Kapitänin Carola Rackete steuert Keyenberg an

Dorfspaziergang : Kapitänin Carola Rackete steuert Keyenberg an

Beim nächsten Dorfspaziergang in Keyenberg soll das Bündnis „Menschenrecht vor Bergrecht“ vorgestellt werden. Flüchtlingsretterin Carola Rackete erklärt sich solidarisch mit dem Kampf gegen den Tagebau. Sie nimmt am Spaziergang teil.

International bekannt geworden ist Carola Rackete, als sie den Hafen von Lampedusa anlief. Damals, im Juni dieses Jahres, hatte die Kapitänin der Sea-Watch-3 insgesamt 53 Flüchtlinge an Bord. Sie hatte sie zuvor im Mittelmeer aus Seenot gerettet. Die italienischen Behörden verwehrten ihr wochenlang die Erlaubnis, einen Hafen anzulaufen. Rackete kommt nun in den Kreis Heinsberg, genauer nach Keyenberg. Bei diesem Besuch geht es weniger um Flüchtlinge, aber in gewisser Weise auch um Menschenrechte.

Denn bei dem Dorfspaziergang am Sonntag, 10. November, 11.30 Uhr (Start ist auf der Wiese hinter der Keyenberger Kirche), soll das neue Bündnis „Menschenrecht vor Bergrecht“ vorgestellt werden. Mit diesem Bündnis habe Rackete sich solidarisch erklärt, sagt Britta Kox, die den Dorfspaziergang organisiert.

Das Bündnis „Menschenrecht vor Bergrecht“ hat das Ziel, die Umsiedlung von Keyenberg, Kuckum, Oberwestrich, Unterwestrich und Berverath zu verhindern. Das wolle es auch mit juristischen Mitteln tun. Denn die Eigentümer eines Grundstückes am Rande von Keyenberg haben angekündigt, nötigenfalls gegen eine etwaige Enteignung zu klagen. Der Besuch von Rackete sei über einen persönlichen Kontakt zustande gekommen, sagt Manuela Seiler von „Menschenrecht vor Bergrecht“. Mit der Arbeit von Rackete, die durchaus auch kritisch gesehen wurde, könne sich das Bündnis gut identifizieren, sie rette schließlich Menschenleben im Mittelmeer.

Im Oktober 2018 waren knapp 900 Menschen beim ersten Spaziergang durch den Ort Keyenberg dabei. Für Sonntag, 10. November, wird auch Flüchtlingsretterin Carola Rackete erwartet. Foto: Daniel Gerhards

Zuletzt war Rackete auch dabei, als in Berlin rund 3000 Aktivisten der Aktion „Extinction Rebellion“ versucht hatten, die Hauptstadt lahmzulegen. Damals forderte Rackete bei einer Rede an der Siegessäule: „Es ist mehr als Zeit, dass die Regierung die Wahrheit sagt und den ökologischen Notstand ausruft.“

Im Netzwerk Facebook begründet das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“ den Schulterschluss mit Carola Rackete damit, dass im Rheinland Menschen gezwungen werden, für die Braunkohle ihre Heimat zu verlassen. Gleichzeitig gehören die Tagebaue und die Kraftwerke für „Alle Dörfer bleiben“ „zu den zentralen Verursachern der Klimakrise. Sie sind verantwortlich dafür, dass Millionen von Menschen in den Ländern des globalen Südens ihrer Lebensgrundlage beraubt werden“.

Das wiederum stehe in Zusammenhang zu Kapitänin Rackete, die auf dem Mittelmeer „für sichere Fluchtwege“ streite. Das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“ schreibt dazu: „Wir stehen gemeinsam für Menschenrechte ein! Ob auf dem Mittelmeer, im globalen Süden oder in den vom Braunkohlebergbau bedrohten Dörfern. Überall leiden Menschen an den Folgen der fossilen Großindustrie.“