Käthe-Hennebrüder-Pfirsich ist schon im Juli erntereif

Wassenberger Früchtchen : Alte Pfirsichsorte in die Neuzeit gerettet

Bereits im Juli können die Früchte des Wassenberger Pfirsichs geerntet werden, den der Wassenberger Obstbauer Josef Hennebrüder in den 50er Jahren gezüchtet hat. Sein Sohn hat die alte Sorte für nächste Generationen erhalten.

Saftig ist er und süß, mit etwas weniger Säure als der Wassenberger Sämling, von dem er abstammt. Das Allerbeste an dem Pfirsich, der vor der Ernte rötlich-gelb und prall im Baum leuchtet, ist aber, dass er so früh reif ist. Bereits Anfang Juli kann er gepflückt werden.

Fast hätte Josef Hennebrüder künftig auf den Genuss des gelblich-weißen Fruchtfleisches verzichten müssen, denn der Baum, der diese Früchte trug, war schon alt, und zwar sehr alt. Jedes Jahr waren es weniger Blüten, die sich in das vitaminreiche, samtig verpackte Naschwerk verwandelten.

Sein Baum war einer von drei Bäumen, den er von der Obstplantage seines Vaters Josef Hennebrüder Senior mitgenommen hat, als diese aufgelöst wurde. Den zweiten Baum hat seine Schwester bekommen, den dritten sein Bruder. Es ist eine ganz spezielle Züchtung, die durch Kreuzung und Auslese aus dem Wassenberger Sämling entstanden ist.

„Ich frage mich heute noch: Wie hat er das hinbekommen, dass der Baum drei bis vier Wochen früher blüht?“, sagt Josef Hennebrüder. Fragen konnte er nicht mehr, denn sein Vater starb 1954 als Josef neun Jahre alt war. Er erinnert sich aber gut daran, dass sein Vater fuchsteufelswild wurde, wenn jemand versuchte, einen Wassenberger Sämling aus dem Kern zu ziehen. „Wir Kinder mussten immer alle Kerne auf den Kompost werfen.“ Dabei ging es um Qualitätssicherung.

Josef Hennebrüder kann wieder Pfirsiche ernten, die den Namen seiner Mutter tragen. Er hat die alte Sorte gerettet. Foto: Mirja Ibsen

„Mein Vater war ein über die Region hinaus bekannter Obstbauer“, der die „Kernfeste“ des Sämlings herausgezüchtet hat, sagt der Sohn, inzwischen selbst ergraut, während er über die weitläufigen Pferdewiesen am Heesweg in Wassenberg blickt, die einmal mit Pfirsichbäumen bepflanzt waren. „Im Zeitraum zwischen 1930 bis 1950 gab es wohl keine Anpflanzung von Sämlingen, die er nicht geplant beziehungsweise begleitet hat.“

Was „kernfest“ bedeutet, erklärt der heutige Wegberger auch gleich. Wenn man den Pfirsich aufschneide, sagt er und macht dann eine drehende Bewegung mit der Hand, könne man den Kern ganz einfach herausnehmen. Und diese Kernfeste könne bei Nachzüchtungen nur erhalten bleiben, wusste Obstbauer Hennebrüder Senior, wenn man die Bäume mit Stecklingen veredelt. Alles andere sei ein Glücksspiel. Josef Hennebrüder Junior hat den Eindruck, dass dieses Wissen verloren gegangen ist.

Er selbst ist Betriebswirt und kennt sich besser mit Immobilien, als mit Pflanzungen aus, deshalb hat er sich Hilfe geholt, um die alte Pfirsichsorte, die den Namen seiner Mutter Käthe trägt, in die Neuzeit zu retten. Gemeinsam mit der Erkelenzer Baumschule Morjan ist es ihm gelungen.

Die Pfirsiche schmecken ähnlich wie der Wassenberger Sämling (großer Pfirsich im Bild), der sich auch dadurch auszeichnet, dass sein Kern so leicht entnommen werden kann. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Grundlage für die Veredelung ist ein Pflaumenbaum, auf den die Stecklinge gesetzt wurden. „Es war höchste Zeit“, erzählt Hennebrüder, „die Triebe meines Baumes waren nur noch knapp fünf Zentimeter lang.“ So kraftlos, so alt war das Gewächs. Das ist jetzt etwa fünf Jahre her. Der Baum seiner Schwester war zu diesem Zeitpunkt bereits abgestorben und sein Bruder hatte den seinen bei einem Umzug nicht mehr verpflanzt.

Es war gerade rechtzeitig. Als die Äste des alten Baumes im vergangenen Jahr endgültig verdorrten, trug der junge die ersten Früchte. Heute gibt es einen zweiten Pflaumenbaum der Baumschule Morjan auf dem Grundstück der Familie Hennebrüder, der Pfirsiche trägt. Und weitere Bäume wachsen noch ihrer ersten Blüte entgegen.

Auch die Baumschule Peter Höppner in Baesweiler-Setterich, die schon früher zu Zeiten von Obstbauer Hennebrüder Senior die Sorte vertrieben hat, zieht inzwischen wieder junge Bäume heran, allerdings mit einem Verfahren, das viel länger dauert. In diesem Jahr hat Hennebrüder fast zehn Kilo Pfirsiche ernten können. Süß, saftig und nur leicht säuerlich. Nur kernfest sind sie anders als der Wassenberger Sämling nicht. „Daran wollte mein Vater noch arbeiten.“

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