Kegelclub: Ist Deutschlands liebstes Hobby vom Aussterben bedroht?

Lust, ’ne ruhige Kugel zu schieben? : Kegelclubs für „Meisterschaft“ gesucht

Friedrich Schiller soll ein Fan gewesen sein, und auch Johann Wolfgang von Goethe wird nachgesagt, er habe gerne mal eine Kugel schwungvoll in Richtung von neun akkurat aufgestellten Kegeln gerollt, und das obwohl er seinen Faust eifrig übers Kegeln schimpfen lässt.

Ob die beiden Dichter allerdings auch in Clubs mit fantasievollen Namen wie „Wüstenmäuse“, „Die Trampler“, „Schräge Sechs“ oder „Kleine Hausnummer“ gekegelt haben, ist nicht überliefert.

Überliefert ist dagegen, dass Kegeln eine der ältesten Sportarten der Welt ist. Laut Wikipedia fanden Archäologen eine Kugel mit mehreren Kegeln in einem Grab in Luxor aus der Zeit circa 3500 vor Christus. Schon die Kinder der alten Germanen haben Steine nach Knochen geworfen und das könnte der Ursprung des Volkssports gewesen sein, der wegen des Hangs seiner Spieler zu Trunksucht und Glücksspiel im Mittelalter von Staat und Kirche vielerorts verboten wurde.

Petra und Frank Sawitzki aus Ratheim wären froh, wenn das Kegeln heute noch ein solches Massenphänomen wäre wie im 18. Jahrhundert. Sie organisieren gemeinsam mit dem Ehrenmitglied des Stadtsportverbandes Hückelhoven, Eberhard Schumann, schon seit Jahrzehnten mit großer Leidenschaft die offenen Stadtmeisterschaften im Kegeln in der Stadt Hückelhoven. Aber sie müssen leider feststellen, dass das einstmals liebste Hobby der Deutschen, „eine ruhige Kugel zu schieben und dabei ein Bierchen zu trinken“, an Attraktivität deutlich verloren hat.

Seit Jahrzehnten lieben sie es, eine „ruhige Kugel zu schieben“ und das gesellige Drumherum: Petra und Frank Sawitzki suchen Mitkegler für die Stadtmeisterschaft. Foto: Mirja Ibsen

Den Status des Volkssports hat das Kegeln längst nicht mehr. Doch warum? „Zum einen liegt es sicherlich am fehlenden Angebot an attraktiven Kegelbahnen. Die Gastwirte haben nicht mehr in ihre Bahnen investiert, die Anlagen sind veraltet, es lohnt sich nicht mehr“, vermutet Frank Sawitzki. Zum anderen habe sich das Freizeitverhalten der jungen Menschen deutlich verändert. Das Angebot an sportlichen Aktivitäten sei heute einfach wesentlich breiter gefächert.

Deutschlandweit sprechen die Zahlen für den Niedergang des Kegelsports. Ende der 1980er Jahre hatte der Deutsche Keglerbund 200.000 Mitglieder, heute sind es nur noch circa 80.000, auch in Hückelhoven sind die Teilnehmerzahlen an den Stadtmeisterschaften Jahr für Jahr weniger geworden, stellen die Organisatoren fest. Und das obwohl sie mit vielen Ideen und Einsatz gegen den Trend ankämpfen. Und auch in diesem Jahr wollen sich die Organisatoren und der Stadtsportverband Hückelhoven noch nicht geschlagen geben und bereiten die Stadtmeisterschaften vor.

Es sind wieder offene Meisterschaften, das heißt alle Kegelclubs aus dem Kreis Heinsberg sind zur Teilnahme berechtigt. „Diese Veranstaltung ist der einzige offizielle ‚Wettkampf‘ für Kegelsportler im Kreis Heinsberg“, erklärt Sawitzki.

Die Veranstaltung richte sich nicht an „Profi-Vereinskegler“, sondern an Hobby-Kegelclubs, die neben dem sportlichen den geselligen Aspekt im Vordergrund sehen. „Einen schönen Abend verbringen, ein bisschen quatschen, ein bisschen spielen, Spaß haben“, das sei das eigentliche Ziel, sagt auch Petra Sawitzki. „Mindestens fünf Kegler müssen sich zu einem Team zusammentun, sind es mehr, werden immer die Ergebnisse, der fünf besten gezählt“, erklärt Frank Sawitzki. In einem Zeitraum von circa neun Monaten richten die Kegelclubs eigenverantwortlich „Vergleichskämpfe“ mit einem zuvor zugelosten Gegnerclub aus und ermitteln so einen Sieger, der in die nächste Runde einzieht.

Erfahrungsgemäß kommt es laut der Organisatoren für die Kegelclubs zu maximal vier Kegelabenden (zwei Abende auf der Heimbahn und zwei Abende auf der Kegelbahn des Gegnerclubs), bevor im November für die besten vier Clubs das Finale in Hückelhoven ausgetragen wird. Neu ist, dass direkt im Anschluss die Sieger offiziell geehrt werden, deshalb sind auch alle gemeldeten Clubs zum Finale eingeladen. „Es soll eine richtige Siegesfeier werden“, sagt Sawitzki.

Für die Stadtmeisterschaft werden jetzt Damen- und Herren- und gemischte Clubs aus dem ganzen Kreisgebiet Heinsberg gesucht. Vertreter interessierter Clubs können sich direkt am Montag, 11. März, um 20 Uhr im Haus Sodekamp-Dohmen in Hückelhoven-Hilfarth, Breite-Straße 3, anmelden. Gleich im Anschluss findet die Auslosung der Wettkämpfe statt.

Weitere Informationen gibt es bei Frank Sawitzki unter  0175/1655769.

(mib/red)