Juliane Juchli bekommt goldenes Pflegeherz

Juliane Juchli : Ein Herz für die Grande Dame der Pflege

Insgesamt zwölf goldene Pflegeherzen hat der Verbund der caritativen Einrichtungen „Starke Partner – Pflegenetz im Kreis Heinsberg“ in diesem Jahr im Rahmen eines Festaktes in der Heinsberger Christuskirche verliehen.

Je eines ging an die Schweizer Kranken- und Ordensschwester Liliane Juchli, die Begründerin des bekannten Pflege-Lehrbuchs „Der Juchli“, und an den Kabarettisten und Moderator Dr. Eckart von Hirschhausen, die übrigen zehn an pflegende Angehörige, Mitarbeiterinnen von Pflegeeinrichtungen oder einen in der Selbsthilfe engagierten Preisträger.

Alle, die in den vergangenen 50 Jahren eine Ausbildung in Kranken- oder Altenpflege gemacht hätten, würden dieses Werk kennen, erklärte Josef Aretz, Vorsitzender des Arbeitskreises Marketing im Pflegenetz, als er das blaue Buch von Liliane Juchli in die Höhe hielt. Auch er selbst habe das Buch 1978 als Krankenpflegeschüler im Geilenkirchener Krankenhaus kennengelernt. „Dass ich Schwester Liliane Juchli einmal gegenüberstehen würde, hätte ich nie gedacht“, freute er sich.

Sei sie es doch, die Entwicklung, Professionalisierung und Lehre der Pflege im gesamten deutschen sowie zum Teil auch im niederländischen und italienischen Sprachraum durch ihr Buch tiefgreifend und nachhaltig beeinflusst habe. Immer sei es ihr Anliegen gewesen, ganzheitlich auf den Patienten zu schauen. „Jeder Mensch ist eine Einheit von Körper, Geist und Seele“ laute ihr Credo, und immer umfasse die Sorge um den Patienten bei ihr auch die Seelsorge.

Die 85-jährige Ordensschwester freute sich sichtlich über ihre Auszeichnung. In ihrer Dankesrede hielt sie ein Plädoyer für die Würde des Menschen. Es gelte, „dem Menschen Mensch zu sein“ und ein großes Herz zu haben, seine Würde zu entdecken, selbst wenn äußerlich vielleicht gar nichts darauf hindeute, erklärte sie. „Und vergessen wir nicht die Sorge um uns selbst! Denn auch dafür haben wir das Pflegeherz bekommen“, rief sie allen Ausgezeichneten zu und griff damit einen Punkt auf, den auch schon Aretz in seiner Rede angesprochen hatte. „Ein aufmerksames Herzdenken ist eines, das auf sich und auf andere hören kann“, fuhr die Schwester fort Ihr Dank ging schließlich an alle pflegenden Menschen, „von Pflegeherz zu Pflegeherz“.

Von Hirschhausen konnte an der Veranstaltung nicht teilnehmen. Er hatte sein Pflegeherz bereits am 29. Oktober in Köln von Vertretern des Pflegenetzes erhalten. Als seine Stellvertreterin war Nuria Hansen nach Heinsberg gekommen, als Clownin aktiv in seiner Stiftung „Humor Hilft Heilen“. Hirschhausen sprach in einer Videobotschaft zu den Gästen des Festaktes. Die Gruppe der pflegenden Menschen in unserer Gesellschaft habe keine Lobby, erklärte er. Es sei zwar noch ein langer Weg zu mehr Anerkennung für diese Tätigkeit in der Bevölkerung, aber er habe das Gefühl, dass sich doch langsam etwas ändere.

Mehr Wertschätzung

Die mit der Pflege in Zusammenhang stehenden Themen hätten die politischen Gremien und die Menschen „zumindest annähernd erreicht“, hatte auch Gottfried Küppers, Vorsitzender des Pflegenetzes nach dem Gottesdienst mit Propst Markus Bruns und Pfarrer Sebastian Walde schon in seiner Begrüßung gesagt. „Wir dürfen dennoch nicht nachlassen in unserem Bestreben für eine höhere Wertschätzung der Pflege“, betonte er.

Die neuen Träger der goldenen Pflegeherzen aus der Region zusammen mit Schwester Liliane Juchlie (links) und Nuria Hansen (hinten, 2.v.r.), die in Vertretung für Dr. Eckart von Hirschhausen zum Festakt gekommen war. Foto: Anna Petra Thomas

Ihr Image müsse ebenso verbessert werden wir ihre Rahmenbedingungen. Nüchtern betrachtet müsse man nämlich feststellen, dass die Pflege von einer Anerkennungskultur noch weit entfernt sei, fügte er sogleich hinzu. Die Verleihung von Pflegeherzen an Menschen mit „Leuchtturmfunktion“ helfe jedoch dabei, das Engagement pflegender Menschen verstärkt ins Rampenlicht zu rücken.

Einer Gratulationscour, musikalisch untermalt von Frank Ollertz (Klavier) und Paul Gerards (Gitarre) schloss sich ein kleiner Empfang an, bei dem sogar Autogramme von Schwester Liliane Juliane in sichtbar gut genutzte Lehrbücher gefragt waren.

Anschließend traf sie in der Christuskirche noch Auszubildende aus den am Pflegenetz beteiligten Einrichtungen.