Hückelhoven: Jugendamt appelliert: Mehr aufs Kind statt aufs Smartphone schauen

Hückelhoven : Jugendamt appelliert: Mehr aufs Kind statt aufs Smartphone schauen

Vor zehn Jahren kamen die Smartphones, diese Wisch-Geräte, auf den Markt — und sie sind heute aus dem Alltag kaum noch wegzudenken. Mehr noch: Viele Menschen können sich ein Leben ohne Smartphone kaum noch vorstellen. Das gilt selbstverständlich auch und gerade für junge Eltern, die während der digitalen Revolution aufgewachsen sind.

„Digital Natives“ nennt man diese Generation in der Fachsprache. Und an eben diese Zielgruppe wendet sich die bundesweite Kampagne „Sprechen Sie lieber mit ihrem Kind …“, die eine Frankfurter Werbeagentur entwickelt und für das Netzwerk „Frühe Hilfe“ des Jugendamtes Hückelhoven angepasst hat.

Kein pädagogischer Zeigefinger

Der Kampagnename ist auch in dicken Lettern auf den Plakaten und Postkarten zu lesen. Darauf zu sehen: eine junge Frau, die sich intensiv mit dem Smartphone beschäftigt und das Kleinkind im Kinderwagen dabei aus den Augen verliert. „Die Plakate machen deutlich, dass ein fürsorgliches und zugewandtes Miteinander, wie es Babys und Kleinkinder besonders brauchen, mit dem Handy in der Hand, vor den Augen oder am Ohr nicht geht“, sagt der Leiter des Hückelhovener Jugendamtes, Ralf Schwarzenberg.

Die Plakate und Postkarten sollen in Schulen, Kindertagesstätten, im Rathaus und anderen städtische Einrichtungen sowie Arztpraxen im Stadtgebiet verteilt und an den öffentlichen Plakatständern angebracht werden. Damit soll aber nicht der pädagogische Zeigefinger erhoben werden. „Vielmehr soll durch ein Schmunzeln die Aktion bei den Erwachsenen zur Selbstregulation führen“, hofft Schwarzenberg.

Denn wie wichtig eine sichere Bindung zu den Eltern und der Spracherwerb für Kinder ist, um sich zunächst das soziale Umfeld und später die Welt zu erschließen, dürfte auch der neuen Elterngeneration bekannt sein. „Kinder brauchen zugewandte, präsente Erwachsene in der Interaktion, sie brauchen Sprachvorbilder“, sagt Schwarzenberg. „Der Blickkontakt zwischen Eltern und Babys ist elementar wichtig, er sichert die Bindung“, erklärt der Jugendamtsleiter.

Der Appell, das Handy in die Tasche zu stecken, wenn man mit seinem Kind unterwegs ist, sollte mit den Plakaten in Hückelhoven bei Eltern ankommen — zumindest, wenn sie den Blick nach vorne richten, statt auf das Display ihres Smartphones.