JVA startet Spendenaktion für Gefangene

Spendenaktion : JVA startet Spendenaktion für Gefangene

Zu den Spendenaufrufen, die anlässlich des bevorstehenden Weihnachtsfestes initiiert oder in guter Tradition wiederholt werden, gehört auch die ökumenische Spendenaktion der Seelsorger, die in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Heinsberg tätig sind. „Ich habe keinen Menschen“, bildet dabei dieses Mal den Leitgedanken.

Dieses Wort aus dem Johannesevangelium (5,7) komme ihm immer wieder in den Sinn, erklärte der katholische Pfarrer Rüdiger Hagens zusammen mit Pastoralreferent Rainer Ostwald, dem evangelischen Pfarrer Gernot Müller und Uschi Schlangen von der Gefangenenhilfe bei der Vorstellung der Aktion in der JVA. An dieser Stelle des Evangeliums gehe es um einen bereits seit 38 Jahren Gelähmten. Er liege mit anderen am Teich Bethesda in Jerusalem und mühe sich, ins Wasser zu gelangen, wenn dieses aufwalle und so Heilung verspreche. „Aber da ist keiner, er hat keinen Menschen, der ihn ins Wasser trägt“, erklärte Hagens. „So kommt er immer zu spät, hat die Hoffnung auf Gesundung schon aufgegeben. Bis Jesus ihn heilt.“

Der Leitgedanke „Ich habe keinen Menschen“ gelte auch für so manchen Gefangenen, berichtete er weiter, etwa den, dessen Familie in Marokko oder Algerien lebe und der hier gar keine Angehörigen habe oder für den, der gar nicht in einer Familie aufwachsen konnte, sondern eine regelrechte Heim-„Karriere“ hinter sich habe. Schließlich gebe es auch den, der keinen Kontakt mehr zu seiner Familie habe, „den man offiziell schon abgeschrieben hat – zu oft im Knast, zu viele Drogen, nichts mehr zu machen…“

Gerade für solche Menschen sei jedoch derjenige Mensch geworden, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern würden, betonte Hagens. „Gerade für solche Menschen fühlen wir uns als Gefängnisseelsorger verantwortlich – damit da wenigstens ein Mensch ist, der zuhört, begleitet, nicht verurteilt.“ Und gerade für solche Menschen solle es an Weihnachten eine Tüte mit Spenden geben, damit ihnen deutlich werde: „Da gibt es doch Menschen, die an Dich denken.“ Hinzu komme, dass aus Sicherheitsgründen schon seit vielen Jahren gar keine persönlich adressierten und bestückten Weihnachtspakete mehr an Gefangene geschickt werden dürften. „Nur seitens der Seelsorge ist eine Zuwendung an jeden Gefangenen möglich“, so Hagens. Derzeit sitzen in der JVA rund 420 Gefangene ein. „Gerade hier im Knast ist das wirklich eine gute Aktion“, ergänzte Maki (23), der als einer der Gefangenen ebenfalls an dem Gespräch teilnahm.

Daher bitten die Seelsorger und Sachspenden wie Kaffee, Tabak, Dauerwurst, Konserven oder Süßigkeiten, die am besten lose abgegeben werden sollten, damit sie in die Tüten verteilt werden können. Nicht erlaubt sind Produkte, die Alkohol enthalten, was auch auf Drogerieartikel wie Aftershaves und Sprays zutreffen kann. „auch auf leicht verderbliche Waren wie etwa frisches Obst sollte verzichtet werden“, bittet der Pfarrer. Gerne nehmen die Seelsorger in ihrer Kooperation mit der Gefangenenhilfe auch Geldspenden für ihre Weihnachtsaktion an, Konto DE08 3125 1220 0002 0010 55 bei der Kreissparkasse Heinsberg, Kennwort: Weihnachtsaktion/kath. Seelsorge. Sachspenden können bis 17. Dezember in den katholischen Pfarrbüros abgegeben werden.

(anna)