darzustellen, gelang Ingrid von Polen mit großer Überzeugungskraft.

Lei Hannen und seine schwebenden Plastiken – er  sagte von sich, dass die Arbeit mit Ton ihn freigemacht habe. Foto: Johannes Bindels

Ganz anders die fast schwebenden Plastiken von Lei Hannen, die in den Ausstellungsbereich leiteten und die Zwischenräume im Kirchenraum mit ihrer Unverwechselbarkeit füllten. „Die Arbeit mit Ton hat mir meine Freiheit gebracht“, beschrieb der ehemalige Chemiker den Wechsel vor 30 Jahren in die freischaffende Kunst. Pferde und Rinder wurden zu harmonischen Dialogen geformt und als Symbole für Heiterkeit gestaltet.

Mit seinen Plastiken forderte Hannen den Kunstinteressierten heraus, mit offenem Geist der Fantasie ihren Lauf zu lassen. So lag es im Auge des Betrachters, ob eine Rabenfigur auch eine Wiedergabe des Pestdoktors mit seiner Maske sein könnte. Alle Künstler betonten, die grenzüberschreitende Ausstellung sei ein Weg zu mehr Verbundenheit und ein Gegengewicht zu Ausgrenzungen.

Erna Vollrath und Aquarelle zum Thema Zwischen den Welten – eine Aufarbeitung des Themas Demenz. Foto: Johannes Bindels